Casino-Pläne auf Hawaii: Bericht warnt vor Gewalt und Prostitution

Veröffentlicht am: 6. Februar 2021, 05:30 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 5. Februar 2021, 04:44 Uhr.

Der US-Bundesstaat Hawaii will mit einer Reihe neuer Gesetze das bislang auf der Inselkette verbotene Glücksspiel legalisieren. Die Pläne stoßen nicht überall auf Zustimmung. So warnte die staatliche Hawaii State Commission on the Status of Women (HSCSW) in einem in dieser Woche veröffentlichten Bericht davor, dass mit einer Eröffnung eines Casino-Resorts auch Frauenhandel und sexuelle Ausbeutung Einzug auf Hawaii halten könnten.

 Blick auf Stadt auf Hawaii
Bislang gibt es keine legalen Casinos in den Tourismushochburgen von Hawaii. (Quelle:unsplash.com/Colton Jones)

Glücksspiel gegen leere Kassen?

Die COVID-19-Pandemie hat Hawaii schwer getroffen. Die Regierung der insbesondere vom Tourismus abhängigen Pazifikinseln rechnet eigenen Angaben zufolge für die kommenden vier Jahre jeweils mit einem Haushaltsdefizit von 1,4 Mrd. US-Dollar.

Geld in die staatlichen Kassen spülen könnte ein Casino-Resort. Möglicher Standort soll der Bezirk Kapolei auf der eigentlich den Ureinwohnern gesetzlich vorbehaltenen Insel O‘ahu sein.

Die zuständige Hawaiian Homes Commission hatte entsprechenden Gesetzesvorschlägen im Dezember mehrheitlich zugestimmt. Bis zu einer endgültigen Entscheidung müssen die Vorlagen unter anderem noch den Senat und das Repräsentantenhaus passieren.

Um die wirtschaftliche Not Hawaiis abzufedern, liebäugelt der Gesetzgeber seit einigen Monaten öffentlich mit der Legalisierung des bis dato streng verbotenen Glücksspiels. Im Gespräch ist neben dem Casino-Resort auch die Erlaubnis von Sportwetten und Fantasy Sports sowie die Einrichtung eines staatlichen Lotteriebetreibers, der Glücks- und Geschicklichkeitsspiele inklusive Lotto, Poker und Casinospiele anbieten könnte.

Mitglieder des letzteren hatten ein Gutachten zu möglichen Konsequenzen des Casino-Baus bei der HSCSW in Auftrag gegeben. Unter dem Titel „Gambling With Women’s Safety: A Feminist Assesment of Proposed Resort-Casino“ veröffentlichte die Stelle, die sich insbesondere dem Schutz von Frauen der hawaiianischen Urbevölkerung widmet, ihren Bericht [Seite auf Englisch].

„Öffentliche Gesundheit in Gefahr“

Den Experten zufolge drohe insbesondere bereits jetzt vulnerablen Personen durch die Errichtung des Glücksspiel-Tempels Gefahr:

Eine Reihe von Experten identifiziert Glücksspiel als ein Problem der öffentlichen Gesundheit, das mit erheblichen Schäden für die Gemeinschaft in Zusammenhang steht und mit Menschenhandel und sexueller Ausbeutung sowie anderer geschlechtsspezifischer Gewalt verbunden ist.

So ließen diverse aufgeführte Studien den Schluss zu, dass es mit dem Bau des Casinos zu einem Anstieg von Prostitution und in deren Folge des Menschenhandels und der sexuellen Ausbeutung kommen könne. Die unter Frauen der Urbevölkerung weit verbreitete Armut mache diese zu besonders leichten Opfern solcher Entwicklungen.

Ebenfalls bestehe die Gefahr, dass es einen Anstieg der häuslichen Gewalt gebe, da problematisches Glücksspiel oft zu innerfamiliären, teils körperlich ausgetragenen Konflikten führe. Auch hier seien die hawaiianischen Frauen als Opfer bereits jetzt statistisch überrepräsentiert.

Weiterhin bezweifeln die Macher des Berichts, dass das Casino den Einwohnern Hawaiis langfristig zugutekomme. Vielmehr sei davon auszugehen, dass sich Hawaii zu einem „Paradies für Glücksspiel und Erwachsenenunterhaltung“ entwickeln und dabei die existierende Kultur und Infrastruktur verdrängen werde.

Letztlich, so das Fazit der Verantwortlichen, müssten die Ureinwohner Hawaiis jedoch selbst entscheiden, was mit ihrem Land geschehen solle. Dabei solle es ihnen möglich sein, die Erkenntnisse des vorliegenden Berichts in ihre Überlegungen miteinzubeziehen.