Immer mehr Briten müssen wegen Glücksspielsucht in Kliniken behandelt werden

Veröffentlicht am: 16. März 2020, 11:58 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 16. März 2020, 11:58 Uhr.

Die Zahl der Briten, die wegen einer Glücksspielsucht in Kliniken behandelt werden müssen, steigt. Wie die britische Tageszeitung Daily Mail berichtet, seien im vergangenen Jahr wegen der Krankheit insgesamt 379 Personen in eine der Kliniken des National Health Service (NHS) eingewiesen worden.

Ein Arzt in einer Klinik
Mehr Zocker mussten in Großbritannien die Hilfe von Kliniken in Anspruch nehmen. (Quelle: Pxhere)

Dies entspricht einer Zunahme von 11,6 %. Noch im Jahre 2018 hatte die Gesundheitsbehörde 335 Krankenhausaufenthalte von pathologischen Spielern verzeichnet.

Der NHS hatte erst in der letzten Woche gemeldet, seinen Kampf gegen die Glücksspielsucht in Großbritannien intensivieren zu wollen.

Spielerschützer sehen nur die Spitze des Eisbergs

Laut britischer Spielerschützer könne es sich bei den aktuellen Zahlen der behandlungsbedürftigen Zocker nur um die Spitze des Eisberges handeln. Experten befürchten eine weit größere Dunkelziffer an Spielern, die zwar Hilfe benötigten, diese aber nicht in Anspruch nähmen.

Labour-Abgeordnete Carolyn Harris von der Parlamentariergruppe Gambling Related Harm All Party Parliamentary Group (APPG) sagte, dass es nun darauf ankomme, die Fördergelder für Suchthilfeprogramme zu erhöhen:

„Diese Zahlen beginnen nicht einmal, die wahre Geschichte vom Chaos und den zerrütteten Leben zu erzählen, die durch das problematische Spielen ruiniert werden (…). Während der NHS die Finanzierung und Unterstützung unbedingt priorisieren muss, ist es an der Zeit, dass die Verantwortlichen – die Glücksspielunternehmen selbst – dazu gebracht werden, ordnungsgemäß zu zahlen (…). Tag für Tag hören wir von den verabscheuungswürdigen Praktiken, mit denen die Glücksspielunternehmen Menschen online anwerben und sie süchtig machen. Sie sind für diese zerstörten Leben verantwortlich.“

Suchtforscher sind besorgt

Wegen der steigenden Behandlungszahlen sind auch britische Suchtforscher beunruhigt. Professor Henrietta Bowden-Jones, Direktorin der National Problem Gambling Clinic, sieht vor allem den Zusammenhang zwischen Spielsucht und Selbstmord als wachsendes Problem an.

Die Glücksspielsucht könne nicht nur bei den kranken Spielern zu Selbstmordgedanken führen, sondern auch bei Angehörigen, die unmittelbar von den finanziellen Folgen einer Spielsucht betroffen seien.

Eine besonders große Herausforderung stelle die Behandlung von Spielsüchtigen im Alter zwischen 30 und 39 Jahren im Nordwesten Englands und in London dar. Hier habe es die meisten behandlungsbedürftigen Zocker gegeben.