Emotionales Statement: Britischer Pferderenn-Experte bekennt sich zur Wett-Sucht

Veröffentlicht am: 22. Juli 2021, 01:28 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 22. Juli 2021, 01:28 Uhr.

Der Pferderenn-Experte der britischen Tageszeitung The Sun hat sich in einem gestern veröffentlichten Kommentar zu seiner Abhängigkeit von Sportwetten bekannt. In dem persönlich gehaltenen Text berichtet Jack Keene von den dunkelsten Momenten seiner Sucht und darüber, wie schwierig die Abkehr vom Glücksspiel sei, wenn der Job einen ständig in Versuchung führe.

Jockeys auf Rennpferden Pferderennen
Für den Pferderenn-Experten Keene liegen Job, Freud und Leid nah beieinander (Quelle:unsplash.co/Philippe Oursel)

Ständige Konfrontation mit der eigenen Sucht

Für seine Artikel besucht Jack Keene Pferdesport-Events und berichtet über alles, was die Szene bewegt. Teil seiner Arbeit sind auch Vorberichterstattungen zu Rennen inklusive der Abgabe von Wett-Tipps. In den entsprechenden The-Sun-Artikeln Keenes werden Infos zu Buchmachern und deren Quoten prominent platziert.

Nun berichtet [Seite auf Englisch] der Reporter erstmals öffentlich, dass die ständige Konfrontation mit dem Glücksspiel für ihn eine ernsthafte Schwierigkeit darstelle. So leide er bereits seit rund sieben Jahren unter Spielsucht.

Nach einer langen Leidenszeit habe er die Sucht jedoch mit Unterstützung der Organisationen Gamblers Anonymous and GamCare weitgehend unter Kontrolle bringen können. In seinem gestern erschienen Text richtet er deshalb einen dringenden Appell an alle Betroffenen:

Die Spielsucht hinterlässt nicht nur finanzielle Narben – die tiefsten sind meist psychischer Natur. Nicht nur bei dir selbst, sondern auch bei Menschen, die dir nahestehen. Die Beratungsgespräche helfen, diese Wunden zu heilen. (…) Das Leben geht weiter, und du stellst fest, dass es nicht aus Stress, Depressionen, Lügen und Ängsten besteht. (…) Bitte, wenn Sie überfordert sind, sprechen Sie mit jemandem. Sie sind nicht allein. Es gibt Hilfe.

Auf der Jagd nach dem verlorenen Geld

Keene nennt das Jahr 2014 als Beginn seines Suchtproblems. Damals habe er wegen des Berufs seine Heimat verlassen und habe sich oft einsam gefühlt. Im Glücksspiel habe er Ablenkung und Trost gesucht.

Tatsächlich hätten sich mit jedem Verlust jedoch noch Ärger und Scham zu den negativen Emotionen hinzugesellt. Letztlich habe er sich nur noch auf der Jagd befunden, die verlorenen Gelder zurückzugewinnen. Doch auch nachdem ihm 2016 einmalig ein ganz großer Wurf gelungen war, der ihm zu mehreren Zehntausend Pfund verholfen hatte, habe er nicht aufhören können zu wetten. Das Geld sei binnen kürzester Zeit wieder verloren gewesen.

In Deutschland machte der Sportkommentator Werner Hansch (82) 2020 Schlagzeilen, als er während der Teilnahme am TV-Format Promi Big Brother seine Spielsucht öffentlich machte. Binnen eines Jahrzehnts, so Hansch vor laufenden Kameras, habe er über 1 Mio. Euro bei Sportwetten verloren. Heute engagiert sich der Reporter als Botschafter des Fachverbandes Glücksspielsucht für Aufklärung und Prävention.

Nach vielen Tiefpunkten sei es ihm erst im Jahr 2019 gelungen, sich seiner Spielsucht zu stellen und die Kontrolle über sein Leben wiederzuerlangen. Zwar habe es Rückfälle gegeben, heute könne er sein Leben jedoch wieder genießen. Trotz der Probleme und Herausforderungen, die sie mit Blick auf seine Sucht bedeuteten, liebe er seinen Job und die Welt des Pferderennsports noch immer unverändert, so Keene.