Ermittlungen gegen Betway wegen Verstoßes gegen Anti-Geldwäsche-Richtlinien

Veröffentlicht am: 25. November 2019, 01:46 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 25. November 2019, 01:46 Uhr.

Die britische Glücksspielaufsicht, UK Gambling Commission (UKGC), ermittelt wegen Verstoßes gegen die Richtlinien zu Spielerschutz und Anti-Geldwäsche gegen den britischen Buchmacher Betway und könnte eine Strafe von mehreren Millionen Pfund ausstellen.

Betway Banner im Fußballstadion
UKGC ermittelt gegen Buchmacher Betway (Bild: Flickr/hejritter)

So soll der britische Familienvater Ben Jones (30) über einen Zeitraum von dreieinhalb Jahren insgesamt 370.000 GBP gestohlen und bei Betway verspielt haben, ohne dass das Unternehmen die Herkunft der Gelder kontrolliert habe. Der Mann ist am Donnerstag zu drei Jahren Haft verurteilt worden.

Geldstafe und Klage gegen Betway

Um Spieler zu schützen und kriminellen Aktivitäten in Bezug auf Geldwäsche vorzubeugen, müssen Online Casinos und Buchmacher in Großbritannien das Spielverhalten aller Spieler regelmäßig analysieren.

Die Mitarbeiter der Glücksspielunternehmen haben dabei sicherzustellen, dass Kunden lediglich mit ihren eigenen Geldern spielen und sich die gewählten Einsätze tatsächlich erlauben können.

Da der zweifache Familienvater Ben Jones jedoch mit gestohlenen Geldern in Gesamthöhe von 370.000 GBP bei dem Buchmacher Betway Glücksspiele gespielt haben soll, ermittelt die UK Gambling Commission gegen das Unternehmen.

Gemäß der Regularien der UKGC hätte Betway das Spielverhalten des Mannes erkennen und überprüfen müssen.

Das Regelwerk der UKGC sieht vor, dass jedes lizenzierte Glückspielunternehmen eine Überprüfung der Identität des Spielers und der Herkunft der Gelder durchführen muss, sobald ein Spieler eine Summe von 2.000 GBP einzahlt, einsetzt oder gewinnt.

Gemäß der Regelungen zum Schutz vor Geldwäscheaktivitäten müssen die Glücksspielanbieter bei Spielern, die regelmäßig größere Summen einzahlen, ebenso regelmäßig überprüfen, woher das Geld stammt. Sollte sich dabei herausstellen, dass die Spieler mit Geldern spielen, deren Herkunft unklar ist, muss eine sofortige Meldung erfolgen.

Da Betway die unerklärlich hohen Einsätze von Jones hätte entdecken müssen, ermittelt die UKGC jetzt wegen grober Nachlässigkeit und Verstoßes gegen die Anti-Geldwäsche-Richtlinien sowie gegen die Richtlinien zum Spielerschutz.

Betway soll mittlerweile auf die Anschuldigungen reagiert haben. Laut der britischen Tageszeitung „Daily Mail“ habe ein Sprecher des Unternehmens erklärt, dass auch seitens des Buchmachers eine Ermittlung eingeleitet worden sei.

Britische Pfund Geldscheine
Buchmacher müssen Herkunft großer Geldsummen überprüfen (Bild: PxHere/CC0 Public Domain)

Dieser sei keineswegs gewillt, auf Basis gestohlener Gelder Profite zu machen. In Fällen, in denen Spieler mit illegalen Einsätzen spielten, zahle das Unternehmen den Opfern des Verbrechens stets die Gelder zurück.

Wie hoch die Geldstrafe für Betway letztendlich ausfallen wird, ist noch nicht bekannt. Angesichts des letzten Jahresumsatzes von 283 Mio. GBP im Jahr 2018 sollte eine Strafe im zweistelligen Millionenbereich jedoch nicht allzu schwer wiegen.

Ähnliche Fälle der jüngsten Vergangenheit zeigen aber, dass auf den Buchmacher eine Strafe im zweistelligen Millionenbereich zukommen könnte. So hatte die UKGC erst im Juli dem britischen Buchmacher Ladbrokes Coral eine Strafe von 5,9 Mio. GBP auferlegt, da das Unternehmen Spieler mit gestohlenen Geldern spielen ließ.

Die Firma fast zur Pleite gebracht

Während in Fällen wie diesen die Betroffenen oft sich selbst und ihre Familien in den finanziellen Ruin bringen, zogen die Konsequenzen Jones’ unentdeckter Spielsucht noch weitere Kreise.

Wie die britischen Medien [Seite auf Englisch] am Wochenende berichteten, soll der Mann durch seinen Gelddiebstahl beinahe das Unternehmen, in welchem er über Jahre als Großhandelsmanager tätig gewesen sei, in den Bankrott getrieben haben.

Jeden Monat soll er 30.000 GBP von den Firmenkonten der „The Cake Decorating Co“, des landesweit größten Dienstleisters für Tortendekorationen, auf sein eigenes Privatkonto umgeleitet haben.

Das Unternehmen habe den systematischen Diebstahl erst im November 2018 entdeckt, als Jones einen Fehler bei der Verschleierung seines Diebstahls begangen habe.

Jones habe bis dahin bereits 370.000 GBP entwendet und tatenlos zugesehen, wie sein Unternehmen Kredite aufnehmen musste, um nicht schließen zu müssen.

„The Cake Decorating Co” habe Berichten zufolge daher vor, ebenfalls eine Klage gegen Betway einzureichen. Die Staatsanwältin Katrina Wilson erklärte während der Gerichtsverhandlung am Donnerstag dazu:

Weil Betway nicht die Rechtmäßigkeit der gespielten Gelder des Angeklagten überprüft hat, sucht das Unternehmen Rat, ob es eine Rückerstattung erhalten kann. Der Angeklagte unterstützt dies. Er hat zugegeben, dass es mit seiner Spielsucht zu tun hatte, welche außer Kontrolle geraten sei. Er wurde von niemandem überwacht, weil er der Manager war und niemand seine Aktivitäten überprüfte.

Ob und wann das Unternehmen eine Erstattungszahlung von Betway erhalten wird, ist ungewiss. Jones hingegen wird die nächsten drei Jahre in einem Gefängnis verbringen werden.