Neustart der Premier League: NHS warnt Buchmacher vor rücksichtloser Glücksspiel-Werbung

Veröffentlicht am: 17. Juni 2020, 12:20 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 17. Juni 2020, 12:20 Uhr.

Der britische Gesundheitsdienst NHS hat die Buchmacher dazu aufgefordert, verantwortungsvoll mit Werbung umzugehen. Wie die Zeitung The Guardian [Seite auf Englisch] gestern berichtet hat, sollen Wettanbieter den Neustart der britischen Premier League am heutigen Mittwoch nicht für „rücksichtslose“ Werbung ausnutzen.

Fußball auf Fußballfeld
Mit dem Neustart der Premier League sorgt sich Murdoch um einen Anstieg von Spielsucht. (pixabay.com, KelvinStuttard)

Sorge vor Anstieg von Spielsucht

Die Leiterin der Abteilung für psychische Gesundheit des NHS England, Claire Murdoch, warnte, dass Glücksspiel-Werbung zu einem Anstieg von problematischem Spielverhalten führen könne.

Millionen Menschen hätten dem Neustart der Premier League entgegengefiebert. Dies sei jedoch keine Entschuldigung dafür, die Suchtgefahr anzuheizen, so Murdoch.

Das britische Gesundheitssystem, welches aufgrund der Corona-Pandemie derzeit bereits überlastet sei, könne einen entsprechend erhöhten Bedarf an Suchtbehandlung nur schwer gewährleisten:

Der NHS stellt sich der Herausforderung, spezialisierte Behandlung anzubieten. Meine Kollegen haben sich in diesem Jahr jedoch darauf konzentriert, Menschen vor einer globalen Pandemie zu schützen, wie sie nur einmal pro Generation vorkommt. Das Letzte, was NHS-Mitarbeiter und -Patienten benötigen, sind vermeidbare Schäden, verursacht durch rücksichtslose Werbung und Verhaltensweisen der Glücksspielbranche, wenn das normale Leben wieder aufgenommen wird.

Sie appelliere daher an die Anbieter, in den nächsten 48 Stunden keine „aggressiven Werbekampagnen“ zu schalten, um die Einnahmen anzukurbeln und damit Verluste aus der Corona-Krise aufzuholen.

Glücksspiel-Verband: Kommunikation statt „hetzerischer“ Schlagzeilen

Der Hauptgeschäftsführer des britischen Glücksspielverbands (BGC), Michael Dugher, forderte Murdoch dazu auf, das Angebot des BGC vom Januar anzunehmen, ihre Bedenken direkt mit den Vertretern der Glücksspielbranche zu besprechen, statt der Presse aufwiegelnde Schlagzeilen zu liefern.

Im Januar hatte sich Murdoch in einem offenen Brief direkt an die führenden Buchmacher des Landes, Bet365, Betfred, GVC Holdings, Flutter Entertainment und William Hill, gewandt. In diesem hatte sie einige der Marketing-Praktiken der Firmen als zu aggressiv angeprangert, wodurch die Suchtgefahr für viele Menschen erhöht werde.

Hinsichtlich der Sorge, dass Glücksspiel-Werbung zu erhöhter Suchtgefahr führe, entgegnete Dugher, dass mindestens 20 % der TV-Werbung bei Sport-Liveübertragungen verantwortungsvolles Glücksspiel anpreise.

Außerdem hätten erst kürzlich vier führende Buchmacher angekündigt, 100 Millionen GBP (rund 112 Millionen Euro) in die Erforschung, Aufklärung und Behandlung von Spielsucht investieren zu wollen.