Tabu-Thema Glücksspiel: China führt schwarze Liste für Karaoke-Songs ein

Veröffentlicht am: 14. August 2021, 05:30 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 13. August 2021, 03:37 Uhr.

Die chinesische Führung geht seit geraumer Zeit massiv gegen das Glücksspiel im Land vor. In dieser Woche kündigte das zuständige Ministerium für Kultur und Finanzen einen weiteren Schritt an, der das ohnehin verbotene Spiel um Geld weiter aus der öffentlichen Wahrnehmung verdrängen soll.

Karaoke Bar Außenbeleuchtung
Für die chinesische Regierung ist Karaoke mehr als ein harmloses Freizeitvergnügen (Quelle:unsplash.com/Nikola Duza)

Ab dem 1. Oktober gelte eine schwarze Liste für Karaoke-Lieder, die unerwünschte Themen transportierten. Tabu seien demnach neben dem Glücksspiel auch Inhalte, die die „nationale Einheit, Unabhängigkeit oder territoriale Integrität gefährdeten“.

Glücksspiel-Tabu in Karaoke-Songs

Karaoke gilt in weiten Teilen der chinesischen Bevölkerung als beliebte Freizeitbeschäftigung. Dem chinesischen Online-Medium xinhuanet zufolge soll es landesweit rund 50.000 offizielle Karaoke-Bars geben.

Für die Regierung handelt es sich beim Nachsingen beliebter Lieder wohl nicht um ein harmloses Privatvergnügen. So veröffentlichte [Seite auf Chinesisch] das Ministerium für Kultur und Finanzen in dieser Woche eine offenbar bereits Ende Juli verabschiedete „Vorläufige Verordnung über die Verwaltung von Karaoke Music Content in Gesangs- und Tanzunterhaltungsstätten”.

Diese listet neun Punkte auf, die Karaoke-Lieder künftig umgehend auf eine Verbotsliste des Ministeriums befördern:

 (1) Verletzung der in der Verfassung festgelegten Grundprinzipien;

(2) Gefährdung der nationalen Einheit, Souveränität oder territorialen Integrität;

(3) Gefährdung der nationalen Sicherheit oder Verletzung der nationalen Ehre und Interessen;

(4) Aufstachelung zu ethnischem Hass, ethnischer Diskriminierung, Verletzung ethnischer Gefühle oder Verletzung ethnischer Bräuche und Gewohnheiten und Untergrabung der ethnischen Einheit;

(5) Verletzung der Religionspolitik des Staates und Förderung von Kulten oder Aberglauben;

(6) Verbreitung von Obszönität, Glücksspiel, Gewalt und drogenbezogenen illegalen und kriminellen Aktivitäten oder Anstiftung zu Straftaten;

(7) Verletzung der Sozialethik oder nationaler exzellenter kultureller Traditionen;

(8) Beleidigung oder Verleumdung anderer, Verletzung der gesetzlichen Rechte und Interessen anderer;

(9) Sonstige Inhalte, die durch Gesetze und Verwaltungsvorschriften verboten sind.

Gleichzeitig, so die Verfasser, sollten Anbieter von Song-on-Demand-Systemen ermutigt werden, „gesunde und progressive“ Karaoke-Musik bereitzustellen. So werde vermehrt die Schaffung „hervorragender Songs“ gefördert, die „positive Energie“ verbreiteten.

Mehr Kontrollen in Karaoke-Bars

Die Veröffentlichung richtet sich an die die Kultur- und Tourismusbüros aller Provinzen, autonomen Regionen und Gemeinden. Diese sind künftig verpflichtet, ein wachsames Auge auf die Auswahl der Karaoke-Lieder zu haben.

Karaoke ist nicht die erste Unterhaltungsbranche, in der die chinesische Führung unerwünschte Themen wie das Glücksspiel zum Tabu erklärt. So gelten bereits seit 2019 Zulassungsrichtlinien, nach denen in Online- und Videospielen keine als schädliche klassifizierten Inhalte dargestellt werden dürfen. Neben Prostitution und Gewalt sind auch Spiele wie Poker und Mahjong verboten.

Verstöße gegen die Richtlinien der Führung müssen somit umgehend nach Peking gemeldet werden. Zudem rät das Ministerium den lokalen Stellen zu verstärkten stichprobenhaften Kontrollen von Karaoke-Lokalen.

Die Verantwortung für die Inhalte verortet das Ministerium bei den Anbietern der Karaoke-Systeme. Finden sich in deren Listen Songs, die dem Ansinnen der Führung widersprechen, drohen empfindliche Strafen.

Die Verordnung soll in wenigen Wochen in Kraft treten. Es kann davon ausgegangen werden, dass dies das Aus für diverse westliche Gassenhauer wie Elvis Presleys „Viva Las Vegas“ oder „The Winner takes it all“ von ABBA in den Karaoke-Bars von China bedeuten dürfte.