Das staatlich regulierte Lotteriewesen in Deutschland hat aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen und Werbebeschränkungen mit Milliardenverlusten zu kämpfen. Im Gegensatz dazu florieren ausländische Online Anbieter, die nach wie vor in einer Grauzone operieren.

Lottoschein

Traditionelles Lotto hat es in Deutschland schwer. (Bild: t-online.de)

Lotto-Niedergang nur noch eine Frage der Zeit

Der sogenannte Deutsche Lottoblock, die Vereinigung der staatlichen Lotterieveranstalter der 16 deutschen Bundesländer, leidet zehn Jahre nach Inkrafttreten des deutschen Glücksspielstaatsvertrags zunehmend unter den Folgen der diffusen deutschen Gesetzgebung. Das Gleiche gilt für den Deutschen Lottoverband, den Zusammenschluss der privaten Lotterievermittler im Land.

Sowohl Lottovertreter als auch Politiker prangern nun das Glücksspielrecht an und rechnen dem deutschen Lotteriewesen nur geringe Überlebenschancen aus, sollte sich an der momentanen Lage nichts ändern. Hans-Jörn Arp, der parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Fraktion im Landtag von Schleswig-Holstein, bringt es auf den Punkt:

„Wenn in diesem Jahr nichts passiert, ist der Deutsche Lottoblock nicht mehr zu retten.“

Norman Faber, Unternehmer und Gründer von Faber Lotto, fügte hinzu:

„Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis das Spiel vor dem Aus steht.“

Auch Sachsenlotto, der staatliche Lotterieveranstalter in Sachsen, warnte bereits Anfang des Jahres vor dem Kollaps des Lottoblocks. Ursächlich für den Niedergang des deutschen Lottos ist laut Einschätzung von Wirtschaft, Politik und Lottounternehmen der Glücksspielstaatsvertrag, der vor über zehn Jahren im Januar 2008 in Kraft trat.

Glücksspielstaatsvertrag bestimmt Lottomonopol und ruiniert Veranstalter

Der deutsche Glücksspielstaatvertrag von 2008 hat unter anderem das Lottomonopol in Deutschland gefestigt. Privaten Anbietern war dadurch die legale Teilhabe am Lotteriemarkt praktisch untersagt. Als Grund nennt der Vertrag den Spielerschutz, der ausschließlich von staatlicher Seite gewährleistet werden könne.

Dagegen spricht die Tatsache, dass es bisher keinen einzigen registrierten Fall von Lottosucht gibt, eine Tatsache, die auch Lotto-Unternehmer Norman Faber immer wieder betont.

Hinzu kommt, dass nicht nur private Lotterieanbieter- und Vermittler ruiniert werden, sondern auch, dass die staatlichen Gesellschaften, zu deren Vorteil und Schutz das Gesetz ursprünglich gedacht war, unter den strengen Auflagen zu bersten drohen.

Umsatzeinbrüche in Milliardenhöhe

Sowohl die Mitglieder des Deutschen Lottoverbands als auch die 16 staatlichen Veranstalter verzeichnen seit Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvertrags Umsatzeinbrüche und Milliardenverluste. Zahlen zufolge soll es sich um einen Rückgang von 36 Milliarden Euro für alle deutschen Lotterien handeln, die seit 2006 auf der Strecke geblieben sind.

Als Beispiel für die verheerenden Folgen für den deutschen Lottoblock legte Hamburg Lotto Zahlen vor. Für das beliebte und traditionell verkaufsstarke „Lotto 6 aus 49“ gehen jedes Jahr 70 Millionen Euro an Umsätzen verloren. Hochgerechnet auf zehn Jahre seit Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvertrags kommen auf diese Weise Verluste von fast 700 Millionen Euro zusammen.

Im Gegensatz dazu florieren nicht in Deutschland niedergelassene Anbieter. Das Online Geschäft boomt, spricht gezielt und hartnäckig potenzielle Kunden an und macht den traditionellen Annahmestellen die Spieler streitig.

Die Folgen für den Staat sind weitreichend und treffen im Endeffekt auch den Verbraucher. Rund 15 Milliarden Steuereinnahmen gehen der Bundesrepublik infolge ihrer restriktiven Gesetzgebung verloren. Eine Summe, die an anderer Stelle fehlt.

Lottosucht gibt es nicht

Das Argument des Staates, Spielerschutz im Lotto könne nur im Rahmen des Lottoblocks gewährleistet werden, entbehrt der faktischen Überprüfbarkeit. Wie Norman Faber von Faber Lotto erklärt, gibt es bisher keinen festgestellten Fall von Lottosucht.

Das klassische Lotto 6 aus 49 findet nur zweimal in der Woche statt und ist damit wie andere Glücksspiele nicht 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche verfügbar. Hinzu kommt die extrem geringe Gewinnwahrscheinlichkeit von 1:14 Millionen, die die Wahrscheinlichkeit der Entwicklung einer Lottosucht weiter verringert. Darüber hinaus ist der Vorgang des Lottospielens, also das Ausfüllen des Tippscheins und der Besuch der Annahmestelle, eine sehr kurze Beschäftigung und dauert nicht mehr als ein paar Minuten. Bei anderen Spielangeboten können Spieler hingegen Stunden verbringen, sodass ein Übergreifen auf den Alltag und die Vernachlässigung anderer Pflichten schneller eintreten.

Unregulierter Markt kostet Deutschland jedes Jahr Millionen

Das eigentliche Problem liegt in der Flut von Anbietern, die keiner deutschen Kontrolle unterliegen. Da Deutschland keine eigenen Lizenzen an Online Anbieter und Vermittler vergibt, operieren diese ohne staatliche Kontrolle und zahlen keine Steuern in Deutschland. Der angestrebte Spielerschutz kann auf diese Weise weder erreicht, geschweige denn garantiert werden.

Die fehlenden Gelder, für Deutschlands bevölkerungsstärkstes Bundesland NRW
allein handelt es sich hier um rund 600 Millionen Euro jährlich von Westlotto, führen zu Engpässen beim Ausbau von Schulen, Kindergärten, Sportangeboten, Kulturvereinen und anderen gemeinnützigen Zwecken. Angesichts dessen bleibt zu hoffen, dass noch dieses Jahr ein Kurswechsel in der deutschen Lotteriepolitik stattfindet.