Vor Verbot in Brasilien: 27 % der Sozialhilfe für Glücksspiel
Posted on: 06/11/2025, 04:15h.
Last updated on: 05/11/2025, 03:19h.
- In Brasilien wurden im Januar 27 % der Sozialhilfe ins Glücksspiel investiert.
- Studie belegt Milliardensumme, die Begünstigte für Wetten und Co. ausgaben.
- Ende September wurden Sozialhilfeempfänger für Online-Glücksspiel gesperrt.
In dem lateinamerikanischen Land sind Millionen von Familien auf staatliche finanzielle Hilfe angewiesen. Von diesen Geldern wurden allerdings lange Zeit hohe Summen für zweckfremde Aktivitäten ausgegeben. Einer neuen behördlichen Studie zufolge flossen in Brasilien zu Beginn des Jahres rund 27 % der Sozialhilfe in Angebote rund um das Glücksspiel.

Ausgelöst wurden die massiven Geldtransfers durch die Ende vergangenen Jahres erfolgte Legalisierung von Online-Sportwetten. Ab diesem Zeitpunkt schossen die Ausgaben auch von sozial Schwächeren massiv in die Höhe.
Allerdings setzten die Betroffenen dabei vielfach Gelder ein, die sie vom Staat zur Begleichung von Auslagen für Miete und Nahrungsmittel erhielten. Nach Angaben des Bundesrechnungshofes wurden auf diese Weise im Januar über ein Viertel der Beträge zweckentfremdet.
Im Juli 2025 profitierten annähernd 20 Millionen Familien von dem Bolsa Família genannten Programm. Diese erhalten monatlich je 600 BRL (97 Euro). In dem gleichen Zeitraum flossen von der Gesamtsumme 3,7 Mrd. BRL an Wettanbieter.
Die von der Regierung unterstützte Untersuchung belegt erstmals offiziell das Ausmaß der Glücksspielaktivitäten sozial benachteiligter Teile der Bevölkerung. Allerdings war die Freude dieser Zielgruppe an Sportwetten bereits zuvor bekannt.
Verbot für ärmere Zielgruppe
Der Regierung war die Zweckentfremdung ihrer Finanzhilfen schon seit Längerem negativ aufgefallen. Um derart hohe Zahlungen für Glücksspiel statt Lebensmittel und Miete vorzubeugen, führte sie im September ein Verbot ein.
Seitdem müssen bspw. Buchmacher Empfänger der Sozialhilfe von ihrem Wettangebot ausschließen. Konten der von Bolsa Família Begünstigten müssen zudem geschlossen und Guthaben rückerstattet werden.
Um weiterem Missbrauch vorzubeugen, ordneten die Behörden schärfere Kontrollen an. So soll sichergestellt werden, dass die Konten der Sozialhilfeempfänger keine Transfers mehr zu Glücksspielunternehmen aufweisen.
Kritiker monieren, dass das Problem durch das Verbot nur verlagert werden könnte. Anstatt die umfangreichen ID-Checks bei lizenzierten Wettanbietern zu absolvieren, könnten sich ärmere Spieler auf den Schwarzmarkt konzentrieren.
Aufgrund der laxeren Kontrollen werden ihnen Geldeinsätze dort zumeist nicht verwehrt. Deshalb ist es äußerst wahrscheinlich, dass auch nach dem offiziellen Verbot weiterhin Gelder von Sozialhilfeempfängern für das Glücksspiel aufgewendet werden.
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