Norwegen: Sexismus-Skandal nach Spielsucht-Interview mit Fußballprofi

Veröffentlicht am: 4. März 2021, 03:50 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 4. März 2021, 04:29 Uhr.

Aufnahmen eines Interviews mit dem Profi-Fußballer Vegard Forren (33), die am Montag im norwegischen Fernsehen ausgestrahlt wurden, sorgen für öffentliche Empörung. Stein des Anstoßes sind dabei nicht die Ausführungen des Kickers zu seiner bereits zuvor öffentlich gemachten Spielsucht. Für harsche Kritik sorgt ein Detail, das im Hintergrund zu sehen war: Auf einem offenbar dekorativ aufgehängten Trikot wertete ein sexistischer Spruch den Frauenfußball und seine Akteurinnen ab.

Interview Vegard Forren
Im Interview erregte der Hintergrund mehr Aufmerksamkeit als die Worte von Fußballer Forren (Quelle:tv2.no/sport/11987026)

„Keine Frauen und kein Fußball“

Das fragliche Interview [Seite auf Norwegisch] des Senders TV2 hatte Corona-bedingt via Videoschalte aus den Räumlichkeiten des norwegischen Traditionsklubs Brann Bergen stattgefunden, bei dem Forren aktuell unter Vertrag steht. Konkret habe er sich im Büro von Torwarttrainer Dan Riisnes aufgehalten, als er sich zu seinem Leben mit der Spielsucht geäußert habe.

Im Mai 2020 hatte Vegard Forren erstmals öffentlich zugegeben, seit rund anderthalb Jahrzehnten spielsüchtig zu sein. Zur Finanzierung des Glücksspiels habe er trotz guten Auskommens als Profi Kredite aufnehmen müssen. Letztlich habe er sogar in die Strafkasse seines damaligen Vereins Molde gegriffen, für die er zuständig gewesen sei. Den Schritt in die Öffentlichkeit hatte er unter anderem damit erklärt, die Beziehung zu seiner Ehefrau retten zu wollen.

Während die Wanddekoration mit mehreren aufgehängten Fußballtrikots an sich noch keine Besonderheit darstellte, fiel diversen Zuschauern eines von ihnen besonders ins Auge. Auf dem knallgelben Trikot prangte eine Aufschrift mit der Übersetzung „Frauenfußball, was ist das? Das sind weder Frauen, noch ist das Fußball“.

Spielerin fordert „Reality-Check“

Bereits während Forren noch live Rede und Antwort stand, so Medienberichte, hätten den Sender Proteste von Zuschauern erreicht. Im Anschluss hatten sich öffentlich auch Prominente zu Wort gemeldet. So erklärte beispielsweise die ehemalige norwegische Nationalspielerin Ingrid Ryland:

Ich dachte, wir wären schon weiter. Ich dachte, wir hätten das Thema bereits zu den Akten legen können. Das sagt einiges aus über die Haltung, die noch immer existiert. Es ist Zeit für einen Reality-Check bei einem der prominentesten Klubs Norwegens.

Auch Brann-Chefin Vibeke Johannesen zeigte sich unangenehm berührt. Bei dem Trikot habe es sich um ein 15 Jahre altes Geschenk gehandelt, das mittlerweile entfernt worden sei. Die gesamte Situation, so Johannesen, sei „sehr, sehr unglücklich“ und „extrem peinlich“.

Der interviewte Vegard Forren soll keine Ahnung davon gehabt haben, was da prominent hinter ihm zu sehen war. Er hatte sich in dem Gespräch sehr offen zu seiner Spielsucht geäußert. An dem Gespräch teilgenommen hatte per Videoschalte auch Forrens Ehefrau.

Beide hatten geschildert, dass der Fußballer im Laufe der Jahre heimlich mehrere Millionen Kronen verspielt habe. Als der Druck nicht mehr auszuhalten gewesen sei, habe er sich seiner Frau offenbart. Daraufhin hätten sich beide entschieden, sowohl gemeinsam als auch einzeln therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Mittlerweile lebe Forren seit rund einem Jahr abstinent.