Statt Geld für den guten Zweck: UKGC zweigt Millionen­betrag von Lotterie-Einnahmen ab

Veröffentlicht am: 11. April 2022, 12:49 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 11. April 2022, 01:19 Uhr.

In Großbritannien sieht sich die Glücksspiel-Behörde UK Gambling Commission (UKGC) einem Bericht der Mail on Sunday [Seite auf Englisch] zufolge erheblicher Kritik ausgesetzt. So habe die UKGC von den für gute Zwecke bestimmten Lotterie-Einnahmen einen dreistelligen Millionenbetrag zur Finanzierung ihrer Verwaltungskosten für sich reklamiert.

Büro Innenansicht UKGC
Die UKGC finanziert ihre Arbeit mit Lotterie-Einnahmen (Bild: UK Gambling Commission)

Die Zeitung schreibt, dass die UKGC von den Einnahmen der National Lottery insgesamt 154,8 Mio. GBP (185 Mio. Euro) für sich beansprucht habe. Die Summe solle dazu dienen, die Arbeit der Behörde für die kommenden zehn Jahre zu finanzieren.

Bekanntgeworden sei der Vorgang durch eine Mitteilung des konservativen Politikers Ian Duncan Smith. Dieser habe am Wochenende in einem Schreiben an Meg Hillier vom für die Kontrolle der Staatsausgaben zuständigen Commons Public Accounts Committee auf die großzügige Selbstbedienung hingewiesen.

Die Kritik des Politikers entzündet sich nicht in erster Linie an der Art der Finanzierung der UKGC. Allerdings habe die Glücksspiel-Behörde in ihrem Budgetplan eine Summe von knapp 103 Mio. GBP für zehn Jahre veranschlagt. Diese sei durch die Entnahmen um über 50 % überschritten worden.

In einem Statement bestätigte UKGC-Direktor Andrew Rhodes die genannten Zahlen. Der Betrag liege jedoch bei nur etwa 0,7 % der Gelder, die die Lotterie in den vergangenen Jahren für gute Zwecke beigesteuert habe.

„Das Geld fehlt bedürftigen Gemeinden und Organisationen“

Im Gegenzug warf Smith der UKGC vor, dass die hohe, für die Behörde bestimmte Millionensumme nicht für karitative oder soziale Belange eingesetzt werden könne. Finanziell benachteiligten Gemeinden und Organisationen stünden deshalb über 50 Mio. GBP weniger zur Verfügung.

Er verband seine Aussage mit einer generellen Kritik an der Leistung des Lotterie-Veranstalters Camelot:

Dies ist ein weiteres Beispiel dafür, wie miserabel die Lotterie geführt wird. Der Anteil der Mittel, die für gute Zwecke verwendet werden, ist stark gesunken.

Diese Zahlen könnten bald jedoch wieder steigen. Die UKGC erhofft sich durch die Vergabe der bis 2034 geltenden neuen Lotto-Lizenz an den tschechischen Glücksspielkonzern Allwyn Zusatzeinnahmen in Milliardenhöhe.

Demnach prognostiziert die Behörde für die kommenden zehn Jahre Lotto-Umsätze von über 80 Mrd. GBP. Die Beiträge für gute Zwecke könnten somit erheblich steigen. Eine umfassende Erklärung zum um 50 % überzogenen Budget lieferte Rhodes am Wochenende allerdings nicht.