Glücksspielstaatsvertrag 2021: Diese Regeln gelten in Deutschland

Lotti Holl
Lotti Holl
Aktualisiert

Seit dem 1. Juli 2021 regelt der Glücksspielstaatsvertrag das Online Glücksspiel in Deutschland bundesweit einheitlich. Lizenzierte Anbieter dürfen virtuelle Automatenspiele und Online Poker legal anbieten, kontrolliert von der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder. Der Vertrag soll den Spielerschutz stärken und begrenzt, wie viel du einzahlen und pro Spiel setzen darfst. Was das für dich im Jahr 2026 bedeutet und welche Spiele erlaubt sind, liest du hier.

Glücksspielstaatsvertrag

Was ist der Glücksspielstaatsvertrag?

Der Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV) ist ein Vertrag zwischen den 16 Bundesländern. Er legt fest, welche Glücksspiele in Deutschland erlaubt sind, wer sie anbieten darf und welche Auflagen dabei gelten. In seiner heutigen Fassung gilt er seit dem 1. Juli 2021.Davor war Glücksspiel nicht bundesweit, sondern auf Landesebene geregelt, mit deutlich unterschiedlichen Vorschriften je Bundesland.Der GlüStV 2021 verfolgt drei Ziele: legale Angebote schaffen, Spieler schützen und den Schwarzmarkt eindämmen. Er geht dabei einen Mittelweg. Einerseits öffnet er den Markt für lizenzierte Anbieter, andererseits bleiben viele Spielformen stark reguliert oder ganz verboten. Befristet ist der Vertrag bis zum 31. Dezember 2028, aktuell wird er evaluiert.

Historischer Hintergrund und Entwicklung

Bis zur heutigen Regelung war es ein langer Weg. Die wichtigsten Etappen im Überblick:

2008

Der erste Staatsvertrag
  • Am 1. Januar 2008 trat der erste Glücksspielstaatsvertrag in Kraft. Er verbot Online Glücksspiel in weiten Teilen und sicherte das staatliche Monopol. Für private Anbieter blieb der deutsche Markt damit verschlossen.

2012

Sportwetten
  • Zum 1. Juli 2012 öffnete der Erste Änderungsstaatsvertrag den Sportwettenmarkt für 20 private Konzessionen. Schleswig-Holstein vergab eigene Lizenzen für Online Casinos, trat aber 2013 dem bundesweiten Vertrag bei.

2020

Duldungsphase
  • Ab dem 15. Oktober 2020 duldeten die Länder Anbieter von virtuellen Automatenspielen, sofern diese die kommenden Auflagen des GlüStV 2021 bereits erfüllten. Rechtlich erlaubt war das Angebot damit noch nicht, verfolgt wurde es aber nicht mehr.

2021

Die bundesweite Regelung
  • Seit dem 1. Juli 2021 gilt eine bundesweite Regelung: Lizenzierte Anbieter dürfen virtuelle Automatenspiele und Online Poker anbieten, Roulette und Blackjack nur mit Landeserlaubnis.

2023

Eine Behörde für alle
  • Zum 1. Januar 2023 übernahm die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) mit Sitz in Halle an der Saale die Erlaubniserteilung und die Aufsicht. Seitdem liegt beides bundesweit in einer Hand.

2026

Der Vertrag auf dem Prüfstand
  • Der GlüStV 2021 ist bis zum 31. Dezember 2028 befristet und wird derzeit evaluiert. Zum 1. Juli 2026 wurden die Einsatzlimits für virtuelle Automatenspiele erstmals gelockert.
Was genau der Glücksspielstaatsvertrag regelt, das schauen wir uns jetzt an.

Zentrale Inhalte des GlüStV 2021

Der Vertrag regelt vier Bereiche: wer eine Erlaubnis bekommt, welche Spiele erlaubt sind, wie Spieler geschützt werden und was Anbieter technisch leisten müssen.

Lizenzierung und erlaubte Spielarten

Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) mit Sitz in Halle an der Saale erteilt die Erlaubnisse und führt die Aufsicht, seit dem 1. Januar 2023 bundesweit. Wer eine Erlaubnis will, muss finanzielle Transparenz nachweisen, technische Sicherheitsstandards einhalten und Spielerschutzmaßnahmen umsetzen.Die GGL erteilt Erlaubnisse für:
  • virtuelle Automatenspiele, umgangssprachlich Online Slots
  • Online Poker
  • Sportwetten und Pferdewetten im Internet
  • bundesweite Soziallotterien und Klassenlotterien
  • gewerbliche Spielvermittlung über mehrere Länder hinweg
Bei Roulette, Baccarat und Blackjack ist die GGL außen vor. Diese Bankhalterspiele laufen rechtlich unter Online Casinospiele, und darüber entscheidet jedes Bundesland für sich.Auf den Begriff solltest du dabei genau achten: Wenn du „Online Casino" liest, sind rechtlich genau diese Bankhalterspiele gemeint. Ein Anbieter, der nur virtuelle Automatenspiele führt, darf sich nicht so nennen. Viele illegale Anbieter tun es trotzdem, weil du danach suchst. Der Name allein sagt dir also nichts über die Lizenz.
💡 Unterschiede zwischen den Bundesländern

