Unter dem Titel “Nobody Harmed by Gambling” hat der britische Sportwettenanbieter William Hill eine großangelegte Kampagne für ein verantwortungsvolleres Spiel gestartet. Ziel der Buchmacher ist es, auf die Gefahr von problematischem Spielverhalten hinweisen und durch geeignete Maßnahmen die Spielsucht zu reduzieren.

William Hill-Kampagne

Die Kampagne von William Hill ist die größte ihrer Art in der Branche (Bild William Hill)

Zur Unterstützung der Kampagne greift William Hill das Thema prominent auf und stellt es in den Mittelpunkt seiner Startseite im Web. Dort wird darauf hingewiesen, dass Hunderttausende von britischen Bürgern sowie ihr familiäres Umfeld unter den Auswirkungen ihres Glücksspiel-Verhaltens leiden.

William Hill verdeutlicht dabei zu Beginn, dass niemand durch sein Spielverhalten zu Schaden kommen soll. Daher der “Nobody Harmed by Gambling”-Titel des Programms. In einem auf der Webseite extra eingerichteten Bereich gibt das Unternehmen als Grund für sein Vorgehen an, dass das Glücksspiel durchaus eine „dunkle Seite“ hat.

Plan zum Schutz der Spieler

Nach Aussagen von Philip Bowcock, dem Vorstandsvorsitzenden von William Hill, sollen Kunden die Gefahren der verborgenen Seite des Glücksspiels künftig besser erkennen. William Hill wolle ihnen dabei helfen, sicherer zu spielen; ganz egal ob in einer der Filialen oder online. Um das zu erreichen, hat das Unternehmen eine Strategie zum Schutz der Spieler entwickelt.

Dafür richtet William Hill den Fokus beim Design seiner Angebote generell darauf, die Spieler zu schützen. Sämtliche Spieler sollen darin unterstützt werden, ihr Verhalten besser kontrollieren zu können. Spieler mit riskantem Verhalten sollen identifiziert und mit zusätzlichen Maßnahmen geschützt werden.

Darüber hinaus möchte William Hill spielsüchtige Kunden zusätzlich betreuen. Um dies zu gewährleisten, setzt William Hill auf eine intensive Schulung seiner Mitarbeiter, damit diese für die Problematik noch mehr sensibilisiert werden.

Zu den eingeleiteten Schritten gehören unter anderem Limits für Spieler zwischen 18 und 21 Jahren, die beispielsweise durch zeitliche Blockierung an gefährdetem Verhalten gehindert werden. Dazu möchte William Hill seine Marketingmaßnahmen künftig noch stärker anhand der Richtlinien des Jugendschutzes ausrichten. Ziel der Aktion ist, dass Kunden von William Hill bewusster und verantwortungsvoller spielen.

Diese Kampagne ist der bisher größte Versuch eines britischen Glücksspielunternehmens, das eigene Geschäftsmodell und die unter Politikern und der Bevölkerung weit verbreitete Furcht vor dessen negativen Auswirkungen miteinander in Einklang zu bringen. Sie ist eine Reaktion auf die verstärkten Strafmaßnahmen staatlicher Stellen gegen Unternehmen, die keine soziale Verantwortung für das potentiell gefährdende Spielverhalten übernehmen.

Anbieter von Sportwetten im Fokus der britischen Behörden

Responsible Gaming-Logo

Kunden sollen verantwortungsvoller spielen (Bild: asa)

Das Programm fällt in eine Zeit, in der Buchmacher nicht nur in Großbritannien immer stärker unter kritischer Beobachtung stehen. So kommt es vermehr zu Einschränkungen bei den physischen Geschäften der Sportwetten-Anbieter. So sollen beispielsweise die Höchsteinsätze an den beliebten FOBTs von bisher 100 Pfund auf nur noch 2 Pfund Sterling reduziert werden. Die britische Glücksspielindustrie fürchtet dadurch massive Umsatzrückgänge und propagiert den gleichzeitigen Verlust Tausender Arbeitsplätze.

Doch auch die sonstigen Geschäftsfelder der Buchmacher werden verstärkt unter die Lupe genommen. Neben der Überwachung der Onlineaktivitäten wird geprüft, inwieweit die Unternehmen die gesetzlichen Werberichtlinien einhalten. In diesem Zusammenhang ermittelt die zuständige Aufsichtsbehörde, die Advertising Standards Authority (ASA), zurzeit gegen Anbieter wie Bet365 und auch William Hill.

Die ASA untersucht dabei speziell die TV- und Onlinewerbung während der gerade zu Ende gegangenen Fußball-WM. Während dieses sportlichen Großereignisses durften sich die Buchmacher in vielen Ländern über neue Umsatzrekorde freuen. Demnach setzten die wettbegeisterten Briten über 2,5 Milliarden Euro, und auch in Deutschland wetteten die Fans bis zum WM-Finale über 700 Millionen Euro.

Ermittlungen wegen irreführender Werbung während der WM

Nach Angaben der ASA sorgten die Spots von Firmen wie Bet365, William Hill und Co. während der Weltmeisterschaft für 17 Prozent des gesamten Werbeaufkommens. Obwohl sie nicht für das Werbeverhalten der TV-Sender zuständig ist, moniert die ASA diese Häufung. Ein Vertreter der ASA sagt dazu:

“Wir regulieren nicht die Anzahl der Werbespots, aber wir sorgen dafür, dass diese nicht auf Sendern für Kinder und Jugendliche oder in einem auf diese Zielgruppe ausgerichteten Sendeumfeld ausgestrahlt werden. Sportsendungen fallen nicht darunter. Wir haben jedoch vermehrt Beschwerden über die hohe Anzahl der Spots von Sportwettenanbietern während der Sendungen rund um die Fußball-Weltmeisterschaft erhalten, da gerade diese von vielen Kindern verfolgt würden.”

In einzelnen Spots hätten die Anbieter durch Einblendungen wie “Wette jetzt” oder “Tippe auf das nächste Tor” eine unnötige Dringlichkeit erzeugt, die laut Werberichtlinien nicht gewollt ist. Obwohl die Aufforderung zu Live-Wetten nicht grundsätzlich verboten ist, müssen die Anbieter stets auf die genauen Konditionen des Wettangebots hinweisen.

Nach Ansicht der ASA könnten William Hill und andere Buchmacher dagegen verstoßen haben. Die nun begonnene Kampagne bietet William Hill die Gelegenheit, einen guten Willen zu zeigen und gleichzeitig darzulegen, dass es zukünftig mehr unternehmen will, um seine Spieler besser zu schützen.