Die Aktionswoche „Kinder aus Suchtfamilien“ startet

Veröffentlicht am: 11. Februar 2019, 12:05 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 12. Februar 2019, 09:08 Uhr.

Vom 10. bis zum 16. Februar findet in Deutschland, Großbritannien, Schweden, Slowenien, der Schweiz und den USA die Aktionswoche „Kinder aus Suchtfamilien“ statt. Ziel ist es, auf Kinder aufmerksam zu machen, deren Eltern an einer Suchterkrankung wie Alkoholismus, Drogen- oder Glücksspielsucht leiden.

einsamer und trauriger Junge
Die Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien soll Anlass für Gespräche bieten. (Bild: Pixabay)

Die Aktionswoche „Kinder aus Suchtfamilien“ wird bereits zum 10. Mal durchgeführt. Initiatoren sind die Vereine NACOA Deutschland (Interessenvertretung für Kinder aus Suchtfamilien e.V.), der Such(t)- und Wendepunkt e.V. sowie der Kunst gegen Sucht e.V.

„Vergessenen Kindern eine Stimme geben“

Das Motto der Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien lautet „Vergessenen Kindern eine Stimme geben“. Die Zahl dieser Kinder beläuft sich nach Schätzungen der Drogenbeauftragten der Bundesregierung auf derzeit rund drei Millionen.

Kinder von Suchtkranken werden abgekürzt auch als COAs, als Children of Addicts (Kinder von Abhängigen) bezeichnet. Beim größten Teil von ihnen (2,65 Millionen) leidet mindestens ein Elternteil unter einer Alkoholkrankheit, daher wird die Abkürzung COAs mitunter auch für Children of Alcoholics (Kinder von Alkoholikern) verwendet.

Die Zahl der Kinder, die mit drogenabhängigen Eltern zusammenleben, wird auf etwa 40.000 bis 60.000 geschätzt. Wie viele Kinder mit Eltern aufwachsen, sie an einer sogenannten nicht-stofflichen Sucht leiden, ist unbekannt. Zu diesen Suchterkrankungen wird die Glücksspielsucht, aber auch die Arbeitssucht, die Sexsucht oder die Internetsucht gezählt.

In zahlreichen Suchtberatungsstellen in der gesamten Bundesrepublik finden Veranstaltungen und Aktionen statt, die über die Problematik informieren. Gezielt soll damit die Politik auf das Problem aufmerksam gemacht und dazu angeregt werden, Unterstützungsangebote zu fördern.

Zudem soll der Blick von Menschen, die mit Kindern zusammenarbeiten, geschärft werden. Beispielsweise sollen Kinderärzte und anderes medizinisches Fachpersonal, Sozialarbeiter und Lehrkräfte sensibilisiert werden.

Die Schauspielerin Katrin Sass als Schirmherrin

Schauspielerin Katrin Sass
Die Schauspielerin Katrin Sass ist Schirmherrin der Aktionswoche. (Bild: Wikipedia)

Schirmherrin der Aktionswoche ist die Schauspielerin Katrin Sass. Sie wurde unter anderem mit dem Film „Good bye, Lenin!“ bekannt und geht selbst seit Jahren offen mit ihrer Suchterkrankung um.

Katrin Sass, so erzählt sie in einem Interview mit dem Selbsthilfeverband NACOA, habe zu trinken angefangen, als sie an die Schauspielschule kam.

Die Angst, dem Druck nicht standhalten zu können, sei groß gewesen und je höher der Alkoholpegel am Abend stieg, desto leichter sei ihr alles erschienen.

Dass sie ein Suchtproblem habe, habe sie sich erst bei einem Krankenhausaufenthalt eingestanden.

Längst jedoch sei zu dieser Zeit hinter ihrem Rücken getuschelt worden. Ihr Anliegen sei es, mit den gesellschaftlichen Tabus zu brechen:

„Deshalb rede ich ganz offen über meine Krankheit. Und wenn ich erzähle, wie es mir in der Kindheit ergangen ist, dann erreicht das vielleicht auch einige Jugendliche, die heute in derselben Situation stecken. Die sollen sehen: Wenn die Sass darüber redet, dann kann es ja gar nicht so schlimm sein, darüber zu reden. Die Scham und das Versteckspiel – das muss doch irgendwann ein Ende haben.“

Prävention und Unterstützung für Kinder

Kinder aus Suchtfamilien gelten als Risikokandidaten, wenn es darum geht, selbst eine Sucht zu entwickeln oder aber an einer psychischen Störung zu erkranken. Dies lässt sich in vielen Fällen jedoch mit der richtigen Unterstützung verhindern.

Man spricht von Resilienz (Widerstandskraft), wenn sich Kinder trotz einer Suchterkrankung ihrer Eltern, sei es eine Alkoholabhängigkeit, Drogensucht oder Glücksspielsucht, normal entwickeln. Als einer der Faktoren, die die Entwicklung der Resilienz ermöglichen, gilt eine Bezugsperson außerhalb der Kernfamilie.

Durch die Aktionswoche sollen Erwachsene, die eine solche Bezugsperson sein oder werden können, über die Problematik informiert werden. Sie können Kindern die Botschaft vermitteln, nicht an der Suchterkrankung der Eltern schuld zu sein und ihnen Selbstvertrauen vermitteln. Sie können zudem dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche Hilfe bekommen und annehmen. Dazu können spezielle Spielgruppen ebenso zählen wie eine Psychotherapie.

Eine besondere Bedeutung kommt dem Kindergarten und der Schule zu. Für Kinder aus Suchtfamilien können sie zu sicheren Orten werden, in denen sie Unterstützung erhalten. Zudem haben die Schulen die Möglichkeit, Kinder und Jugendliche im Rahmen von Präventionsprojekten zu informieren und zu stärken.

Ein solches Präventionsprojekt fand zum Thema Gaming und Gambling beispielsweise an einer Düsseldorfer Gesamtschule statt. Hierbei wurde Jugendlichen der Oberstufe der gesunde Umgang mit Spielen und Online Casinos nähergebracht.

Präventionsprojekt zum sicheren Umgang mit Online Casinos und digitalen Spielen

Drei Tage lang haben Psychologen und Rechtsexperten sowie Medien-Profis mit insgesamt 70 Schülern und Schülerinnen der Freien Christlichen Gesamtschule Düsseldorf die Chancen und Risiken des digitalen Spielens erörtert. In dem dreitägigen Projekt „SMART CAMP – Create & play responsibly“ ging es beispielsweise darum, wie man seriöse Anbieter erkennt und die eigenen Daten im Internet schützen kann.

Das Projekt wurde von dem Start-up BG 3000 zusammen mit WestLotto und dem TÜV Rheinland entwickelt. Der Geschäftsführer von WestLotto, Andreas Kötter, erklärte:

„Genau wie das normale Spiel, verlagert sich auch das Glücksspiel immer mehr in die digitale Welt. Auch Jugendliche sind heute im Internet bereits mit einer Vielzahl von Glücksspielangeboten konfrontiert. Viele davon kommen scheinbar harmlos daher, sind aber häufig mehr als eine „Taschengeldfalle!“ Mit den Smart Camps gehen wir neue Wege der Prävention, denn Verbote nützen wenig. Wir setzen auf Aufklärung, Information und Medienkompetenz.“

Die dreitägigen Smart Camps bietet BG 3000 für Schulen in Deutschland kostenlos an. Schülern sollen sie unter anderem dabei helfen, einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Spielen und mit dem Medium Internet zu erlernen.