Jahrelanges Mobbing und Sexismus? Skandal um irischen Jockey

Veröffentlicht am: 1. Dezember 2021, 12:00 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 10. Dezember 2021, 10:18 Uhr.

Die British Horseracing Authority (BHA) ermittelt aktuell gegen den bekannten Jockey Robbie Dunne (36). Vorgeworfen werden ihm jahrelanges Mobbing, sexuelle Belästigung, Beleidigung und Androhung von Gewalt gegenüber der Jockette Bryony Frost (26). Wie die Zeitung The Guardian [Seite auf Englisch] am Dienstag berichtete, habe Dunne teilweise seine Schuld eingestanden.

Jockette Bryony Frost im Interview nach einem Rennen
Jockey Robbie Dunne soll seine Konkurrentin Bryony Frost (Bild) jahrelang gemobbt, beleidigt und bedroht haben. (Bild: YouTube/Racing TV)

Die BHA untersuche dabei offiziell mutmaßliche Vorfälle zwischen Februar und September 2020. Am Dienstag habe sich das dreiköpfige Untersuchungskomitee der Behörde zu einer ersten Sitzung getroffen. Wie die Racing Post berichtet, hätten Dunne und seine Vertreter noch keine Aussage gemacht.

Im Vorfeld habe Dunne lediglich eingestanden, sich nach einem Rennen in Southwell im September 2020 „gewalttätig präsentiert“ zu haben. Alle weiteren Anschuldigungen habe er bislang von sich gewiesen.

Eine lange Chronik von Vorfällen

Zu Wort gekommen sei in der ersten Anhörung Frosts Anwalt Louis Weston. Wie dieser dem Untersuchungskomitee erklärt habe, habe sich Dunne bereits im Jahr 2017 erstmals unangemessen gegenüber der Jockette verhalten. In einem Umkleideraum soll er sich in „inakzeptabler Art und Weise“ nackt vor Frost präsentiert haben.

Einige Zeit später habe er dann ihr gegenüber Witze über seine sexuellen Verhältnisse mit anderen Jockettes gemacht. Als sie ihm daraufhin gesagt habe, dass sein Verhalten nicht in Ordnung sei, sei es zum Streit gekommen. Dieser habe sich in der Folge zu einem regelrechten „Krieg“ entwickelt.

Im März 2019, nachdem Frost sich einen Sieg beim Cheltenham Festival sichern konnte, soll Dunne dann begonnen haben, sie gezielt zu mobben. Er habe ihr in „unschöner Sprache“ vorgeworfen, dass ihr Reitstil andere Teilnehmer gefährde.

Nach Ansicht Westons sei Dunne augenscheinlich nicht damit klargekommen, dass seine junge Konkurrentin erfolgreicher gewesen sei als er selbst.

Er scheint der Meinung zu sein, dass ein Jockey mit einem gewissen Erfahrungsschatz das Recht hat, sich als eine Art Bildungsmaßnahme so zu verhalten. Obwohl Frau Frost erfolgreicher ist als er, muss er sie korrigieren.

Frost habe die Kommentare und Beleidigungen Dunnes zunächst weitgehend ignoriert. Dieser habe jedoch nicht nachgegeben, sondern sei mit der Zeit zunehmend aggressiv geworden.

Im Frühjahr 2020 hätten seine verbalen Beleidigungen ein neues Level erreicht. Er habe sie als „verdammte Schl****“ und „verdammte gefährliche H***“ bezeichnet. Auch habe er in diesem Zeitraum begonnen, der Jockette Gewalt anzudrohen.

Gewaltandrohung bei Rennen in die Tat umgesetzt?

Bei einem Rennen am 29. Juli 2020 soll Dunne versucht haben, seine Drohung in die Tat umzusetzen. Mit seinem Pferd Buyer Beware habe er versucht, Frost und ihr Pferd Wisecracker zu Fall zu bringen. Zu einem Unglück sei es jedoch nicht gekommen. Noch bis September habe Frost die Angriffe Dunnes erduldet.

Die rote Linie habe Dunne dann nach einem Rennen in Southwell überschritten. Bei dem Rennen sei sein eigenes Pferd zu Tode gekommen, wofür er Frost verantwortlich gemacht habe. In einem Wutausbruch habe er ihr Rache angedroht. Frosts Anwalt fasst zusammen:

Dunne ist Frost im Wiegeraum gegenübergetreten und hat wütend gesagt: „Ich verspreche dir, das nächste Mal, wenn gegen dich reite, sorge ich dafür, dass du durch den Zaun gehst.“ Für Jockeys ist so etwas sehr gefährlich, denn nicht nur fallen sie dabei vom Pferd, sondern sie kommen auch mit einem physischen Objekt in Kontakt, was zu schweren Verletzungen führen kann. Er hat ihr also gedroht, sie sehr schwer zu verletzten.

Wie Weston erklärt, habe sich Dunne „darauf eingeschossen“, dass Frost ihn gezielt während der Rennen behindere. Doch selbst wenn dem so sei, rechtfertige dies keineswegs die hasserfüllten und frauenfeindlichen Kommentare oder die Androhung von Gewalt gegenüber der Jockette, so der Anwalt.