Ob du Roulette oder Blackjack legal online spielen kannst, hängt vom Bundesland ab. Bisher haben nur Schleswig-Holstein und Bayern Konzessionen für Online Casinospiele vergeben, zusammen fünf. In den übrigen Ländern gibt es bislang kein erlaubtes Angebot.

Spielerschutz: Maßnahmen und Systeme

Der Spielerschutz ist das Kernanliegen des Vertrags. Laut dem Glücksspiel-Survey 2025 des ISD Hamburg und der Universität Bremen zeigen rund 3,1 Millionen Menschen in Deutschland ein riskantes Spielverhalten, bei rund 1,3 Millionen liegt eine glücksspielbezogene Störung vor. Der GlüStV schreibt deshalb mehrere Schutzmechanismen vor, die für jeden lizenzierten Anbieter gelten. Die GGL überwacht, dass sie eingehalten werden.
  • Einzahlungslimit: Pro Monat darfst du höchstens 1.000 Euro auf dein Spielerkonto einzahlen, und zwar anbieterübergreifend. Kontrolliert wird das über das zentrale System LUGAS. Auf Antrag ist ein höheres Limit möglich: bis 10.000 Euro, wenn du deine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit nachweist, in Ausnahmefällen bis 30.000 Euro für maximal ein Prozent der aktiven Spieler eines Anbieters. Eine Selbstauskunft reicht dafür nicht, es braucht Einkommensnachweise.
  • Einsatzlimit und Spielrhythmus: Bei virtuellen Automatenspielen lag der Höchsteinsatz lange bei 1 Euro pro Runde. Seit dem 1. Juli 2026 ist eine Staffelung möglich: bis 3 Euro ab 21 Jahren, bis 5 Euro zusätzlich nach 90 Tagen unauffälligem Spiel und laufender Überwachung durch den Anbieter. Die Regelung ist bis Ende 2027 befristet, Anbieter müssen sie nicht anwenden. Dazu kommt die 5 Sekunden Regel: Zwischen zwei Runden liegen mindestens fünf Sekunden. Parallel an mehreren Slots zu spielen, ist nicht möglich.
  • Selbstsperrsystem: OASIS: Wenn du merkst, dass dein Spiel aus dem Ruder läuft, kannst du dich sperren lassen. OASIS wird bundesweit vom Land Hessen geführt und ist für alle lizenzierten Anbieter verpflichtend, sie müssen vor jeder Spielteilnahme abfragen. Die Sperre gilt bei allen Anbietern gleichzeitig, auch in Spielhallen und Wettbüros, und dauert mindestens drei Monate. Aufgehoben wird sie nur auf deinen Antrag.
💡 Verantwortungsvoll spielen

Glücksspiel ist Unterhaltung, kein Weg, Geld zu verdienen. Setz dir vor dem Spielen ein festes Budget und eine Zeitgrenze, und spiele nie, um Verluste auszugleichen. Wenn du merkst, dass du öfter oder länger spielst als geplant, nimm das ernst. Lizenzierte Anbieter müssen dir Limits anbieten, und über OASIS kannst du dich bundesweit sperren lassen. Woran du ein Problem erkennst und wo du Hilfe findest, steht in unserem Ratgeber zu Glücksspielsucht.

Marktstruktur: Was erlaubt ist und was nicht

Mit einer deutschen Erlaubnis steht dir ein deutlich kleineres Angebot offen als in vielen anderen Märkten. Was genau erlaubt ist, hängt von der Art der Erlaubnis ab.

Lizenzierte Spielarten

Bundesweit erlaubt sind virtuelle Automatenspiele und Online Poker. Online Casinospiele wie Roulette und Blackjack brauchen eine Erlaubnis des jeweiligen Bundeslandes und gibt es bisher nur in Schleswig-Holstein und Bayern. Live Dealer Angebote sind für die meisten Spieler in Deutschland damit nicht legal verfügbar.

