Schweizer Ex-Pfarrer verzockte vermutlich 2.16 Millionen Franken

Veröffentlicht am: 28. November 2018, 01:19 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 28. November 2018, 05:20 Uhr.

Einem römisch-katholischen Ex-Pfarrer aus dem Schweizer Küssnacht wird vorgeworfen, Spielschulden in Höhe 2.16 Millionen Schweizer Franken (ca. 1.9 Millionen Euro) angehäuft zu haben.

Küssnacht
Küssnacht aus der Ferne. (Quelle: Wikimedia)

Der ehemalige Geistliche Werner Fleischmann gehörte dem Bistum Chur an und trat bereits im Juni 2018 von seinem Amt zurück.

Gläubiger kommen aus der eigenen Gemeinde

Chur
Das Wappen des Bistum Chur. (Quelle: Wikipedia)

Wie der Anwalt des Ex-Pfarrers und das Bistum Chur letzte Woche bekannt gaben, hätten sich bereits 58 Gläubiger gemeldet, die Fleischmann während seiner Zeit als Pfarrer Geldbeträge geliehen hätten. Darunter auch Personen aus der von Fleischmann betreuten Gemeinde.

Es sei nicht auszuschließen, dass sich diese Zahl noch erhöhe. Gläubiger, die weitere Forderungen geltend machen wollten, könnten sich mit ihrem Begehren bei einer eigens eingerichteten Anlaufstelle melden, die bei einem Luzerner Notar eingerichtet worden sei.

Das Bistum hat zudem angekündigt, eine Strafanzeige gegen Fleischmann stellen zu wollen.

Die Diözese vermute, dass auch Gelder der Pfarrei für die privaten Zwecke des Ex-Pfarrers verwendet worden seien.

Zu den bestehenden Forderungen in Höhe von 2.16 Millionen Franken kämen laut Angaben von Fleischmanns Anwalt noch einmal 195.000 Euro hinzu. Fleischmann habe auch Immobiliengeschäfte in Süddeutschland getätigt. Eine weitere Forderung von 283.000 Euro, die ebenfalls aus den Immobilien-Deals resultiere, wird von Seiten des Rechtsbeistandes allerdings bestritten.

Die Gemeinde Küssnacht

Küssnacht ist eine Gemeinde im Schweizer Kanton Schwyz. Sie liegt am Vierwaldstätter See und ist mit 12.5000 Einwohnern die zweitgrößte Gemeinde des Kantons. Knapp 66 % der Küssnachter sind Mitglieder der römisch-katholischen Kirche.

Ein reuiger Sünder?

Fleischmann, der sich derzeit wegen seiner Spielsucht in psychotherapeutischer Behandlung befindet, gibt sich reuig. Wie die Luzerner Zeitung berichtete, nahm Fleischmann in einem Abschiedsbrief an seine Gemeinde anlässlich des Christkönigsfests noch einmal zu den Vorgängen Stellung, die fünf Monate zuvor das beschauliche Küssnacht in seinen Grundfesten erschütterte.

Im Brief, der von Pastoralassistentin Claudia Zimmermann anstatt einer Predigt verlesen wurde, sagt Fleischmann über die letzten fünf Monate:

Sie waren schmerzhaft für mich, aber besonders für jene, denen ich Unrecht getan habe. Leider waren das viele von Ihnen, die durch meine Lügerei ausgenutzt wurden – das tut mir unendlich leid (…). Es tut mir unendlich weh, dass durch mich begangenes Unrecht nur in beschränktem Mass wiedergutgemacht werden kann.

Dem ehemaligen Pfarrer sei erst in der Therapie klar geworden, dass er viel früher hätte Hilfe in Anspruch nehmen müssen, um den von ihm angerichteten Schaden einigermaßen überblickbar zu halten.

Fleischmann ließ es sich außerdem nicht nehmen, das Bild des „Diabolus“ zu verwenden, um zu beschreiben, wie sehr sein rationales Handeln durch die Sucht blockiert worden sei.

Doch nicht nur Worte der Reue bekamen die Teilnehmer des Gottesdienstes zu hören. Ex-Pfarrer Fleischmann bedankte sich bei der Gemeinde für 21 gemeinsame Jahre, in denen er viel Freude und Leid mit den Gemeindemitgliedern habe teilen dürfen.

Im Anschluss an das Verlesen des Briefes wurde für den Ex-Pfarrer und seine Opfer gebetet.

Rückhalt in der Gemeinde

Obwohl das Bistum vermutet, dass sich Fleischmann auch an den Geldern der Kirche vergriffen haben könnte, wollten nicht alle Gemeindemitglieder mit ihrem ehemaligen Pfarrer brechen.

Ganz im Gegenteil. Auf der Crowdfunding-Seite lokalhelden.ch wurde ein Projekt gestartet, das Fleischmann dabei helfen sollte, seine Schulden bei den Gläubigern zu begleichen. In der Projektbeschreibung heißt es:

„Werni gab uns 20 Jahre viele schöne Momente – jetzt ist es an der Zeit, dass wir ihm etwas zurück geben. Hilft Werner Fleischmann seine Schulden zu tilgen, um ihm einen neuen Start zu ermöglichen.“

Insgesamt konnten durch die Spendenaktion, die bis zum 31. August 2018 lief, 16.341 Schweizer Franken (ca. 14.500 Euro) gesammelt werden. Ein stattlicher Betrag, der in Anbetracht der vermuteten Schuldenhöhe von 2.16 Millionen Franken aber bedauernswerterweise nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein dürfte.

Nicht der einzige Geistliche mit Spielproblemen

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Küssnacht liegt im Kanton Schwyz (Quelle: Wikimedia)

Der ehemalige Schweizer Pfarrer steht mit seinem Spielproblem nicht allein da. Auch andere katholische Geistliche haben in diesem Jahr mit ihrem problematischen Spielverhalten für Furore gesorgt.

So wird einem Pfarrer aus Ballenstedt im Harz vorgeworfen, 120.000 Euro aus der Pfarrkasse entwendet zu haben. Wie das Bistum Magdeburg mitteilte, habe der Mann das Geld genutzt, um an Glücksspiel im Internet teilzunehmen.

In einem anderen Fall hatte ein italienischer Pfarrer des Bistum Treviso rund 500.000 Euro aus der Gemeindekasse genommen, um seiner Spielleidenschaft zu frönen.

Aufgrund seines Geständnisses und der gezeigten Reue kam der 48-Jährige mit einer Haftstrafe von zwei Jahren davon.