Hpybet bringt Bewegung in die deutsche Sportwetten-Branche

Veröffentlicht am: 24. Juni 2019, 12:53 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 24. Juni 2019, 01:19 Uhr.

In Deutschland prägen die Shops und Logos von Sportwetten-Anbietern das Bild vieler Einkaufsstraßen, denn die Wettbüros investieren massiv in den wachsenden Markt. Nun tritt mit Hpybet ein relativ neuer Buchmacher auf den Plan, der den etablierten Platzhirschen das Fürchten lehren will.

Hpybet-Shop
Der neue Anbieter möchte in Deutschland massiv wachsen (Bild: hpybet.de)

Nach Firmenangaben ist das Unternehmen derzeit bereits an mehr als 500 Standorten in Deutschland und Österreich präsent. Doch der erst 2017 gegründete Anbieter habe hierzulande noch viel vor, denn sie verkündeten jetzt, dass sie die Anzahl ihrer Filialen mittelfristig mindestens verdoppeln möchten.

Franchisesystem für den Vertrieb

Um die ehrgeizigen Ziele zu erreichen, setzt Hpybet ganz auf Expansion. Neben der Eröffnung von eigenen neuen Geschäften sollen dafür existierende Wettbüros von einem Wechsel überzeugt werden. Hpybet-Manager Dr. Peter Reinhardt möchte den Betreibern von vielen der rund 4.000 Wettbüros in Deutschland anbieten, zu Franchisenehmern der neuen Marke zu werden.

Hinter der noch jungen Marke Hpybet (Abkürzung für “Happybet”) steht mit der Playtech BGT Sports Gruppe (PBS) ein potenter Geldgeber. Der auf der Isle of Man registrierte Mutterkonzern machte sich als Softwarehersteller für Glücksspiele einen Namen und erwirtschaftete 2018 1,24 Milliarden Euro.

Im Management der neu aufgebauten Marke setzt Playtech auf Branchenerfahrung: Die drei Geschäftsführer, Dr. Peter Reinhardt, Michael Lessig und Andreas Köberl, waren zuvor in führenden Rollen bei Wettanbietern wie Betfair, Mybet oder bet365 tätig.

Neben umfangreicher Marketingunterstützung sollen wechselwillige Wettbürobetreiber Zugang zu den Softwaresystemen von Hpybet-Mutter Playtech erhalten, die laut Dr. Peter Reinhardt “technologisch eine der besten Lösungen am Markt” sei. Zudem beteiligt sich Hpybet eigenen Angaben zufolge bei den anfallenden Kosten für den Umbau der Ladengeschäfte mit jeweils bis zu 50.000 Euro.

In einem Statement erklärte er:

“Wir möchten die Umwälzung der Branche nutzen und mit unserem Produkt, der Marke und mit unseren Franchise-Partnern den Markt durchdringen. Kaum ein Anbieter genügt zur Zeit den hohen technischen Standards und nur wenige werden den Spagat zwischen wachsenden Kundenansprüchen und steigender Regulierung hinbekommen.

Wir gehen von einer weiteren Konsolidierung des Sportwettenmarktes aus und streben mittelfristig an, uns mindestens unter den Top-Zwei der Anbieter wiederzufinden.”

Die Strategie zielt insbesondere gegen den derzeitigen Marktführer Tipico, der in Deutschland etwa 1.000 Shops betreibt. Doch die Hpybet-Macher wollen sich nicht nur auf den Ausbau des Filialnetzes konzentrieren, denn die Intensivierung des Onlinegeschäfts zählt ebenfalls zu den Zielen des Unternehmens.

Milliardenmarkt auf unsicherer Basis

Die Aktivität der Anbieter kommt nicht von ungefähr, denn Sportwetten haben sich in Deutschland zu einem Milliardenmarkt entwickelt. 2017 erwirtschaftete die legale Sportwetten-Branche in Deutschland einen Umsatz von rund 7,7 Milliarden Euro.

Experten schätzen zudem, dass hierzulande mit illegalen Wettgeschäften Summen im hohen dreistelligen Millionenbereich umgesetzt werden. Ob legal oder illegal, Wetten auf König Fußball liegen in der Gunst der Spieler weit vorne. Dahinter rangieren Sportarten wie Handball, Tennis und der US-Sport.

Die Anbieter gehen mit ihrem Engagement gleichzeitig ein gewisses Risiko ein, denn noch immer ist die langfristige Legalität von Sportwetten und Co. in Deutschland nicht geklärt. Schuld daran ist die ausbleibende Neuregelung des Glücksspielstaatsvertrags.

Lizenzen nur bis 2021 gültig

Spielautomaten
Rechtliche Grauzone Glücksspiel (Bild: Pixabay/stokpic)

Die seit 2011 gültige Reglung brach zwar erstmals das bis dahin bestehende staatliche Glücksspielmonopol bei Sportwetten auf, doch die daraufhin von dem Bundesland Schleswig-Holstein im Alleingang erteilten Glücksspiel-Lizenzen liefen vor wenigen Monaten ab.

Zwar einigten sich die Ministerpräsidenten im März auf eine Verlängerung der damals erteilten Genehmigungen, diese sind jedoch lediglich bis Mitte 2021 befristet. Bis dahin, so die Absicht der Initiatoren, soll ein neuer Glücksspielstaatsvertrag beschlossen werden.

Da dieser jedoch den gesamten Glücksspiel-Markt abdecken und damit auch für Spielhallen, Online Casinos oder andere Formen des Glücksspiels gelten soll, herrscht bis dahin noch viel Klärungsbedarf.

Kritiker befürchten bereits jetzt, dass die Zeitspanne von knapp zwei Jahren zu kurz bemessen sein könnte, um zu einer abschließenden Regelung zu kommen, die einen gesicherten Fortbestand des Sportwetten-Business’ rechtlich verbindlich festschreiben würde.

Die Investitionen von Hpybet und anderen Anbietern sind somit auch eine Art Wette auf die Zukunft. Spätestens 2021 wird sich zeigen, ob die Unternehmen bei ihrer Entscheidung richtig gesetzt haben.