Nicht erlaubte Spielformen

Auch innerhalb der lizenzierten Spiele gelten Verbote:
  • Progressive Jackpots
  • Autoplay Funktionen
  • Online Casinospiele ohne Erlaubnis des Bundeslandes

Anbieter ohne deutsche Erlaubnis

Viele Anbieter richten sich mit Lizenzen aus Malta an deutsche Spieler und berufen sich dabei auf die EU Dienstleistungsfreiheit. Deutsche Gerichte folgen dieser Argumentation nicht: Wer keine deutsche Erlaubnis hat, ist hier illegal tätig. Lizenzen aus Curaçao liegen ohnehin außerhalb der EU, die Dienstleistungsfreiheit greift dort von vornherein nicht.Gegen solche Angebote geht die GGL vor allem mit Zahlungssperren vor. Netzsperren über Internetanbieter hat das Bundesverwaltungsgericht 2025 gestoppt, weil die Rechtsgrundlage dafür fehlt.

Werbung und Marketing

Auch die Werbung regelt der Vertrag, und zwar in § 5. Für dich heißt das vor allem: Du siehst weniger davon, und sie darf dir nichts versprechen.

Werbezeiten

Zwischen 6 und 21 Uhr darf im Rundfunk und im Internet nicht für virtuelle Automatenspiele, Online Poker und Online Casinospiele geworben werden. Erlaubt ist Werbung also nur nachts. Für Sportwetten gilt eine eigene Regel: Unmittelbar vor und während einer Liveübertragung ist sie unzulässig.

Technische Anforderungen

Damit ein Anbieter in Deutschland arbeiten darf, muss er sich an mehrere zentrale Systeme anschließen. Sie laufen im Hintergrund, greifen aber direkt in dein Spiel ein.

Identität und Standort

Bevor du spielen kannst, muss der Anbieter deine Identität und dein Alter zweifelsfrei prüfen. Welches Verfahren er dafür nutzt, schreibt der Vertrag nicht vor, üblich sind Videoident, der Personalausweis mit Onlinefunktion oder ein Identitätscheck über Auskunfteien. Außerdem muss er sicherstellen, dass du dich beim Spielen in Deutschland befindest.

Die Systeme der Aufsicht

Seit dem 1. Juli 2021 ist die Anbindung an diese Systeme Pflicht:
  • LUGAS Limitdatei: überwacht dein anbieterübergreifendes Einzahlungslimit
  • LUGAS Aktivitätsdatei: verhindert, dass du bei mehreren Anbietern gleichzeitig spielst
  • LUGAS Auswertesystem: auch Safe Server genannt, wertet die Daten der Anbieter aus, erkennt auffälliges Spielverhalten und liefert die Grundlage für die Evaluierung des Vertrags
  • OASIS: gleicht vor jeder Spielteilnahme ab, ob du gesperrt bist

Datenschutz

Damit wird jede Einzahlung und jede Spielrunde erfasst. Kritik kommt vor allem von Datenschützern, die den Umfang der Speicherung bemängeln. Die Verarbeitung unterliegt der DSGVO.

Auswirkungen auf den Markt

Die Regulierung hat den deutschen Markt spürbar verändert, und zwar in drei Richtungen.

  • Marktkonsolidierung: Die Auflagen sind aufwendig: Anbindung an LUGAS und OASIS, Limitkontrolle, Berichtspflichten. Für kleine Anbieter lohnt sich das oft nicht, viele haben den deutschen Markt verlassen. Übrig bleiben überwiegend große, international tätige Konzerne. Wer eine Erlaubnis besitzt, steht in der Whitelist der GGL.

  • Abwanderung in den Schwarzmarkt: Wie groß der unerlaubte Markt ist, darüber gibt es keine Einigkeit. Die GGL beziffert den Anteil unerlaubter Angebote in ihrem Tätigkeitsbericht 2025 auf 23 Prozent, das entspricht einer Kanalisierungsrate von 77 Prozent für das Jahr 2024. Eine Studie des Handelsblatt Research Institute im Auftrag der Sport1 Medien AG kommt dagegen auf über 50 Prozent Schwarzmarktanteil, bei virtuellen Automatenspielen sogar auf 70 bis 80 Prozent. Beide Seiten rechnen unterschiedlich und haben eigene Interessen. Als häufigster Grund für die Abwanderung wird das Einzahlungslimit genannt.

  • Steuer: Mit dem GlüStV wurde auch das Rennwett- und Lotteriegesetz geändert. Seit Juli 2021 fallen 5,3 Prozent Steuer auf jeden Einsatz bei virtuellen Automatenspielen und Online Poker an. Anders als eine Gewinnsteuer zahlst du sie indirekt mit, über niedrigere Auszahlungsquoten.

