Darts WM 2019: Sport1 feuert Kommentator Gordon Shumway nach sexistischen Äußerungen

Veröffentlicht am: 20. Dezember 2018, 01:05 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 20. Dezember 2018, 01:05 Uhr.

Die Plattform Sport1 hat gestern auf Twitter bekanntgegeben, dass Darts Experte und Co-Kommentator Gordon Shumway, der die Darts WM 2019 im Londoner Alexandra Palace begleitete, ab sofort nicht mehr eingesetzt werde. Der Sportkanal reagierte auf heftige Kritik seitens der Internetnutzer aufgrund abwertender und frauenfeindlicher Kommentare von Shumway.

Darts Pfeil, Feuer
Darts WM 2019: Kommentator Gordon Shumway gefeuert. (Bild: pixabay.com)

Sport1 fügte hinzu, dass Übertragungen auch im Nachgang noch von der Redaktion beurteilt würden, was auch für die Darts Weltmeisterschaft 2019 und das entsprechende On-Air-Personal gelte.

Was genau geschah

Gordon Shumway und Basti Schwele
Gordon Shumway (l.) äußerte sich sexistisch. (Bild: youtube.com)

Bei der Darts WM 2019 traten zum ersten Mal auch zwei Frauen an. Dabei handelte es sich um die Britin Lisa Ashton und Anastassija Dobromyslowa aus Russland.

Beide Spielerinnen hatten sich im Vorfeld für die Meisterschaft qualifiziert.

Gleich zu Beginn der WM trat Ashton gegen den Niederländer Jan Dekker an. Allerdings unterlag die Spielerin mit 1:3 und schied aus. Dennoch war das Publikum von ihrem Auftritt begeistert.

Am Montag trat dann Dobromyslowa gegen Ryan Joyce aus England an. Auch sie schaffte es nicht in die nächste Runde. Während des Spiels der Russin gegen den Engländer äußerte Shumway seine Meinung über Frauen im professionellen Darts Sport:

„Ich finde es keine gute Idee. Wenn man den Damen eine Plattform geben will, dann kann man das anderweitig tun. Dann kann man ihnen eine eigene Turnierserie geben. Bei Bayern München spielt auch keine Frau mit im Team. Selbst bei den Sportschützen bei Olympia gibt es eine Männermannschaft und eine Damenmannschaft.“

Basti Schwele, der Co-Moderator, versuchte vergeblich zu intervenieren. Dennoch schien Shumway nicht zu bremsen und antwortete auf Schweles Frage, ob es für die Russin noch einen Weg gebe, Ryan Joyce zu schlagen, dass die Wahl der Kleidung vielleicht eine Möglichkeit sei.

Er sagte außerdem, dass Männer immer generell ein Problem damit hätten, gegen Frauen zu spielen:

„Und dann muss man urplötzlich gegen eine Frau spielen. Da sind die Kumpels auf der Tribüne und lachen ihn aus. […]“

Es scheint, als habe sich Shumway besonnen, denn eine halbe Stunde später entschuldigte er sich für sein unangemessenes Verhalten. Es tue ihm leid, wenn er sich missverständlich ausgedrückt habe. Er habe keine sexistischen Äußerungen tätigen wollen, hieß es in seinem Statement.

Reaktionen aus dem Netz

Doch die Entschuldigung schien die daraufhin folgende Welle heftiger Kritik nicht mehr aufhalten zu können. Die Mehrheit der Darts Fans begrüßten die Entscheidung des Sportkanals.

So kommentierte der User Tino Yark:

„Ich finde, allein Shumways Leistung als Co-Kommentator hätte jederzeit gereicht, um ihn zu feuern, Sexismus hin oder her. Die gesamte Kommentarstrecke war heute Abend um Klassen besser, einfach, weil er mit seinem nervtötenden Gebabbel nicht mehr störte. Dafür Thumbs up.”

Der Twitter User „scouby781“ sagte, der Sport habe es aus der Kneipe geschafft, aber die Kneipe nicht aus dem Sport.

KingPoet twitterte:

„Jede Frau, die sich sportlich qualifiziert, sollte bei der WM dabei sein dürfen. Was der Shumway hier ablässt, geht gar nicht. Jeder Gegner muss performen können, auch wenn er gegen eine Frau spielt.“

Wer wird die Darts WM 2019 jetzt kommentieren?

Sport1 versicherte, dass die folgenden Übertragungen auf Sport1 weiterhin begleitet würden und dass der Kanal dafür ein kompetentes On-Air-Team einsetzen werde. Sascha Bendermann werde die Rolle des Moderators übernehmen und Basti Schwele werde kommentieren.

Für die Begegnungen am Freitag, Samstag und Sonntag werde, so Sport1, der deutsche Darts-Spieler Kevin Münch anwesend sein, um die Aufgabe des Co-Kommentators zu übernehmen.

Sexismus im Profisport

Ada Hegerberg
Norwegerin Ada Hegerberg zur besten Fußballerin gewählt. (Bild: wikipedia.org)

Sexismus und frauenfeindliche Äußerungen sind im Profisport keine Seltenheit. So wurde 3. Dezember bei der Verleihung des Preises Ballon d´Or [Seite auf Englisch] des französischen Sportmagazins „France Football“ erstmalig auch eine Frau mit der Auszeichnung geehrt. Dabei handelte es sich um Ada Hegerberg aus Norwegen, die zur besten Fußballerin des Jahres gekürt wurde.

Allerdings erlaubte sich der Kommentator und Moderator DJ Solveig bei der Preisverleihung einen Fauxpas, der die Diskussion um Sexismus beim Sport wieder anheizte. Es ist durchaus möglich, dass Sport1 aufgrund dieses Vorfalls besonders hart gegen Shumway reagieren musste.

Ada Hegerberg hatte den Preis in Empfang genommen und die Bühne bereits verlassen, als DJ Solveig sie fragte, ob sie twerken könne (Anm.: Beim „Twerken“ handelt es sich um einen als provokativ geltenden Tanz, bei dem mit dem Hinterteil gewackelt wird. Insbesondere in den USA ist dieser Tanzstil sehr beliebt. Meist wird er zu Hip-Hop Rhythmen getanzt).

Hegerberg schien sichtlich überrascht über diese Frage und verneinte. Daraufhin entbrannte eine Sexismus Debatte und der Moderator musste sich entschuldigen.

Zwei Wochen später äußerte sich die Sportlerin zu dem Vorfall:

„Was für ein unglaublicher, schöner Moment. Ich lasse ihn nicht ruinieren durch einen dummen Witz des Moderators.“

Sie ergänzte, dass es ihr schlicht um Respekt gehe, denn sie habe für ihren Erfolg genauso viel trainiert und genauso viele Opfer gebracht wie auch andere Fußballer.

Sie sagte auch, dass die Fußballverbände viel mehr für die Gleichberechtigung tun könnten. Doch wie es aussieht, könne es noch etwas dauern, bis dies in der Sportwelt gänzlich akzeptiert werde.