Glücksspiel, Drogen und käuflicher Sex: Radikaler US-Pastor erklärt Rücktritt

Veröffentlicht am: 8. Januar 2019, 12:44 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 8. Januar 2019, 01:02 Uhr.

Er erklärte öffentlich, er hoffe, Gott werde „das Werk“ des Attentäters, der 2016 fast 50 Menschen bei einem Angriff auf einen schwulen Nachtklub ermordete, vollenden. Nun hat der US-amerikanische Pastor Donnie Romero (36) seinen Rücktritt bekanntgegeben. Hintergrund ist sein Hang zu Marihuana, Glücksspiel und Prostitution.

Dannie Romero
Unter Tränen: Dannie Romero gibt seinen Rücktritt bekannt (Quelle:YouTube, Stedfast Baptist Church)

„Ein schrecklicher Ehemann und Vater“

In einem Video, das auf dem YouTube Account der Stedfast Baptist Church aus Texas hochgeladen wurde, zeigt sich Donnie Romero in Tränen aufgelöst:

Er sei ein schrecklicher Ehemann und Vater gewesen, die Schuld träfe ihn allein und er wünschte, er hätte es niemals soweit kommen lassen, erklärt der Pastor in der knapp anderthalbstündigen Rede vor seiner Gemeinde.

Das öffentliche Statement ist der Abschied des siebenfachen Vaters von seiner Kirche.

Der 36-Jährige hatte bereits zuvor zugegeben, sich intensiv dem Glücksspiel, dem Konsum von Marihuana und dem Kontakt mit Prostituierten gewidmet zu haben.

Massaker als Werk Gottes

Für internationale Aufmerksamkeit hatte Romero, der der Gründer der christlich-fundamentalistischen Gruppierung der Stedfast Baptist Church ist, gesorgt, als er in einem Interview mit dem lokalen Fernsehsender Fox4 seine Befriedigung über den Tod von 49 Menschen bei einem Terrorakt ausdrückte.

Diese 50 Sodomiten sind Perverse und Pädophile. Sie sind der Abschaum der Menschheit und die Erde ist nun ein etwas besserer Ort (…)

Und ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Ich habe heute in den Nachrichten gehört, dass noch ein paar Dutzend dieser Schwulen auf der Intensivstation liegen.

Ich werde Gott anflehen, wie ich es heute Morgen im Gebet gemacht habe und wie ich es heute Abend tun werde, dass Gott die Arbeit, die dieser Mann (der Attentäter, Anm. d. Red.) begonnen hat, abschließt und ihr Leben beendet. Und dass sie morgen früh in der Hölle schmoren, so wie die anderen, damit sie nie wieder die Möglichkeit haben, kleine Kinder zu verletzen.

Donnie Romero bezog sich in seinem Statement auf den Anschlag auf den Nachtklub „Pulse“ am 12. Juni 2016 in Orlando/Florida, bei dem 49 Menschen getötet und 53 weitere zum Teil schwer verletzt wurden.

Das Attentat von Orlando ereignete sich in dem vorwiegend von der LGBT-Community frequentierten Nachtklub „Pulse“. Es war der bis dahin gravierendste Anschlag in den USA seit dem 11. September 2001 und eines der schlimmsten Massaker, die jemals in Nordamerika verübt wurden.

Der Täter, der 29-jährige Omar Mir Seddique, hatte den Club gegen 2:00 Uhr Ortszeit mit Schusswaffen und Sprengstoff bewaffnet betreten und umgehend um sich geschossen. Er starb bei einem Feuergefecht mit der Polizei.

Obwohl Seddique sich vor seinem Tod zum sogenannten IS bekannt hatte, sind die Motive für die Bluttat bis heute nicht restlos geklärt: Nach Angaben von Zeugen habe er das „Pulse“ gelegentlich selbst frequentiert und sei möglicherweise – nicht offen – homosexuell gewesen.

Nach dem Anschlag, der als folgenschwerster Gewaltakt, der sich gezielt gegen Homosexuelle richtete, in die Geschichte einging,

Brandenburger Tor, Regenbogen
Nach Orlando-Shooting: Anteilnahme in Berlin (Quelle:flickr.com/ansiweiland, licensed under CC 1.0)

hatte es einen weltweiten Sturm der Entrüstung und Anteilnahme gegeben.

Unter anderem waren der Eiffelturm in Paris, das Rathaus von Tel Aviv und das Brandenburger Tor als Zeichen der Solidarität mit der schwer getroffenen LGBT-Community in Regenbogenfarben illuminiert worden.

Dem gegenüber standen, insbesondere in den USA, christliche Fundamentalisten, wie der nun zurückgetretene Donnie Romero.

Anti-Gay-Aktivisten und „Die Grenzen des Akzeptablen“

Die Kirche Romeros steht in enger Verbindung zu der „Faithful Word Baptist Church“ des Predigers Steven Anderson, der sich in den vergangenen Jahren ebenfalls einen Namen als „Anti-Gay-Aktivist“ gemacht hat.

Die „Faithful Word Baptist Church“ hält Homosexualität für eine Sünde und Abscheulichkeit, die ihrer Ansicht nach unter Todesstrafe stehen sollte. Aufgrund seiner Äußerungen haben mehrere Länder Gründer Steven Anderson ein Einreiseverbot (Link auf Englisch) erteilt.

In den USA wurde die Kirche von der Nonprofit-Organisation Southern Poverty Law Center (SPLC) offiziell als „Hass-Gruppe“ eingestuft.

In Bezug auf den gefallenen „Gottesmann“ meldete sich auch Kirchenoberhaupt Anderson, der beim Rücktritt Romeros vor Ort gewesen war, ebenfalls via YouTube, zu Wort.

Aus Rücksicht auf die Familie des Pastors, die in der Kirche anwesend gewesen sei, habe man zunächst darauf verzichtet, die Verfehlungen des Gemeindevorstehers direkt zu benennen. Dies solle nun nachgeholt und ein Zeichen für Transparenz gesetzt werden, auch wenn es schmerze.

Die Hauptsünde, so Anderson, die die Grenze des „Auch Pastoren sind Menschen und machen Fehler“ weit überschreite, sei das Involvierung Romeros mit Prostituierten gewesen. Zusätzlich seien auch Marihuana und Glücksspiel „entdeckt“ worden.

Ins Detail ging Anderson nicht.

Keine Fragen mehr offen, oder doch?

Nachfolger Romeros als Leiter der Stedfast Baptist Church ist Jonathan Shelley, der seinerseits im Oktober 2018 einschlägig auffällig wurde, als er in einer Predigt seine Sicht auf Homosexuelle erläuterte:

Sie hassen Gott. Gott hat sie bereits aufgegeben. Deshalb tun sie diese abscheulichen, widerwärtigen Dinge. Sie sind Bestien, sie sind gottlos, sie sind abscheulich, sie sind dreckig.

Shelley bestätigte NBC News, dass die Interaktion mit Prostituierten der Hauptgrund für den Rücktritt seines Vorgängers gewesen sei, doch auch Glücksspiel und Drogen eine Rolle gespielt hätten. Eine Nachfrage musste er jedoch unbeantwortet lassen:

Über das Geschlecht der Prostituierten sei ihm nichts bekannt.