Unterstützt flüchtiger Glücksspiel-Boss Proteste in Bulgarien?

Veröffentlicht am: 15. Juli 2020, 02:02 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 16. Juli 2020, 10:36 Uhr.

Bulgariens Regierung wirft dem flüchtigen Glücksspiel-Boss Vasil Bozhkov vor, die aktuellen regierungskritischen Demonstrationen im Land zu unterstützen. Zum Beweis ihrer Anschuldigungen veröffentlichte die Staatsanwaltschaft eine Reihe von Telefonmitschnitten, auf denen der 63-Jährige darlege, wie er die Proteste weiter anfachen könne.

Sofia Parlament
Vor dem bulgarischen Parlament wird derzeit viel demonstriert (Bild: Pixabay/Wengen)

Nach Angaben der staatlichen Ermittler arbeite Bozhkov dabei mit Politikern der Opposition sowie Journalisten zusammen, um das Land und die Regierung unter Premierminister Boiko Borissow zu sabotieren.

Bulgariens Oberstaatsanwalt Rumen Geschew äußerte sich via Twitter zu dem Vorgang:

Dass Politiker und Oligarchen Provokateure bezahlen, um die bürgerliche Energie für sich zu nutzen, ist nicht neu (…) Wir arbeiten weiter im Namen der Zukunft des Landes!

Bozhkov habe auf den Audioaufnahmen behauptet, dass er 10.000 Menschen aufbieten könne, damit sie an den Demonstrationen vor dem Parlament teilnähmen. Da die Proteste nicht ausreichend organisiert seien, erkläre er sich außerdem bereit, der Opposition ein Hauptquartier einzurichten.

Zugleich wolle er sie finanziell unterstützen und könne sich vorstellen, mit Bulgariens Präsidenten Rumen Radew zusammenzukommen, um über die Bildung einer Übergangsregierung zu verhandeln.

Auf Nachfrage bulgarischer Medien bestritt der Beschuldigte die Echtheit der Mitschnitte nicht. Gleichzeitig erklärte er, dass er die regierungskritischen Proteste auch in Zukunft weiter wohlwollend verfolgen werde.

Politische Ambitionen?

Bereits vor einem Monat hatte Bozhkov angekündigt, sich künftig verstärkt politisch betätigen zu wollen. Mitte Juni hatte er in sozialen Netzwerken erklärt, unter dem Namen “Bulgarischer Sommer” eine entsprechende Bewegung gründen zu wollen.

Vasil Bozhkov war Anfang 2020 selbst wegen Korruptionsverdachts ins Visier der bulgarischen Justiz geraten. Die schwierige Situation spitze sich für ihn zu, als das Parlament seine privaten Lotterien verbot. Nachdem der Glücksspielbetreiber einer Steuerforderung in Höhe von umgerechnet 400 Mio. Euro nicht nachkam, verließ er im Februar fluchtartig das Land.

Die Idee zu dem politischen Engagement sei ihm gekommen, nachdem eine Onlineumfrage ergeben habe, dass 75 % der Befragten seinen regierungskritischen Kurs unterstütze. Der “Bulgarische Sommer” verstehe sich als Opposition zu der derzeitigen Regierung, der er Tatenlosigkeit und Korruption vorwerfe.

Via Facebook hatte Bozhkov die Bulgaren schon damals aufgerufen, sich gegen die Regierung aufzulehnen, da diese „unser Land zerstört.“ Die weitere Entwicklung wird zeigen, ob die derzeitigen Proteste zu einem Comeback des flüchtigen Unternehmers führen.