Schweden: Scheitert die Kanalisierung auf den legalen Glücksspiel-Markt?

Veröffentlicht am: 30. März 2021, 03:40 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 30. März 2021, 03:41 Uhr.

Glücksspieler in Schweden spielen seit einigen Monaten wieder vermehrt auf dem Schwarzmarkt. Dies ist das Ergebnis einer neuen Marktanalyse [Seite auf Schwedisch] der staatlichen Verwaltungsbehörde Statskontoret. Die Negativprognose des schwedischen Online-Glücksspiel-Verbandes BOS scheint sich damit bestätigt zu haben.

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Mehr schwedische Glücksspieler spielten 2020 bei nicht lizenzierten Glücksspiel-Anbietern als 2019. (Bild: Uihere)

Der schwedische Glücksspielmarkt steht nationalen und internationalen Anbietern von Online-Glücksspiel erst seit Januar 2019 offen. Die Liberalisierung des Marktes sollte ursprünglich dazu beitragen, dass die Schweden innerhalb des neu geschaffenen Lizenzsystems spielen würden.

Aus der Analyse geht hervor, dass die Regierung diesem Ziel bis Ende 2019 deutlich nähergekommen sei. So habe die Kanalisierung der Spieler auf den legalen Markt vor der Liberalisierung des Marktes nur bei 50 % gelegen. Im Laufe des Jahres 2019 sei diese dann auf 88 % gestiegen. Das Ziel von mindestens 90 % sei somit beinahe erreicht worden.

Ein beunruhigender Abwärtstrend?

Im Jahr 2020 habe sich der Positivtrend jedoch umgekehrt. Insbesondere in der zweiten Jahreshälfte hätten die von der Regierung auferlegten Restriktionen im landbasierten sowie im Online-Glücksspiel-Sektor dafür gesorgt, dass Spieler weniger auf legale Angebote zugegriffen hätten. Die Kanalisierungsrate habe aufs gesamte Jahr gerechnet bei zirka 85 % gelegen.

Die geschätzten Gesamtumsätze des schwedischen Glücksspiel-Marktes hätten im Jahr 2020 bei 27,3 Mrd. SEK (2,66 Mio. Euro) gelegen. Davon seien 24,7 Mrd. SEK (2,41 Mio. Euro) auf die lizenzierten Anbieter des Landes entfallen. Durch die legalen Anbieter habe die schwedische Regierung 2020 insgesamt 7,5 Mrd. SEK (730.000 Euro) in Form von Steuern und Abgaben einnehmen können.

Während die geringere Kanalisierung 2020 noch kein dramatisches Absinken darstelle, sei der Trend mit Vorsicht zu beobachten. Besonders problematisch dabei sei, dass es derzeit keine effizienten Gegenmaßnahmen gebe, welche ein weiteres Abwandern auf den Schwarzmarkt verhindern könnten.

Die Statskontoret empfiehlt daher, dass die Regierung sowie die schwedische Glücksspielaufsicht Spelinspektionen zeitnah mit sinnvollen Maßnahmen reagierten. Konkrete Vorschläge seien, dass:

  • die Spelinspektionen sich mehr mit den illegalen Anbietern beschäftigen sollte.
  • das Selbstausschlussprogramms Spelpaus.se verbessert werden sollte.
  • neue Software zum Sperren illegaler Online-Glücksspiel-Seiten entwickelt und eingeführt werden sollte.
  • die Spelinspektionen der Glücksspielindustrie gegenüber insgesamt klarere Anweisungen aussprechen sollte.

Hat der Online-Glücksspiel-Verband BOS Recht behalten?

Vor einem Absinken der Kanalisierung der Spieler auf den legalen Markt hatte der schwedische Online-Glücksspiel-Verband BOS bereits vor Monaten gewarnt. Der Verband berief sich dabei insbesondere immer wieder auf die temporären Corona-bedingten Restriktionen für legale Online-Casinos. Statt die Spieler zu beschützen, beeinträchtigten diese den Spielerschutz massiv.

Gustaf Hoffstedt, Vorstandsvorsitzender von BOS, kommentiert:

Jeder Kunde, der an den nicht lizenzierten Glücksspiel-Markt verloren geht, ist ein Kunde, der vom schwedischen Verbraucherschutz nicht erfasst wird […] Wir hoffen, dass der Bericht der Behörde den Behauptungen der Politiker, dass die Kanalisierung ins Lizenzsystem gut funktioniert, ein Ende setzt. Denn sie funktioniert nicht und der Trend bleibt negativ.

Zunächst solle die Regierung daher dringend die derzeit geltenden Einzahlungs- und Bonuslimits aufheben, da diese den legalen Markt unattraktiver gestalteten. Darüber hinaus sollten neue Gesetze verabschiedet werden, auf deren Grundlage harsch und effizient gegen illegale Anbieter vorgegangen werden könne, so Hoffstedt.