Durchsetzung und Kontrolle

Regeln aufzustellen ist das eine, sie gegenüber Anbietern im Ausland durchzusetzen das andere. Genau hier liegt die größte Schwäche des Vertrags.

  • Was die GGL tun kann

    Gegen Anbieter ohne deutsche Erlaubnis geht die GGL mit Untersagungsverfügungen vor und kann Bußgelder verhängen. Das schärfste Mittel sind Zahlungssperren: Banken und Zahlungsdienstleister dürfen Zahlungen an unerlaubte Anbieter nicht ausführen. Für dich heißt das, dass Ein und Auszahlungen bei solchen Seiten scheitern können.

  • Was die GGL nicht mehr kann

    Netzsperren über Internetanbieter sind dagegen praktisch vom Tisch. Das Bundesverwaltungsgericht entschied 2025, dass sich solche Sperranordnungen nicht auf § 9 des Vertrags stützen lassen. 2026 stoppte das Verwaltungsgericht Halle weitere Verfügungen der GGL.

  • Rechtliche Streitpunkte

    Angefochten werden die Maßnahmen von den Betroffenen selbst, also von Anbietern und Zugangsprovidern, nicht von staatlichen Stellen. Die Zahlungssperren haben vor Gericht bislang Bestand, das Oberverwaltungsgericht Sachsen-Anhalt bestätigte sie 2023 als rechtmäßig (Az. 3 M 72/23).

  • Was das für dich bedeutet:

    Für dich heißt das vor allem eins: Verlass dich nicht darauf, dass eine illegale Seite blockiert wird. Ob ein Anbieter eine deutsche Erlaubnis hat, prüfst du in der Whitelist der GGL.

Ausblick: Was sich ändern könnte

Evaluierungen und Reformen

Der GlüStV ist bis zum 31. Dezember 2028 befristet und wird derzeit evaluiert. Erste Ergebnisse gibt es schon: Zum 1. Juli 2026 wurden die Einsatzlimits für virtuelle Automatenspiele gelockert. Auf der Agenda stehen außerdem das Einzahlungslimit und die Frage, ob weitere Spielformen bundesweit erlaubt werden. Eine EU weite Regelung ist dagegen nicht zu erwarten, Glücksspiel liegt in der Zuständigkeit der Mitgliedstaaten.

Österreich und Schweiz im Vergleich

Bisher lag das Online Glücksspiel in Österreich bei einem einzigen Konzessionär. Die Reform von 2026 beendet dieses Monopol und lässt eine unbegrenzte Zahl von Konzessionen zu. Vergeben werden sie ab dem 1. Oktober 2027, verbunden mit Auflagen, die dem deutschen Modell ähneln: Sperrregister, Safe Server, Zahlungssperren und Einzahlungslimits.In der Schweiz dürfen nur einheimische Spielbanken mit erweiterter Konzession online anbieten. Ausländische Seiten werden konsequent gesperrt.

💡 Deutschland liegt zwischen beidem: Der Markt ist für lizenzierte Anbieter offen, das Angebot bleibt aber eng begrenzt. Mit der österreichischen Reform rücken die drei Märkte näher zusammen.

Fazit

Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 hat das Online Glücksspiel in Deutschland zum ersten Mal bundesweit einheitlich geregelt. Er erlaubt virtuelle Automatenspiele und Online Poker unter Auflagen, verpflichtet Anbieter auf Limits, Sperrsystem und Aufsicht und zieht damit eine klare Grenze zwischen legalen und illegalen Angeboten.Perfekt ist das Modell nicht. Der unerlaubte Markt bleibt erheblich, wie groß genau, ist umstritten. Die Durchsetzung stößt an Grenzen, seit Netzsperren gerichtlich gestoppt wurden. Und das Einzahlungslimit ist der am häufigsten genannte Grund, warum Spieler ausweichen.Bewegung gibt es trotzdem: Die Einsatzlimits wurden 2026 erstmals gelockert, die Evaluierung läuft, und bis Ende 2028 muss entschieden sein, wie es weitergeht.Für dich bleibt das Wichtigste unverändert: Prüfe vor dem Spielen, ob dein Anbieter eine deutsche Erlaubnis hat. Und wenn du merkst, dass dein Spiel dich belastet, findest du Hilfe bei check-dein-spiel.de oder kannst dich direkt über OASIS sperren lassen. Glücksspiel kann süchtig machen.

Als Autorin und langjährige Brancheninsiderin ist Lotti Holl bestrebt, dir auf dieser Seite verlässliche Empfehlungen und Einblicke in Casinos zu bieten. Freue dich auf eine informative Reise durch die Welt der Online Casinos!

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