Hilfesuchenden Problemspielern wird von Google Glücksspiel­werbung angezeigt

Veröffentlicht am: 6. Januar 2020, 11:39 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 6. Januar 2020, 12:07 Uhr.

Die unglückliche Verteilung von Werbeanzeigen hat Google in Großbritannien Kritik eingebracht. Personen, die bei dem Suchmaschinenbetreiber nach Hilfe für ihre Spielsucht gesucht haben, bekamen daraufhin die Werbung von Online Casinos angezeigt.

Google Lupe
Googles Algorithmus steht in der Kritik (Bild: Pixabay/Hebi B)

Wie die britische Mediengruppe Independent berichtet, erhielten Personen, die bei dem Suchmaschinenbetreiber nach dem Begriff Gamstop [Seite auf Englisch] recherchierten, gleichzeitig Werbeanzeigen mit Bonusaktionen für Online Glücksspiele.

Gamstop ist ein britisches Hilfsangebot für Spielsüchtige, die sich auf der Webseite der Organisation in eine Liste zum Selbstausschluss aus Online Casinos eintragen können. Sobald dies geschehen ist, können die Betroffenen nicht mehr bei den Online Casinos spielen, die dem Programm beigetreten sind.

Nach Angaben des Betreibers wird die Liste der teilnehmenden Glücksspielfirmen laufend aktualisiert, sodass sich für die Spielsüchtigen der Kreis der nicht zu aktivierenden Online Casinos kontinuierlich vergrößert.

Googles Algorithmen führten dazu, dass die Personen zwar das Hilfsangebot von Gamstop fanden, gleichzeitig aber zahllose Anzeigen internationaler Online Casinos zu sehen bekamen, die nicht an dem Gamstop-Spielerschutzprogramm teilnehmen.

Angebote mit Casino-Bonusaktionen

Auf diese Weise wurden die Spielsüchtigen durch Googles Mithilfe erneut in Versuchung geführt, obwohl sie aktiv nach einem Ausweg aus ihrer Sucht gesucht hatten. The Independent veröffentlichte dazu eine Statistik, nach der bei einer Suche nach “Gamstop UK” die ersten vier angezeigten Links von Marketing-Seiten stammten, die Besucher zu Online Casinos führten.

Nachdem die Vorwürfe bekanntgeworden waren, versprach der IT-Gigant umgehend Hilfe. Allerdings erschien auch am Montag bei der Suche nach Gamstop weiterhin vereinzelt Werbung für Online Casinos.

Kritik an Google

Die Labour-Abgeordnete Carolyn Harris kritisierte die schlechte Filterung der Suchergebnisse als “unmoralisch”. Allerdings zeigte sie auch Verständnis für den Suchmaschinenbetreiber:

“Ich beschuldige nicht unbedingt Google. Auf eine Art sind auch sie Opfer des Einfallsreichtums von Unternehmen, die in der Lage sind, die existierenden Mechanismen zu umgehen.”

Sie forderte Google jedoch auf, schnellstens die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, damit Schutzbedürftige keiner Glücksspielwerbung mehr ausgesetzt seien.

Es ist nicht der erste Fall, dass Menschen bei der Suche nach einem Weg aus der Spielsucht bei Google Anzeigen von Glücksspielunternehmen erhalten: Erst im letzten Oktober war der Casino-Betreiber Casumo von der UK Advertising Standards Authority verwarnt worden. Das Unternehmen schaltete bei Google dann Glücksspiel-Werbung, wenn Menschen nach Selbstausschluss-Möglichkeiten bei Online Casinos suchten.