Mangelnder Spielerschutz für Glücksspieler in Finnland

Veröffentlicht am: 29. März 2019, 03:45 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 29. März 2019, 03:45 Uhr.

Anfang der Woche veröffentlichte das finnische Sozial- und Gesundheitsministerium eine aktuelle Studie über die negativen Auswirkungen des Glücksspiels. Die Ergebnisse dieser Studie deuten darauf hin, dass das 2017 etablierte Glücksspielmonopol Veikkaus Oy seine Spielerschutz-Ziele verfehlt hat.

Mensch negative Gefühle
Finnische Problemspieler klagen über Ängste und Depressionen (Bild: Picryl)

Hat das finnische Monopol versagt?

Das Glücksspielmonopol in Finnland wurde erst im Jahr 2017 eingeführt. Damals fusionierten drei verschiedene Glücksspielanbieter, um als alleiniges Unternehmen unter dem Namen Veikkaus Oy Glücksspiele online und in landbasierten Spielstätten anzubieten.

Das Monopol sollte das Glückspiel in Finnland reformieren mit dem wichtigsten Hauptziel, besseren Spielerschutz zu gewährleisten. Das Land hatte in den vergangenen Jahren mit stetig wachsenden Zahlen von Problemspielern und Spielsüchtigen zu kämpfen.

Das Monopol sollte die Lösung dieses Problems sein und wurde vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) lediglich aus diesem Grund genehmigt.

Glücksspielmonopole in den EU-Mitgliedsstaaten sind nur dann mit dem Europarecht vereinbar, wenn diese maßgeblich zum Spielerschutz beitragen. Die Betreiber eines Glücksspielmonopols, egal ob staatlich oder privatgeführt, müssen vor dem EuGH ihre Existenz rechtfertigen können und dazu regelmäßig stichhaltige Daten liefern, die belegen, dass effektive Maßnahmen für den Spielerschutz angewandt werden.

Die vom Ministerium für Soziales und Gesundheit durchgeführte Studie [Studie auf Finnisch] sollte untersuchen, ob die Zahlen der Problemspieler nach der Einführung des Glücksspielmonopols merklich gesunken sind. Untersuchungszeitraum waren die Jahre 2016 (noch kein Monopol) und 2017 (das erste Jahr des Monopols).

Dafür wurden insgesamt 2.624 volljährige Finnen aus den Landschaften Uusimaa, Pirkanmaa und Kymenlaakso über ihr Spielverhalten befragt. Ebenfalls bewusst in die Studie eingeschlossen wurden 100 Problemspieler, die in der finnischen Spielsuchtklinik Peliklinikka zuvor bereits Hilfe gesucht hatten.

Weniger Problemspieler, aber größere Schäden

Entgegen der Hoffnungen des Monopolunternehmens Veikkaus Oy konnten die Studienergebnisse kein verbessertes Gesamtbild der finnischen Glücksspielprobleme darlegen.

Insgesamt erklärten 5 % aller Befragten (4 % der Männer und 6 % der Frauen), im Jahr 2017 problematisches Spielverhalten bei sich selbst erkannt zu haben. Allerdings gaben 12 % der Frauen und 11 % der Männer an, das Spielverhalten des eigenen Partners als problematisch einzustufen.

Lediglich zwei in der Studie behandelten Aspekte lieferten geringe positive Trends:

Es scheint etwas weniger männliche Spieler zu geben und die Häufigkeit des Spielens scheint etwas abgenommen zu haben.

Geld Computer
Problemspieler gaben noch mehr Geld aus als im Vorjahr (Bild: Pixabay)

Die Studie deckte jedoch auf, dass die Intensität der Spielsuchtprobleme bei vielen Problemspielern deutlich zugenommen habe. So sei die Anzahl der Spielsüchtigen zwar gesunken, aber hätten diese in der Gesamtheit mehr Geld für das Glücksspiel ausgegeben als die Problemspieler 2016, obwohl die Anzahl dieser größer war.

Des Weiteren gaben 2 % aller Befragten an, in Bezug auf das Glücksspiel unter emotionalem Stress, Ängsten, Schuldgefühlen und Depressionen zu leiden. Ebenfalls 2 % der Befragten gaben an, diese Probleme bei ihrem Partner zu beobachten.

Auch wurden die Studienteilnehmer über ihre grundsätzliche Zufriedenheit mit dem Glücksspielmonopol und dessen Marketing befragt. Dabei gaben 62 % an, das Monopol zu befürworten. 27 % jedoch empfänden die Glücksspielwerbung als zu exzessiv.

Strengere Regulierung geplant

Hinsichtlich der beunruhigenden Studienergebnisse kündigte das Ministerium für Soziales und Gesundheit in seiner Pressemitteilung an, eine strengere Regulierung des Glücksspielmarktes anzustreben.

Explizit genannt wurden in dem Zusammenhang Begrenzungen des Spielangebotes und der Zugangsmöglichkeiten sowie strengere Auflagen bezüglich der Glücksspielwerbung.

Derzeit können Spieler aus Finnland auf der Website der Veikkaus Oy neben Lotto, Toto und Bingo auch zahlreiche Online Casinospiele spielen. Besonders groß ist die Auswahl der Videospielautomaten aus dem Hause Playtech, mit dem das Glücksspielunternehmen eine enge Partnerschaft pflegt.

Doch während die meisten Spieler mit dem Glücksspielmonopol und den angebotenen Glücksspielen zufrieden sind, wird sich die Veikkaus Oy bald erneut gegenüber dem Europäischen Gerichtshof rechtfertigen müssen.

Maßnahmen zur Senkung der Anzahl der Problemspieler müssen daher jetzt schnell eingeführt werden. Andernfalls könnte auch in Finnland das Aus des Glücksspielmonopols drohen.