Waffen statt Glücksspiel in Las Vegas

Veröffentlicht am: 24. März 2020, 04:57 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 24. März 2020, 04:57 Uhr.

In der Glücksspiel-Metropole Las Vegas sind nach Anordnung des Gouverneurs von Nevada, Steve Sisolak, vergangene Woche alle Casinos, Hotels und Gaststätten geschlossen worden. Die Coronakrise verwandelte die einst pulsierende Wüstenstadt zur Ghost Town.

Waffengeschäft, Mann
Erhöhte Nachfrage nach Waffen in Las Vegas. (Bild: flickr.com, ElCapitanBSC)

Tausende Casino-Mitarbeiter, die nur auf Stundenbasis in den Betrieben beschäftigt waren, wurden von einem Tag auf den anderen entlassen. Der wirtschaftliche Schaden betrifft die Belegschaft ebenso wie die Unternehmen.

Auf den Straßen der glitzernden Metropole ist die Armut der Stadt erkennbar. Angst vor Anarchie, Plünderungen, Überfällen und Einbrüchen treibt zahlreiche Geschäftsleute dazu aufzurüsten. Laut dem Nachrichtenmagazin Las Vegas Sun [Seite auf Englisch] seien die Waffenverkäufe in Las Vegas rapide angestiegen.

Einige Menschen befürchten, dass gefährliche Zeiten für Las Vegas bevorstehen könnten, und decken sich statt mit Toilettenpapier und Lebensmitteln mit Waffen und Munition ein.

Waffen- und Munitionsverkäufer dürfen geöffnet bleiben

In der Notfallrichtlinie, in denen die Arten von Unternehmen aufgeführt sind, die in der Abschaltanordnung von Gouverneur Steve Sisolak als „wesentlich“ oder „nicht wesentlich“ eingestuft wurden, wurde eine wichtige Branche nicht erwähnt – Unternehmen, die Schusswaffen und Munition verkaufen.

Laut einem 2007 verabschiedeten Landesgesetz ist es ausdrücklich untersagt, Schusswaffen zu beschlagnahmen oder Richtlinien zu erlassen, die „zusätzliche Beschränkungen für den rechtmäßigen Besitz, die Weitergabe, den Verkauf, das Tragen, die Lagerung, die Ausstellung oder den Gebrauch von Schusswaffen und Munition auferlegen. […]“

Steigende Anzahl der Waffen, aber mangelnde Ausbildung

Auch Menschen ohne Vorkenntnisse erwerben Waffen und Munition. Allerdings gibt es Bedenken, denn Menschen, die zum ersten Mal eine Waffe in der Hand halten, hätten nach Meinung von Experten nur geringe Kenntnisse über die richtige Verwendung und Aufbewahrung.

Dies sei auch angesichts der Tatsache, dass Trainingseinrichtungen und Schießstände geschlossen seien, sehr gefährlich, sagte Steve Carmichael, Senior Management Analyst im Clark County Shooting Complex. Er hoffe, dass niemand verletzt werde.

Christopher Kearney, Vorsitzender der Abteilung für Psychologie an der University of Nevada, Las Vegas, kommentierte:

„In Zeiten der Unsicherheit und Unruhe ist es üblich, dass der Verkauf von Waffen und Munition zunimmt. In diesem Fall besteht wahrscheinlich die Sorge, dass die Wirtschaft zusammenbricht oder die Polizei infiziert wird und es zu Plünderungen und Unruhen kommt. Die Menschen sind also bestrebt, sich gegen so etwas zu schützen.”

The Range 702 bietet Einzelunterricht an, damit neue Waffenbesitzer lernen können, verantwortungsbewusst mit ihren Waffen umzugehen. Machine Gun Vegas hofft, in Kürze ebenfalls Unterricht anbieten zu können, um die Risiken zu minimieren.