Online Glücksspiel in der Schweiz ab nächstem Jahr beschränkt erlaubt

Veröffentlicht am: 14. November 2018, 11:19 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 14. November 2018, 11:19 Uhr.

Ab Januar 2019 tritt in der Schweiz das neue Geldspielgesetz in Kraft. Glücksspielanbieter dürfen dadurch ihre Spiele auch im Internet zur Verfügung stellen, sofern eine entsprechende Konzession vorliegt. Im Sommer des nächsten Jahres ist mit ersten legalen Online Anbietern zu rechnen.

Roulette Tisch
Online Glücksspiel in der Schweiz bald erlaubt (Bild: Wikipedia)

Das Volk hat entschieden

Nachdem die Schweizer im Juni per Referendum für das neu entworfene Geldspielgesetz gestimmt hatten, hat der Bundesrat nun den 1. Januar 2019 als offiziellen Stichtag festgesetzt. So soll das Online Glücksspiel in der Schweiz ab dem nächsten Jahr gesetzlich erlaubt sein.

Doch damit stehen längst nicht einfach die Türen zum Schweizer Online Casino Markt offen. In der Tat wird das Recht, Online Casinospiele anzubieten, nur den bereits bestehenden Schweizer Casinos vorbehalten sein. Dennoch ist dies eine bedeutsame Entwicklung, denn bisher durften lediglich die beiden Lotterien Swisslos und Romande Online Spiele und Wetten anbieten.

Im gesamten Land gibt es derzeit 21 Spielbanken. Acht der Casinos verfügen über eine A-Konzession, die restlichen 13 über eine B-Konzession. Der Unterschied besteht in den Regelungen zu Spielangebot, Einnahmen und Abgaben. Für Casinos mit einer A-Konzession gibt es kein oberes Limit für die Anzahl angebotener Spiele. Auch sind die Höchsteinsätze nicht beschränkt und die gesamten Spielbankenabgaben fließen in die Schweizer Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV).

Casinos mit einer B-Konzession dürfen nur die Spiele Roulette, Blackjack und Poker anbieten sowie 250 Geldspielautomaten zur Verfügung stellen. Die Spielbankenabgaben gehen zu 60 % in die AHV und zu 40 % direkt an den jeweiligen Kanton. Alle laufenden Konzessionen sind noch bis 2023 gültig.

Internationale Casinos werden also weiterhin keinen Zugang zum Schweizer Glücksspielmarkt erhalten, selbst wenn diese bereits in vielen anderen Ländern über entsprechende Lizenzierungen online Glücksspiel betreiben.

Um den Schweizern den Zugriff auf diese Anbieter zu erschweren, soll es Online Zugangssperren geben. Wer dann eine internationale Glücksspielwebsite, die nicht über eine Schweizer Lizenzierung verfügt, zu öffnen versucht, soll stattdessen auf eine Informationsseite weitergeleitet werden, welche darauf hinweist, dass der entsprechende Anbieter in der Schweiz nicht legal ist.

Ausrufezeichen
Spieler werden von illegalen Websites umgeleitet (Bild: Wikimedia)

Problemlos um eine Online Glücksspiel Konzession bewerben können sich hingegen die bestehenden 21 Spielbanken des Landes. Bis die Konzessionen gewährt werden und die Online Plattformen tatsächlich bestehen, wird es allerdings einige Monate dauern. Während kein genaues Datum genannt wurde, wird zumindest die Online Zugangssperre zu unlizenzierten Anbietern ab dem 1.Juli 2019 aktiv sein.

Die Zugangssperre selbst kam bei vielen Schweizer Bürgern zwar nicht sehr gut an, doch stimmte die Bevölkerung mit großer Mehrheit für das neue Gesetz. Zwar gab es von Kanton zu Kanton einige Unterschiede im Wahlausgang, doch lag das Endergebnis bei einer Befürwortung von 72,9 %. Allerdings hatten sich nur 33,7 % der Wahlberechtigten auch tatsächlich an der Wahl beteiligt.

Glücksspieleinnahmen fürs Gemeinwohl

Das neue Gesetz hat dabei lange auf sich warten lassen, denn bisher gelten noch immer das Lotteriegesetz vom 8. Juni 1923 sowie das Spielbankengesetz vom 18. Dezember 1998. Lediglich 2012 wurde eine bedeutsame Änderung an den bestehenden Gesetzen durchgeführt, ebenfalls auf Basis eines Referendums.

