888 Holdings, der Mutterkonzern hinter Marken wie 888Poker und 888Casino, erwägt den Rückzug aus dem deutschen Online-Glücksspielmarkt. Der Grund dafür sei laut 888 unter anderem die komplizierte rechtliche Situation für Casino-Anbieter in Deutschland. Darüber hinaus sieht sich die Firma derzeit mit hohen finanziellen Belastungen konfrontiert.

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888 erwägt den Exit aus Deutschland. (Bild: clearmedia.tv)

888 Holdings muss 45 Millionen nachzahlen

Die Gründe für einen potenziellen Ausstieg von 888 aus dem deutschen Markt sind primär finanzieller Natur. Durch Zahlungspflichten gegenüber verschiedenen Stellen war es im vergangenen Jahr zu Gewinneinbrüchen bei dem Konzern gekommen. So soll der Glücksspielanbieter nach eigenen Angaben 45,3 Millionen US-Dollar Mehrwertsteuer für das Jahr 2017 an den deutschen Fiskus nachzahlen müssen.

Hinzu kommt eine Geldstrafe in Höhe von 7,8 Millionen Pfund, die die UK Gambling Commission 888 Holdings Ende August 2017 auferlegt hatte. Dabei handelt es sich um die höchste Strafzahlung, die je unter der britischen Aufsichtsbehörde verhängt wurde. Grund für die Sanktionen gegen 888 waren Versäumnisse im Bereich Spielerschutz. Der Anbieter hatte mehrere tausend Spielersperren ignoriert. Dies sei aufgrund eines technischen Fehlers passiert. In einem zweiten Fall hatte 888 auffallend hohe Einsätze nicht weiterverfolgt. In der Folge verspielte ein spielsüchtiger Kunde 1,3 Millionen Pfund, wovon es sich bei Teilen um veruntreutes Geld gehandelt hatte.

„Regulatorische Ungewissheit“ in Deutschland macht es Anbietern schwer

In seinem Jahresabschluss für 2017, der gestern veröffentlicht wurde, verweist 888 Holdings unter anderem auf die „regulatorische Ungewissheit“, die in manchen Märkten, darunter auch explizit in Deutschland, herrsche. So findet sich dort die folgende Passage:

„Wie bereits in unserem Abschnitt zur Risikoanalyse- und Bewertung angesprochen, existieren in bestimmten Märkten, in denen wir aktiv sind, regulatorische Unsicherheiten. Zu diesen Märkten gehört auch Deutschland. Infolge der jüngsten Rechtsprechung des deutschen Verwaltungsgerichts beschäftigt sich die Geschäftsführung zusammen mit unserer rechtlichen Beratung bereits mit dem Status und dem Umfang unseres Angebots für den deutschen Markt.“

Bei dem zitierten Urteil handelt es sich um die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig vom 27. Oktober 2017. In diesem Urteil bestätigt Deutschlands höchstes Verwaltungsgericht das Verbot für Online Casinos, Online Poker und Online Rubbellose. 888 Holdings erklärte in seinem Jahresbericht, von dem Leipziger Urteil, „sehr enttäuscht“ zu sein. So sollen die Geschäftsführung und Rechtsabteilung eventuell eine Revision in Betracht ziehen. Alternativ stände es auch zur Debatte, den deutschen Markt nach diesem Urteil komplett zu verlassen.

Baden-Württemberg verweigert 888 Tochterunternehmen die Lizenz

Das Urteil aus Leipzig erging als finale Entscheidung im Rechtsstreit zwischen 888 Holdings und dem Land Baden-Württemberg. Letzteres hatte dem Unternehmen unter Verweis auf das deutsche Verbot für Online Casinos die Lizenz für ein Tochterunternehmen versagt. Gegen diese Entscheidung wehrte sich 888 vor Gericht, unterlag jedoch schlussendlich letzten Herbst.

Der deutsche Markt für Online Sportwetten und Online Lotterien wird für lizenzierte Betreiber zwar immer weiter geöffnet, in Sachen Online Casinos und Online Poker verfolgt der Gesetzgeber jedoch nach wie vor einen streng restriktiven Kurs.

Zahlungsanbieter wenden sich ebenfalls von Deutschland ab

Nicht nur Glücksspielanbieter, auch Zahlungsdienstleister leiden unter dem deutschen Recht. So weist 888 in seinem Jahresabschluss darauf hin, dass die Abwicklung von Ein- und Auszahlungen in Deutschland seit letztem Jahr nicht mehr problemlos vonstatten ginge:

„In den letzten Monaten haben sich auch andere Anbieter (im online- und landbasierten Sektor) aus dem deutschen Online-Glücksspielmarkt zurückgezogen. Jüngst haben nun auch Zahlungsdienstleister, die 9 % unserer Transaktionen in Deutschland abwickeln, entschieden, ihre Leistungen mit Blick auf den deutschen Markt für Online-Glücksspiel einzustellen. Andere Dienstleister haben uns bereits informiert, dass sie über ähnliche Maßnahmen nachdenken.“

Die sogenannten Paradise-Papers haben das Thema Online Glücksspiel in Deutschland vergangenen Herbst in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. In der Folge haben sich mit Gauselmann (Merkur Spielautomaten) und Novomatic (Greentube und Novoline Slots) Ende des Jahres bereits zwei wichtige und große Anbieter aus dem deutschen Markt zurückgezogen und ihre Spiele für deutsche Spieler gesperrt.