In Kanada mischt die Mafia beim illegalen Glücksspiel kräftig mit

Veröffentlicht am: 1. Dezember 2019, 05:30 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 28. November 2019, 05:28 Uhr.

Wie nah Glücksspiel und Kriminalität eng beieinander liegen, zeigt sich aktuell in Kanada, wo in der letzten Woche mehrere Fälle für Aufsehen sorgten. Im Mittelpunkt stehen Männer mit Verbindungen zum organisierten Verbrechen sowie ein ehemaliger Indianerhäuptling.

Glücksspiel Schild
Auch in Kanada wird am illegalen Glücksspiel verdient (Bild: Pixabay/Erin Alder)

Mordanschlag auf ehemaligen illegalen Online Buchmacher

Dass es in der Szene zu schweren Gewalttaten kommen kann, wurde letzte Woche in Ottawa offensichtlich. Dort war der Geschäftsmann Benedetto Manasseri Opfer eines Mordversuchs geworden, als er gerade sein Fitnessstudio verlassen hatte.

Der unerkannte Täter feuerte drei Schüsse auf den 55-Jährigen ab, dem seit vielen Jahren Verbindungen zum organisierten Verbrechen nachgesagt werden. Nach einer Notoperation wurde Manasseri, dessen Zustand die Ärzte als kritisch einstufen, auf die Intensivstation verlegt.

Obwohl die Polizei keine Auskunft zu dem möglichen Motiv des Täters geben wollte, liegt eine Verbindung zu kriminellen Kreisen nahe. So war Manasseri unter anderem im Jahre 2014 verurteilt worden, nachdem er zugegeben hatte, ein illegales Online Wettgeschäft aufgebaut zu haben.

Nach Angaben der damaligen Ermittler hatte das illegale Wettbüro ab 2001 rund 200 Millionen Kanadische Dollar umgesetzt. Aufgrund seines Geständnisses war Manasseri allerdings nur zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt worden.

Die Mafia und das Glücksspiel

Ottawa Kanada
Ottawa war Schauplatz des Mordversuchs (Bild: Pixabay/Albert Dezetter)

Anfang der Woche enthüllten Reporter der Tageszeitung Vancouver Sun [Seite auf Englisch], dass Mafia-Organisationen wie die italienische ’Ndrangheta in Kanada schon lang nicht mehr nur mit dem Drogengeschäft Geld verdienten. Den Redakteuren zufolge sei das illegale Glücksspiel inzwischen die zweitwichtigste Stütze der Clans.

Dabei ginge es laut der Reportage nicht mehr primär um Pokerrunden, bei denen um hohe Einsätze gezockt würde, sondern immer stärker um das illegale Wettgeschäft sowie Geldspielautomaten, mit denen die Familien Millionengewinne erzielten.

In diesem Zusammenhang sei ein weiterer lukrativer Geschäftszweig für die Mafia entstanden: Die Vermittlung von Krediten zu Wucherzinsen an Glücksspieler. In diesem Bereich gingen die Profite ebenfalls in die Millionen.

Auch Indianer im Illegalen Glücksspielgeschäft

Doch auch Kanadas Ureinwohner werden in Verbindung zum illegalen Glücksspiel gebracht. Das zeigt das Beispiel von Andrew Penashue, dem ehemaligen Häuptling des Sheshatshiu Innu-Stammes: Er wurde 2018 angeklagt, eine Reihe illegaler Spielautomaten betrieben zu haben.

Die Polizei hatte bei einer Razzia 11 Geldspielgeräte sowie einen Bingo-Slot sichergestellt und dem ehemaligen Stammesvorsitzenden zur Last gelegt, die Geräte illegal betrieben zu haben.

Im Sommer konnte der Angeklagte jedoch einen Stammesangehörigen präsentieren, der den illegalen Casinobetrieb auf sich nahm. Deshalb hatte er vor Gericht für nicht schuldig plädiert. Die Richter folgten Anfang dieser Woche seiner Ansicht und stellten das Verfahren gegen ihn ein.

Bedeutender Glücksspielmarkt

Kanada zählt in Punkto Glücksspiel weltweit zu den Top 10. So betrug der Umsatz der Glücksspielindustrie 2018 17,3 Milliarden Kanadische Dollar, was im Vergleich zum Vorjahr einem Wachstum von 4,5 % entspricht.

In Kanada ist Glücksspiel legal, solange es von lizensierten Anbietern betrieben wird. Im Gegensatz zu europäischen Staaten wie Großbritannien oder den Ländern Skandinaviens obliegt die Vergabe der Genehmigungen nicht einer zentralen Kontrollbehörde. Stattdessen sind Kanadas zehn Provinzen und drei Territorien für die Lizenzierung der Betreiber für das Online- und Offline-Glücksspiel zuständig.

Dabei nimmt auch in Kanada der Umsatz des Online Glücksspiels kontinuierlich zu. Im Gegensatz zu den physischen Casinos fällt den staatlichen Kontrolleuren die Regulierung des Marktes jedoch schwer: Da es im Unterschied zu der Schweiz oder Australien keine Netzsperren gibt, können Kanadas Einwohner auf den Webseiten der illegalen Online Casinos bisher ungestört zocken.

Für Kanadas Behörden herrscht somit noch viel Handlungsbedarf, wenn sie das illegale Glücksspiel und die damit verbundene Kriminalität wirksam eindämmen wollen.