Der Oberste Gerichtshof der USA hat am Montag, den 15. Mai 2018, das bundesweite Verbot für Sportwetten für verfassungswidrig erklärt. Mit diesem Urteil ist der Weg für regulierte US-amerikanische Sportwetten geebnet.

Supreme Court erlaubt Sportwetten

Der Oberste Gerichtshof in den USA hat entschieden, dass Sportwetten legalisiert werden. (Bildquelle: voanews.com)

Die lang erwartete Gerichtsentscheidung im Fall New Jersey gegen die vier großen Profi Sportligen, die NCAA (National Collegiate Athletic Association) und das US Justizministerium wurde veröffentlicht.

New Jersey wollte eine Legalisierung der Sportwetten erreichen, aber die NCAA, die Profi Ligen sowie das Justizministerium sprachen sich dagegen aus.

Vor allem die großen Sportverbände hatten sich gegen eine Legalisierung ausgesprochen, denn sie befürchten, dass der Sport und dessen Integrität unter Manipulationen, beispielsweise durch gekaufte Schiedsrichterentscheidungen, leiden könne.

Der Oberste Gerichtshof veröffentlicht seine Entscheidung

Mit einer Stimmenmehrheit von 7-2 hob der Oberste Gerichtshof das Urteil des Berufungsgerichts auf, das das Vorhaben von New Jersey ablehnte, regulierte Sportwetten in Casinos in Atlantic City und auf staatlichen Rennstrecken zuzulassen.

US Supreme Court Logo

(Bildquelle: wikipedia.org)

Auf 49 Seiten erklärt der Gerichtshof, dass das Gesetz zum Schutz des Profi- und Amateur Sports (PASPA) aus dem Jahre 1992 gegen den zehnten Zusatzartikel der US Verfassung verstoße.

In dieser Änderung wird es der Bundesregierung untersagt, Entscheidungen der Autoritäten der Landesregierungen aufzuheben. Der Gerichtshof sagt, dass PASPA eindeutig vorgebe, was ein gesetzgebender Staat tun dürfe und was nicht.

Der Oberste Gerichtshof erklärt weiterhin:

„Die Legalisierung der Sportwetten erfordert eine wichtige strategische Entscheidung, aber wir sind nicht diejenigen, die diese Entscheidung treffen. Der Kongress kann Sportwetten direkt regulieren, aber wenn er es nicht tut, kann jeder Staat selbst entscheiden.“

Reaktionen in New Jersey

Phil Murphy, der Gouverneur von New Jersey, der die Bemühungen seines Vorgängers Chris Christie, eine Legalisierung von Sportwetten zu erreichen, weitergeführt hat, gab eine Erklärung ab, in der er sich positiv zur Entscheidung des Gerichts äußerte.

Murphy wies darauf hin, dass sein Staat schon seit längerer Zeit Fürsprecher der Bekämpfung dieses inhärent ungleichen Gesetzes gewesen sei. Außerdem gebühre Christie und dem ehemaligen Senator Ray Lesniak Dank für die parteiübergreifenden Bemühungen beim Kampf gegen PASPA.

Murphy sagt weiterhin:

„Ich freue mich darauf, mit der Legislative zusammenzuarbeiten, um ein Gesetz zu erlassen, das Sportwetten in naher Zukunft autorisieren und regulieren wird.“

In New Jersey wurde bereits mit der Lizenzierung der Sportwetten Anbieter begonnen. Zahlreiche Betreiber von Casinos und Rennbahnen richten Sportwetten Büros ein.

Sportwetten auf der Monmouth Park Pferderennbahn

Im Monmouth Park sind Sportwetten Büros geplant. (Bildquelle: http://monmouthpark.com)

William Hill hat sich mit einem Sportwetten Anbieter vor Ort zusammengetan und ließ durch Joe Asher, CEO von William Hill, verkünden, dass man sehr zufrieden mit der Entscheidung des Gerichtshofes sei und dass man bereit dazu sei, in Monmouth Park bald ein Geschäft zu eröffnen.

Monmouth Park Racetrack ist eine amerikanische Rennstrecke für Pferderennen in Oceanport, New Jersey, USA.

Dennis Drazin, CEO des Unternehmens, das Monmouth Park verwaltet, hielt am Montag eine Pressekonferenz ab. Er sagt, er hoffe, bereits vor Ende des Monats Sportwetten anbieten zu können, vorausgesetzt, Gouverneur Murphy habe keine Einwände.

Online Sportwetten in New Jersey

Die Glücksspielbehörde in New Jersey muss sich nun noch dazu äußern, ob Sportwetten nicht nur in Casinos und auf Rennstrecken erlaubt sind, sondern auch online angeboten werden können. Aktuell sind Online Casinospiele und Poker zugelassen.

Gleich nach der Bekanntgabe des Urteils am Montag versammelte sich der Senat von New Jersey und gab die neue Gesetzgebung für Sportwetten bekannt. Darin sind Online Wetten ausdrücklich erlaubt und werden mit 12,5 % besteuert. Landbasierte Wetten werden mit 8 % besteuert.

Was geschieht als nächstes?

Mit der Entscheidung des Gerichtshofes wird nun auch der Druck auf die föderalen Gesetzgeber zunehmen, damit neue Gesetze erlassen werden, die die Einführung eines einheitlichen und regulierten Sportwettenumfeldes im ganzen Land ermöglichen.

Die republikanische Senatorin Orrin Hatch plant, in den kommenden Wochen einen Gesetzentwurf einzuführen, um die Prinzipien im Sport zu schützen. Es sollen grundlegende Standards für Wetten festgelegt werden, einschließlich des Verbraucherschutzes und Erhaltung der Integrität des Spiels.

Die Aktienkurse der im Vereinigten Königreich gelisteten Sportwettenanbieter erlebten nach der Entscheidung einen dramatischen Anstieg:

William Hill schloss mit einem Plus von 10,7 %, Paddy Power Betfair mit 12,4 %, GVC Holdings mit 7,4 % und 888 Holdings mit 15,4 %. Auch US-Casinobetreiber wie MGM Resorts und Caesars Entertainment konnten Gewinne verbuchen.

Reaktionen des Sportverbandes

Die Sportligen werden ihre Bemühungen verstärken, die Regierungen der Bundesstaaten hinsichtlich der Abgabe einer “Integritätsgebühr” an die Ligen anzusprechen. Diese Gebühren sollen dazu beitragen, die Überwachung gegen Manipulation der Sportergebnisse zu gewährleisten.

Die Gesetzgeber in West Virginia haben diese Gebühr in ihren Vorschriften nicht berücksichtigt, es finden aber bereits Gespräche über ein Szenario statt, in dem die Ligen direkt mit Glücksspielbetreibern verhandeln, um eine Gebühr für Sportdatenrechte für Wettzwecke zu erheben.

Der Major League Baseball gab eine Erklärung ab, die besagt, dass das Urteil vom Montag “tiefgreifende Auswirkungen” auf seine Spiele haben werde. MLB fügte hinzu, dass der Schutz der Spielintegrität weiterhin die “wichtigste Priorität” sei.

Die NCAA drohte, Meisterschaftsspiele in Staaten, die Wetten legalisieren, abzusagen. Interessanterweise wurde das Gerichtsurteil wenige Stunden nach der Bekanntgabe eines Zehnjahresvertrags zwischen der NCAA und Genius Sports erlassen.

In diesem Vertrag ist die Verwaltung von Hochschulsportdaten für Lizenzzwecke festgelegt. Somit besitzt die NCAA exklusive Datenrechte, die zusätzliches Geld in die Vereinskasse spülen dürften.