In Japan wurde gestern im Rahmen einer Sitzung des Oberhauses einem Gesetzesentwurf zur Legalisierung von Casinokomplexen sowie deren Regulierung zugestimmt.

Japaner spielen in einer Spielhalle Pachinko

Pachinko-Spielhalle in Japan (Bild: BBC.com)

Während das vom Gesetz als Unterhaltungsspiel angesehene „Pachinko“ im Land einen jährlichen Umsatz von etwa 150 Milliarden Euro einbringt, ist die zum Großteil streng buddhistische Bevölkerung Japans hauptsächlich aus religiösen Gründen gegen die Legalisierung von Casinos.

Führende Casinobetreiber, wie Las Vegas Sands und MGM Resorts International, sindazu bereit 10 Milliarden USD in ein geplantes Casinoprojekt in Osaka zu investieren.

Wirtschaftsexperten schätzen das Gewinnpotential auf dem japanischen Markt auf etwa 18 bis 34 Milliarden USD pro Jahr. CLSA geht von etwa 40 Milliarden USD im Jahr aus. Im Vergleich: Macau nimmt 27.1 Milliarden USD ein, der Strip von Las Vegas 6.3 Milliarden.

Aktueller Stand der Gesetzgebung

Die Abgeordneten des japanischen Unterhauses bei einer Sitzung

Das Unterhaus (Bild: bpb.de)

Nachdem das japanische Unterhaus (Shūgiin) sich auf einen Gesetzesentwurf zur Einführung von „integrierten Resorts“ (Casinokomplexen) einigte, sollte die zweite Kammer des Parlaments, das Oberhaus (Sangiin), diesen im Rahmen einer morgen endenden Sitzung genehmigen. Die Genehmigung wurde erst im letzten Moment, nämlich gestern, im Rahmen einer Wahl erteilt. Damit ist Glücksspiel in Japan nun nicht mehr illegal.

Eigentlich sollte die Entscheidung bis zum 20. Juni getroffen werden, die Sitzung wurde jedoch um 32 Tage verlängert. Das Oberhaus wird von der LDP-Komeito Koalition kontrolliert, die kategorisch für die Genehmigung war. Nächstes Jahr finden Neuwahlen im Oberhaus statt, weshalb eine Hinauszögerung der Genehmigung des Gesetzesentwurfs dessen Chancen hätte schmälern können.

Wichtigste Regelungen des Gesetzesentwurfs

– Drei Casinolizensen werden ausgestellt. Damit gibt es zunächst eine Beschränkung auf drei Casinoresorts in ganz Japan.

– 30 % Steuerlast auf die Glücksspieleinkünfte der Casinos

– Als Suchtpräventionsmaßnahme und zur Limitierung des einheimischen Kundenstamms dürfen japanische Staatsbürger und Einwohner Japans die Casinos maximal an drei Tagen pro Woche und an zehn Tagen pro Monat gegen eine Eintrittsgebühr von 6,000 yen ($53) pro Tag betreten. Hintergrund dieser Regelung ist der Wunsch der Regierung, dass die Glücksspielindustrie in Japan vom Tourismus, nicht von Inländern, profitieren soll, um somit das Wirtschaftswachstum des hoch verschuldeten Landes anzukurbeln.

– Die Casinofläche darf maximal 3 % der gesamten Resortfläche betragen. Es müssen also sogenannte „integrierte Resorts“ gebaut werden, die neben Casinos auch über Hotels, Konferenzräume, Geschäfte, Restaurants und Veranstaltungsräume verfügen.

Es ist noch nicht geklärt, wo die integrierten Resorts gebaut werden dürfen. MGM Resorts International beteuert, nur am Bau in Stadtgebieten interessiert zu sein.

Kundenstammprognosen

Casino-Spezialist Toru Mihara meint, etwa 80 % der künftigen Casinobesucher in Japan würden Einheimische sein.

Nach Einschätzung der Regierung der japanischen Stadt Osaka würden, wenn dort wie geplant ein integriertes Resort gebaut wird, von den für das Jahr 2024 geschätzten 13 Millionen Casinogängern etwa 9 Millionen Inländer sein.

Wann werden in Japan die ersten Casinos eröffnen?

Japans erste integrierte Resorts werden wahrscheinlich gegen Mitte der 2020er eröffnen, jedenfalls nicht vor 2023.

“Es gibt sehr, sehr viel Arbeit, die noch erledigt werden muss, bevor mit dem Bau von integrierten Resorts begonnen werden kann.”

sagt Jay Defibaugh, Analyst bei CLSA.

Einige CEOs in der Casinobranche erwarten die Ausstellung erster Casinolizensen um das Jahr 2020 und die Eröffnung erster Resorts gegen 2025.

Suchtprävention für inländische Casinogänger

Casinogänger, die Einwohner Japans sind, werden sich beim Eintritt mit ihrer My Number Identifikationskarte ausweisen müssen. Mit Hilfe dieser Karte kann nicht nur die Frequenz an Casinobesuchen des Kartenhalters dokumentiert werden, sondern auch die Volljährigkeit der Kunden bestätigt werden. Biometrische Identifikationstechnologien, wahrscheinlich das Scannen von Fingerabdrücken, sowie Gesichtserkennungssoftware sind in Planung, um die Identifikationskarten personenbezogen und unaustauschbar zu machen.

Die japanische Regierung nimmt sich Singapur als Vorbild für die Legalisierung von Glücksspiel und bedenkt, auch einige der Suchtpräventionsmaßnahmen des Stadtstaates zu übernehmen. Dies betrifft beispielsweise das Recht, sich selbst oder Familienmitglieder vom Glücksspiel auszuschließen, sollte der auszuschließende an Spielsucht leiden.

Kriminalität

Die japanische Regierung werde nach Aussagen der Politiker jedes verfügbare Mittel nutzen, beispielsweise Zuverlässigkeitsprüfungen oder hohe Strafen, um das Eingreifen des organisierten Verbrechens in das legalen Casinogeschäft zu verhindern.

Ein hochrangiges Mitglied einer Bande in der Kanto-Region, die mit dem Yamaguchi-Gumi Yakuza Kartell verbündet sind, erläuterte anonym der Presse gegenüber, dass die Banden immer versuchen würden, einen Weg zu finden um Profit zu schlagen.

Sie könnten seiner Aussagen nach Kredite an Casinogänger vergeben. Auch korrupte Dealer in die Casinos einzuschleusen, sei eine mögliche Strategie. Zudem würden aufgrund der Legalisierung wahrscheinlich mehr Japaner ein problematisches Spielverhalten entwickeln. Um die Eintrittsgebühren und Aufenthaltsbegrenzungen der legalen Casinos zu umgehen, könnten Spielsüchtige alternativ illegale Casinos besuchen.

Es wird schwierig bis unmöglich sein, kriminelle Organisationen vom Glücksspielgeschäft fernzuhalten. Dennoch wird die Legalisierung mit den einhergehenden steigenden Steuereinnahmen wahrscheinlich für einen wirtschaftlichen Aufschwung sorgen, den das Land benötigt. Obwohl die Regierung großen Wert darauf legt, die einheimische Bevölkerung vor den Gefahren des Glücksspiels zu schützen, kann man aus heutiger Sicht nur spekulieren, ob diese durch eine Legalisierung negativ beinflusst werden wird.