Umgehen britische Buchmacher FOBT-Regularien mit neuen Wettangeboten?

Veröffentlicht am: 2. April 2019, 12:57 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 2. April 2019, 01:07 Uhr.

Zeitgleich mit dem Inkrafttreten strenger Regulierungsmaßnahmen für die fixed odds betting terminals (FOBTs) am 01. April haben britische Buchmacher ein neues Spielsystem auf den Markt gebracht haben, das weiterhin mit hohen Einsätzen operiert. Die Politik fühlt sich hintergangen und droht Maßnahmen an.

Betfred Shop London
Trotz Regulierung: Bei Buchmacher Betfred kann weiterhin mit hohen Einsätzen gespielt werden (Quelle:Edwardx, licensed under CC BY-SA 4.0)

Seit gestern gelten in Großbritannien für Spielautomaten neue Richtlinien: Statt wie bisher bei 100 Pfund Sterling liegt der Maximaleinsatz während eines Spiels nur noch bei 2 Pfund Sterling.

Regulierung unterwandert?

Während die Regulierung für Kultursekretär Jeremy Wright einen „signifikanten Schritt“ zum Schutz besonders risikogefährdeter Spieler darstellt, scheint die Industrie ihrerseits den Aufsichtsbehörden einen Schritt voraus zu sein:

Am selben Tag, an dem die Regularien griffen, lancierten die Buchmacher Betfred und Paddy Power in ihren Shops Spielsysteme, die eklatante Ähnlichkeit zu dem der FOBTs aufweisen.

Die FOBT-Spielautomaten wurden im Jahr 2001 in Großbritannien eingeführt und erlauben es Spielern, Geldbeträge auf den Ausgang des jeweils auf dem Display dargestellten Spiels zu setzen. Das bei weitem populärste Spiel stellte hierbei bislang der Klassiker Roulette dar.

Seit der staatlichen Entscheidung, die Maximaleinsätze radikal zu drosseln, hagelt es Protest seitens der Buchmacher (Link auf Englisch). Gedroht wird unter anderem mit massivem Stellenabbau infolge von Einnahmeverlusten.

Je nach Anbieter können bei den neuen Spielen mit Namen wie „Virtual Cycling“ (Betfred) und „Pick ‘n’ 36“ (Paddy Power) alle zwei bis drei Minuten Maximaleinsätze zwischen 100 und 500 Pfund Sterling platziert werden. Auch Anbieter William Hill soll im Begriff stehen, ein ähnliches System auf den Markt zu bringen.

Wo kein Terminal, da kein Maximaleinsatz

Der Unterschied zum bisherigen Spielablauf an den nun regulierten Automaten betrifft weniger den Inhalt des Spiels als seine Form:

Nach wie vor werden Wetten auf das Aufkommen einzelner Zahlen von 1 bis 36 und vom Roulette bekannter Kombinationen platziert.

Roulettespiel von oben
Wie die meisten FOBTs orientieren sich auch die neuen Spiele am klassischen Roulette (Quelle:pixabay.com/stux)

Während der Spieler seine Tipps bislang aber selbstständig am Automaten abgab, muss er sie nun per Spielschein beim Spielhallenangestellten einreichen. Das Spiel selbst kann über große Displays im Wettbüro verfolgt werden.

Dank dieser neuen Form ist es den Buchmachern möglich, die strengen Regelungen der FOBTs außen vor zu lassen: Wie sollen Maßgaben für Wettterminals greifen, wenn es schlicht keine Terminals mehr gibt?

„FOBTs durch die Hintertür“

Dementsprechend entsetzt über das neueingeführte Spielprinzip zeigt sich die britische Politik, die bereits seit Monaten im Clinch mit den großen Buchmachern liegt. Tom Watson, stellvertretender Labour-Chef, fand harsche Worte für den Umgang der Anbieter mit den gesetzlichen Vorgaben:

Diese neuen Spiele sehen wie FOBTs durch die Hintertür aus und sind ein besonders schändliches Beispiel für die Arglist der beteiligten Buchmacher. Diese scheinen das System betrügen zu wollen.

Die Glücksspielindustrie hat die FOBT-Reform bis aufs Blut bekämpft und sich nie zu den schrecklichen sozialen Folgen bekannt, für die sie verantwortlich ist. Ganz offensichtlich haben sie ihre Lektion nicht gelernt. Wenn sie sich nicht selbst reformieren, wird eine Labour Regierung dies für sie übernehmen.

Mit Helen Venn äußerte sich auch die Geschäftsführerin der britischen Glücksspielaufsicht zu dem Vorstoß der Buchmacher. Man wisse um die neuen Produkte und sei bereits dabei, diese zu überprüfen.

Erst in der vergangenen Woche, kurz vor Inkrafttreten der neuen Regelungen, hatte die Gambling Commisson die Wettanbieter in einem Schreiben aufgefordert, ihre Verpflichtungen in Sachen Spielerschutz ernst zu nehmen. Käme man zu dem Schluss, dass die Industrie hier versage, werde man nicht zögern einzugreifen, so Venn.

Spielerschutz vorsätzlich ausgehebelt?

Auch Spielerschützer zeigten sich entsetzt über „Virtual Cycling“ und Co.: Man bekomme den Eindruck, als seien sie speziell entwickelt worden, um Süchtige weiterhin ans Glücksspiel zu binden und so die Einnahmen der Buchmacher zu sichern.

Die vorgeblich verantwortungsbewussten Konzerne schienen vorsätzlich allen Versuchen der Regierung, Risikospieler schützen, entgegen zu arbeiten, so ein Sprecher der Initiative „Gambling with Lives“.

Mit der Einführung der neuen Spiele fordern die britischen Buchmacher Politik und Spielerschutz erneut unverhohlen heraus. Nach den einschneidenden Entscheidungen der vergangenen Monate ist ein Nachgeben der verantwortlichen Behörden allerdings mehr als unwahrscheinlich.

Eine deutliche Antwort auf den Versuch der Buchmacher, die Regulierung zu umgehen, dürfte somit nur eine Frage der Zeit sein.