Die Schweizer konnten am 11. März 2012 über den Bundesbeschluss vom 29.09.2011 entscheiden, welcher festlegen sollte, dass sämtliche Spielbankabgaben „zugunsten gemeinnütziger Zwecke gehen sollten. An dieser Regelung hängt auch das neue Geldspielgesetz fest.

Die Abgaben errechnen sich auf Basis der Bruttospielerträge und betragen bei bis zu 10 Millionen Schweizer Franken mindestens 40 % der Einnahmen. Für jede weitere Millionen werden zusätzliche 0,5 % erhoben. Dies kann auf bis zu 80 % ansteigen, je nachdem, wie viel ein Casino einnimmt.

Unter gemeinnützigen Zwecken versteht sich in dem Zusammenhang die Investition der Einnahmen in die Bereiche Kultur, Soziales und Sport. Genau wie die landbasierten Casinos sollen die Gewinne der Online Äquivalente auch in die AHV einfließen.

Hohe Strafen für illegale Anbieter

Was in der Schweiz insgesamt über Legalität und Illegalität im Glücksspiel bestimmt, ist das Stichwort „gewerbsmäßig“. Sportwetten beispielsweise sind in der Schweiz ebenso beliebt wie in anderen Ländern, doch dürfen die Buchmacher damit nicht ihren Lebensunterhalt bestreiten.

Pferderennen
Wetten bei offiziellen Pferderennen erlaubt (Bild: Pixnio)

Einnahmen dürfen nicht über die Deckung der Unkosten hinausgehen, sondern müssen an die Wettteilnehmer ausgeschüttet werden. Eine Ausnahme sind die großen jährlich organisierten Pferderennen in Aarau, Dielsdorf und St. Moritz.

Des Weiteren ist es absolut verboten, zum Zwecke der Geldeinnahme Casinospiele wie Roulette, Blackjack oder Spielautomaten anzubieten. Lediglich die 21 offiziellen Casinos dürfen diese Glücksspiele zur Verfügung stellen.

Strafbar machen sich in der Schweiz jedoch immer nur die Anbieter, niemals die Teilnehmer. Während Personen, die Sportwetten, Online Glücksspiel, Pokertourniere oder ähnliches organisieren und dadurch Geld einnehmen, mit hohen Strafen zu rechnen haben, verlieren Teilnehmer im schlimmsten Fall lediglich ihren Einsatz.

Auch dürfen Spieler bisher „gelegentlich“ auf ausländischen Websites spielen, wobei auch hier gilt, dass dies keine regelmäßige Einkommensquelle sein darf. Sobald jedoch ab Juli die Online Sperre in Kraft tritt, werden diese Aktivitäten schwieriger oder auch gar nicht mehr zugänglich sein.

Swiss Casino macht sich bereit für die Online Welt

Die Swiss Casino Holdings AG ist eines der bekanntesten Glücksspielunternehmen des Landes. Von den 21 Spielbanken gehören dem Konzern vier, deren Standorte in St. Gallen, Zürich, Schaffhausen und Pfäffikon-Zürichsee sind.

In Vorbereitung auf den großen Online Launch im nächsten Jahr hat die Swiss Casino AG nun einen Deal mit dem Spielhersteller Playtech vereinbart. Mark Baumann, der Geschäftsführer der Swiss Casinos sagte dazu:

Wir freuen uns sehr darüber, mit Playtech einen innovativen Partner mit internationaler Erfahrung gefunden zu haben. Wir werden dadurch künftig unseren Schweizer Kunden ein attraktives Online Spielangebot bieten können.

Zunächst muss die Swiss Casino Holdings AG aber wie andere Casinos eine offizielle Bewerbung bei der eidgenössischen Spielbankenkommission vorlegen. Das Unternehmen hoffe darauf, die Konzession für das Online Glücksspiel so bald wie möglich zu erhalten, damit das Online Angebot schon kurz nach Jahresbeginn aufgestellt werden kann.

Mit Playtech sichert sich der Konzern ein umfangreiches Online Spielangebot aus modernen Spielautomaten, Tisch- und Kartenspielen und sonstigen Glücksspielen. Auch andere große Spielhersteller werden sicherlich die Chance auf neue Deals mit den Schweizer Casinos nutzen, um sich auf einem weiteren brandneuen Online Markt einen Namen zu machen.