Geheimnisse im Online Casino – UKGC warnt vor Verschwiegenheitserklärungen

Veröffentlicht am: 1. Februar 2019, 11:42 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 1. Februar 2019, 11:42 Uhr.

Am Donnerstag äußerte sich die UK Gambling Commission in einem öffentlichen Statement über die von Online Casinos häufig angewandten Verschwiegenheitsvereinbarungen.

Stille Finger vor Mund Figur
Schweigepflicht in Verträgen mit Online Casinos (Bild: Pixabay)

Erst im Dezember gab es diesbezüglich einen Skandal um Glücksspielanbieter Ladbrokes, der sich im Rahmen eines Beschwerdefalls das Schweigen seiner Kunden erkaufte. Für die UKGC eine weitere Baustelle im Kampf um Spielerschutz, Sicherheit und Fairness.

Schweigegeld bei Ladbrokes

Der britische Glücksspiel- und Sportwettenanbieter habe Berichten zufolge umgerechnet zirka 1.1 Mio. Euro an fünf Personen gezahlt, die den Folgen der Spielsucht eines Ladbrokes Kunden zum Opfer gefallen seien

Der besagte Kunde, ein britischer Staatsbürger mit Geschäften in Dubai, habe von diesen Personen Geld gestohlen und dieses online verspielt. Berichten zufolge habe der Problemspieler gewohnheitsmäßig jeden Tag fast 70.000 Euro gesetzt.

Die Betroffenen hätten dann Beschwerde bei Ladbrokes eingereicht, nicht jedoch bei der zuständigen Regulierungsbehörde. Ladbrokes schien indes daran interessiert, den Fall schnellstmöglich ad acta zu legen und habe dann den fünf Personen einen Geheimhaltungsvertrag vorgelegt.

Gemäß den Verträgen sollten den Diebstahlopfern insgesamt ebenjene 975.000 Pfund als Entschädigung ausgezahlt werden, sofern diese sich bereiterklärten, keinerlei Bericht an die UK Gambling Commission zu erstatten.

Ein Sprecher des Online Buchmachers äußerte sich kurz nach Bekanntmachung des Falls eher defensiv zu den Vorwürfen:

Wir äußern uns nicht zu individuellen Kundenangelegenheiten. Grundsätzlich gilt jedoch, dass in Konfliktfällen mit Kunden eine derartige Verschwiegenheitsklausel ein Standard-Bestandteil der Vereinbarung ist. Die Verträge sind dabei zu trennen von unserer eigenen Meldepflicht gegenüber der Gambling Commission. Wir haben die Commission zu gegebenem Zeitpunkt informiert und werden weiterhin mit unserer Regulierungsbehörde zusammenarbeiten.

Dem aktuellen Statement der UKGC zufolge sei Ladbrokes längst nicht der einzige Online Glücksspielanbieter, der sich über Verschwiegenheitsverträge absichere. Und ob es dabei wirklich um Datenschutz geht oder doch um die Vermeidung schlechter Publicity, muss nun die Gambling Commission entscheiden.

Beschwerden unter den Teppich gekehrt

Geheimhaltungsverträge oder einzelne Klauseln über Verschwiegenheit sind heutzutage in der Geschäftswelt keine Seltenheit. So haben die Vereinbarungen grundsätzlich den Zweck, die Vertraulichkeit zwischen Parteien zu bewahren und Datenschutz zu gewährleisten.

Doch wo verschwimmen die Grenzen der Vertragsanwendung, wenn es um deren Sinnhaftigkeit oder aber gezielte Vertuschung unschöner Aspekte geht? Aktuelle Fälle aus der Welt des Glücksspiels zeigen, dass derartigen Verträgen klare Grenzen gesetzt werden müssen. Die UK Gambling Commission sorgt daher jetzt für Klarheit.

Wie die britische Glücksspielbehörde mitteilte, seien Ermittlungen gegen verschiedene Online Glücksspielanbieter eingeleitet worden, von denen bekannt ist oder vermutet wurde, dass fragwürdige Verschwiegenheitserklärungen von Kunden eingefordert worden seien.

Die Behörde positionierte sich in dem Zusammenhang klar bezüglich ihrer Erwartungen von ihren Lizenznehmern. Während das Statement keineswegs dazu dienen sollte, künftige Verschwiegenheitserklärungen zu verbieten, verwies die UKGC auf folgende wichtige Punkte:

1. Geheimhaltungsverträge dürfen nicht darin resultieren, dass Kunden das Gefühl bekommen, die Commission oder andere Regulierungs- und Vollstreckungsbehörden in sonst meldepflichtigen Fällen nicht benachrichtigen zu dürfen.

2. Lizenznehmer müssen die Commission benachrichtigen, wenn Verstöße gegen die geltenden Glücksspielgesetze vorliegen, einschließlich Verstößen gegen die Lizenzbedingungen oder gegen die gesellschaftliche Verantwortung bzgl. der Verhaltensvorschriften.

3. Kunden dürfen nicht vom Einreichen einer Beschwerde bei der Commission abgehalten werden, auch wenn sie zuvor vertraglich unterschrieben haben, keinerlei Beschwerden bei der Commission einzureichen.

4. Personen, die Schäden durch ihre Glücksspielaktivitäten davongetragen haben, können in aller Offenheit mit den zuständigen Einrichtungen für Problemspieler über ihre Glücksspiel-Laufbahn sprechen.

Die Mammutsaufgabe der Behörden

Die strengen Kontrollen der Lizenznehmer und der offene Umgangen mit den Schwachstellen in der großen weiten Welt des Glücksspiels sollen in vollstem Umfang dem Schutz der Spieler zu Gute kommen.

Die UK Gambling Commission ist ohne Zweifel eine der besten Regulierungsbehörden der Welt und daher im Namen der zahlreichen Casinospieler immer gut beschäftigt, um etwaige Missstände aufzudecken und zu bekämpfen.

Wie die Behörde am Donnerstag in einer zweiten Pressemitteilung [Seite auf Englisch] bekannt gab, arbeite man derzeit an einem aktuell allgemein heiklen Thema, und zwar die Verwendung und Weitergabe von Kundendaten. In diesem Fall natürlich zum Zwecke des Spielerschutzes, wie die Commission klar erläuterte.

Datenschutz Schloss Planet
Datensanalyse für den Spielerschutz (Bild: Ma Pixel)

In einem ersten Workshop arbeiteten Datenanalytiker und Manager an einer praktikablen und rechtlich unbedenklichen Lösung, Datensätze und Algorithmen zur Erhöhung des Spielerschutz einzusetzen.

Dabei ging es beispielsweise darum, inwieweit man potentiell gefährdete Kunden am effektivsten über den digitalen Weg erreichen könnte.

Im Gespräch waren Pop-Up-Nachrichten auf Glücksspielwebsites, Selbsteinschätzungsbögen für Kunden und zielgerichtetere Kommunikation. Komplexe Algorithmen sollen indes dafür sorgen, dass das Verhalten der Kunden besser vorhergesagt werden kann.

Im Falle von auffälligem Spielverhalten könnten potentielle Problemspieler frühzeitig auf die Themen der Spielsuchtprävention und -bekämpfung aufmerksam gemacht werden. Neben den technischen Fortschritten müssten aber auch die Mitarbeiter der Branche insgesamt besser geschult werden.

Ein weiterer Workshop sei derzeit bereits in Planung und die Kooperation zwischen der UKGC und den Glücksspiel-Anbietern soll weiter gestärkt werden. Dazu gehört ohne Zweifel auch, dass Einigkeit in puncto Verschwiegenheitserklärungen herrscht.