Atlantic City: Von der Casino-Stadt zur Geisterstadt?

Veröffentlicht am: 22. April 2019, 05:30 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 18. April 2019, 01:19 Uhr.

Wie die New Jersey Division of Gaming Enforcement, die Glücksspielbehörde von New Jersey, USA, bekanntgegeben hat, sind die Umsätze der Casinos von Atlantic City im Jahr 2018 um 15 Prozent zurückgegangen. Die Casinos kämpfen schon länger mit sinkenden Gewinnen. Die Folgen zeichnen sich sichtbar in der Stadt ab, wie der Fotograf Brian Rose in seinem kürzlich veröffentlichten Buch „Atlantic City“ zeigt.

Atlantic City von Brian Rose
Brian Rose zeichnet in über 50 Fotos ein aktuelles Bild von der Casino-Stadt Atlantic City. (Bild: Atlantic City, 2019 © Brian Rose)

„Atlantic City“ von Brian Rose – ein düsteres Bild der Stadt

Seitdem Brian Rose vor kurzem sein Buch „Atlantic City“ bei dem Verlag CIRCA veröffentlichte, ist immer wieder von Atlantic City als „Geisterstadt“ die Rede. Jahrhundertelang von Auf- und Abschwüngen geprägt, ist die Stadt voller Widersprüche. Schillernde Casinos stehen verlassenen Immobilien gegenüber und die Nachrichten über Neueröffnungen luxuriöser Casinos wechseln sich mit denen über sinkende Umsatzzahlen ab.

In den 1920ern galt Atlantic City als blühender Stern am Glücksspiel-Himmel und bot die Vorlage für die US-Fernsehserie Boardwalk Empire. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Erholungsort bekannt geworden, entstand hier bald ein Hotel nach dem anderen und in den Hinterzimmern der Stadt blühte das Glücksspiel.

Als nach dem zweiten Weltkrieg die Besucherströme nachließen, wurde das Glücksspiel 1976 offiziell in Atlantic City erlaubt und es eröffneten zahlreiche Casinos, die noch heute viele Besucher, vor allem aus dem Ballungsraum New York, in ihren Bann ziehen. Doch die Casino-Branche der Stadt kämpf mit sinkenden Einnahmen.

Als Brian Rose im Jahr 2016 in die Stadt kam, war Trump gerade zum Präsidenten gewählt worden, das Trump Taj Mahal Casino, das später zum Hard Rock Atlantic City wurde, stand bereits leer. Brian Rose machte es sich zur Aufgabe zu zeigen, was von Investmentruinen wie dieser übrigblieb. Er warf Trump vor, „seine Casinos auf Dünen von Schulden“ gebaut und „in den Bankrott“ geblutet zu haben.

Was nach der „Casino-Explosion“ übriggeblieben war, dokumentierte er mit seinem Bildband. Eine Aufnahme zeigt beispielsweise die einsame Skulptur eines Elefanten, die den Namen Trump trägt, für die der Bildhauer Michael MacLeod jedoch nie bezahlt worden sein soll.

Trump Taj Mahal von Brian Rose
Das Buch von Brian Rose beinhaltet unter anderem Aufnahmen vom ehemaligen Trump Taj Mahal. (Bild: Atlantic City, 2019 © Brian Rose)

Als bekannt wurde, dass das Trump Taj Mahal als Hard Rock neu eröffnet werden würde, war die Hoffnung groß, wieder mehr Touristen in die Stadt zu locken. Brian Rose allerdings zweifelte an einem bevorstehenden Aufschwung und teilte der britischen Zeitung „The Guardian“ mit:

„Sie wollen das Gebiet durch den Bau von mehr Casinos wiederbeleben. Das zeigt, dass aus den Erfahrungen nicht gelernt wurde. Es gibt nur eine begrenzte Menge Geld in Atlantic City zu machen und der Kuchen wird nicht größer werden.“

Sinkende Umsätze bei fast allen Casinos

Die von der New Jersey Division of Gaming Enforcement bekanntgegebenen Geschäftsergebnisse für das Jahr 2018 scheinen Brian Rose recht zu geben. Insgesamt konnten die Casinos von Atlantic City zwar eine Umsatzsteigerung von 7,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichnen, jedoch sank der Bruttogewinn im Casino-Bereich um 15,4 Prozent auf 582,6 Millionen US-Dollar.

Gewinne konnten lediglich das Casino Tropicana und das Golden Nugget machen. Die beiden im Juni 2018 eröffneten Casinos, das Hard Rock Atlantic City und das Ocean Resort Casino, gehörten zu jenen, die das Jahr mit roten Zahlen beendeten. Die Verluste betrugen dabei beim Hard Rock 9,1 Millionen US-Dollar, beim Ocean Resort 17,8 Millionen US-Dollar.

Zunehmende Konkurrenz als aktueller Grund für Umsatzrückgänge?

Schon in der Zeit nach der Wirtschaftskrise von 2008 hatte es in der Casino-Branche der Stadt lange gekriselt und zwischen 2014 und 2016 mussten fünf der damals zwölf in Atlantic City ansässigen Casinos schließen. Danach schien sich der Markt zunächst aufgrund der geringeren Konkurrenz stabilisiert zu haben.

Doch dann kam es zur Wiedereröffnung des ehemaligen Revel als neues Ocean Resort Casino und des Taj Mahal als neues Hard Rock und es wird angesichts der sinkenden Umsätze immer wieder die Frage diskutiert, ob der Markt von Atlantic City schlichtweg übersättigt ist.

Noch jedoch geben sich die Casino-Betreiber nicht geschlagen und das Ocean Resort Casino ist gerade dabei, neue Marketing-Strategien zu entwickeln, um sein Casino-Geschäft wieder anzukurbeln. In einer Pressemitteilung gab es vergangene Woche bekannt, seinen Namen von Ocean Resort Casino in Ocean Casino Resort zu ändern.

Damit soll der stärkere Fokus auf den Casino-Bereich gelegt werden und die Betreiber hoffen, mehr Besucher an die Spieltische zu holen. Ob sie damit Erfolg haben werden, wird sich zeigen.