Die Weihnachtszeit ist voller Traditionen, die von regionalen Unterschieden geprägt sind. In Deutschland sammeln sich die Menschen an den Buden der Weihnachtsmärkte und trinken Glühwein, in Russland wird bei Suppe und Trockenfrüchten gefastet und in Australien werden vor dem 25.12 noch eben die beschwerdereichsten TV-Spots des Jahres gekürt.

Fernsehen

Australische behörden nehmen Werbeinhalte sehr ernst. (Quelle: Pexel)

Platz eins der von Ad Standards veröffentlichten Liste (Seite auf Englisch) geht in diesem Jahr an den TV-Werbespot des Online-Buchmachers Sportsbet.

Was ist Ad Standards?

Ad Standards ist eine australische Medienstelle, die seit 1998 Beschwerden von Werbekonsumenten regelt. Die Aufgabe von Ad Standrads ist es, Konsumenten eine Stimme zu geben und anstößige Werbeinhalte zu prüfen. Durch das Meldesystem soll der Werbestandard in den australischen Medien konstant hoch bleiben.

Zu den weiteren Aufgaben von Ad Standards gehört es, Werbung auf ihre Vereinbarkeit mit dem Jugend- und Sittenrecht zu kontrollieren. Einmal jährlich veröffentlicht Ad Standards zum Jahresende eine Liste mit den meistbeanstandeten TV-Werbespots des Jahres.

Das gibt es auf Platz eins zu sehen

Der erstplatzierte TV-Werbespot des Sportwettenanbieters Sportsbet zeigt einen oberkörperfreien Mann, der in Ruhe und Frieden seinen Intimbereich zu rasiert. Die plötzlich ins Bild plärrende Stimme des Werbesprechers führt dazu, dass der sichtlich erschrockene Mann an der empfindlichen Stelle abrutscht und sich zu schneiden scheint.

Das Video, dem sein humoristischer Charakter nicht abzusprechen ist, erhielt in diesem Jahr 793 Beschwerden und brach damit den bisherigen Rekord von 481 Beanstandungen.

Als Beschwerdegründe gab ein Gros der Zuschauer nach dem Beschwerde-Code von Ad Standards Sex, Sexualität und Nacktheit an. Andere Zuschauer wollen in der Werbung Diskriminierung und Verunglimpfung von Männern entdeckt haben.

Schlagende Mutter auf Platz zwei

Auf Platz zwei der beschwerdereichsten TV-Werbespots Australiens landet in diesem Jahr eine Werbung der Versicherungsgesellschaft iSelect.

Eine Frau erhält auf der Geburtstagsparty ihres Kindes eine Nachricht, die wirklich niemand bekommen möchte: ein Beitragszuschlag für die Versicherung wird fällig. Wütend schlägt die Mutter vor den Augen der Kinder auf eine Piñata ein, die zur Freude der Kleinen ihren leckeren Inhalt preisgibt.

Insgesamt gab es wegen des Spots 716 Beanstandungen. Größte Sorgen der Beschwerdeträger waren Gesundheit, Sicherheit und die Darstellung von Gewalt.

Sport-BH-Werbung auf Platz drei

Mit 135 Beschwerden lag ein Werbespot des Unterwäscheherstellers Berlei in diesem Jahr abgeschlagen auf Platz 3.

Die Werbung, die Teil einer provokativen Kampagne für Brustgesundheit ist, zeigt Bälle in Brustform, die geschlagen, getreten, geworfen und geprellt werden.

Der Spot soll die Wichtigkeit von Sport-BHs unterstreichen und gleichzeitig ein Statement für die Desexualisierung von Brüsten beim Sport sein.

Trotz der wichtigen Botschaft bewerteten einige Werbezuschauer den Spot als diskriminierend und degradierend. Auch Sexualität und Nacktheit machten den Spot nach Ansicht mancher Zuschauer kritikwürdig.

Das sagen die Verantwortlichen von Ad Standards zur Liste

2018 war ein Rekordjahr für Beschwerden im TV-Sektor. Wie Ad Standards in einer Meldung bekannt gab, seien insgesamt mehr als 6.600 Beschwerden wegen anstößiger Werbeinhalte bei der Medienstelle eingegangen.

Dies stellt die größte Zahl an Beschwerden seit Bestehen der Agentur dar. Für Fiona Jolly, CEO von Ad Standards, ist diese Entwicklung durchaus positiv, wie sie in einer Pressemitteilung äußerte:

„Es war das bislang größte Jahr für Ad Standards. Wir hatten zwei der meist beanstandeten Werbespots der letzten 20 Jahre. Die Statistiken zeigen, dass die Community die Werbecodes versteht und Community-Standards schützt.“

Glücksspielwerbung in Australien schon seit längerem im Visier

Das der meistbeanstandete Werbespot des Jahres aus dem Bereich Glücksspiel stammt, dürfte für keine große Verwunderung sorgen.

Sydney Oper

Auch das Opernhaus von Sydney war Gegenstand von Konflikten. (Quelle: Wikipedia)

Immerhin hat der australische Gesetzgeber die Branche schon seit geraumer Zeit im Visier. Bereits im Sommer dieses Jahres wurden in Australien neue Richtlinien für Werbespots von Glücksspielanbietern eingeführt.

So ist es privaten TV-Sendern und Streaming-Kanälen untersagt, in der Zeit von 5:00 bis 20:30 Glücksspielewerbung während Sport-Liveübertragungen auszustrahlen.

Ein Werbeverbot für Online-Casinos und Sportwetten herrscht überdies in der Zeit von 6.00 bis 20:30 auf allen öffentlichen Kanälen.

Damit hat Australien eine der restriktivsten Gesetzgebungen für Glücksspielwerbung in der gesamten westlichen Welt.

Werbeaktionen für Wettveranstaltungen sorgten in Australien bereits für Furore

Dass das Werben für Wettveranstaltungen in Australien für Aufmerksamkeit sorgt, ist kein Novum. Bereits im Oktober berichteten wir über den großen Streit, der sich anlässlich der Werbung für das Pferderennen „The Everest“ entbrannt hatte.

Die Veranstalter des Rennens hatten geplant, Werbung auf die Außenseite des imposanten Opernhauses von Sydney zu projizieren.

Die Aktion stieß allerdings auf viel negative Resonanz. Vor der Oper, die seit 2007 zum UNESCO-Welterbe gehört, versammelten sich tausende Demonstranten, um gegen die Vereinnahmung der Oper als Werbekulisse zu demonstrieren.