Schäfchen um Millionen betrogen: Spielsüchtiger Schweizer Pfarrer angeklagt

Veröffentlicht am: 18. May 2022, 01:24 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 18. May 2022, 01:24 Uhr.

Ein früherer Schweizer Pfarrer soll sich Millionen von Gemeindemitgliedern geliehen und dann im Casino verspielt haben. 2018 war der römisch-katholische Geistliche aus Küssnacht am Rigi im Kanton Schwyz aufgeflogen und hatte sich Medienberichten zufolge in Therapie begeben. Nun soll eine Verurteilung wegen gewerbsmäßigen Betruges kurz bevorstehen.

Bänke in Kirche
Ein spielsüchtiger Pfarrer hat seinen Schäfchen in der Schweiz übel mitgespielt (Quelle: unsplash.com/Channel 82)

Laut Kirchenportal kath.ch müsse sich Werner F. Ende Juni in einem verkürzten Verfahren vor dem Kriminalgericht Luzern verantworten.

Millionen ins Casino getragen

Auf über 3 Mio. CHF soll sich der Schaden belaufen, den der frühere Pfarrer Werner F. im Rahmen seiner Spielsucht angerichtet hat. Dem Priester wird vorgeworfen, zwischen 2009 und 2018 diverse Privatpersonen vorsätzlich um ihm gewährte Darlehenssummen gebracht haben. Zusätzlich habe er sich an Konten der Pfarrei bedient, um im Casino spielen zu können.

Das Glücksspiel ist im Katholizismus nicht grundsätzlich verboten. Vielmehr heißt es im Katechismus, dass „Glücksspiele, wie Kartenspiele oder Wetten, [nicht] an und für sich […] gegen die Gerechtigkeit“ verstießen. Auf das richtige Maß komme es an. Geldmacherei durch das Glücksspiel verurteilt Kirchenoberhaupt Papst Franziskus hingegen scharf. So forderte er beispielsweise 2018 „bessere Gesetze sowie eine gerechtere und menschlichere Wirtschaft, um Wucherei, Korruption und Glücksspiel zu bekämpfen“.

Der Fall hatte bereits 2018 für Schlagzeilen gesorgt. Auch, weil sich seine Gemeinde trotz der Verfehlungen öffentlich hinter ihren Gottesmann gestellt hatte.

Spendensammlung für spielsüchtigen Pfarrer

Laut NZZ soll Werner F. allein im wenige Tausend Einwohner zählenden Dorf Küssnacht 58 Personen unter Vorspiegelung falscher Tatsachen um insgesamt 2,1 Mio. CHF gebracht haben. Dennoch hatten sich viele Gemeindemitglieder vergebungswillig gezeigt.

Küssnacht Schweiz
Küssnacht liegt idyllisch am Vierwaldstättersee (Quelle: pixabay.com/algorino)

So erhielt eine Petition zur Rückkehr des schwer spielsüchtigen Mannes an die Gemeindespitze über 1.400 Unterschriften. Zur finanziellen Unterstützung des Pfarrers kamen 16.000 CHF an Spenden zusammen.

Gegenüber Medienvertretern zeichneten Dorfbewohner das Bild eines in der Gemeinde beliebten Pfarrers. Nicht so steif wie sein Vorgänger sei „der Werni“ gewesen, vielmehr ein Kumpeltyp. Einige seien von den Spielsucht-Enthüllungen überrascht gewesen, andere habe der Katholik bereits zuvor ins Vertrauen gezogen.

So zitierte die NZZ damals einen Musiker, der Werner F. finanziell ausgeholfen hatte:

In der Mail sagte er mir, er habe Spielschulden. Er sei vor ein paar Jahren einmal nach Luzern ins Casino gegangen und habe da 200 Franken gewonnen. Aber seither nur noch verloren. Er brauche Geld, um die Schulden zurückzubezahlen. 30 000 Franken. Ich habe genug Geld, helfe auch anderen Leuten. (…)  Also gab ich ihm die 30 000 Franken. Er sagte, er würde mir monatlich 800 Franken zurückzahlen. Das hat er auch getan. Vier Mal.

Ich habe ihm das verziehen. Ich liebe ihn einfach. Er ist ein Guter. Die Sucht ist schrecklich. (…) Natürlich, er hat mich angelogen. (…)  Aber ich glaube an das Gute im Menschen. Und in der Kirche ging es schließlich immer schon um Macht und Geld.

Verkürztes Verfahren in Luzern

Laut kath.ch wird Werner F. am 27. Juni in Luzern vor Gericht stehen. Das katholische Medium berichtet, dass ein abgekürztes Verfahren angesetzt sei. Dies bedeute, dass sich die Verfahrensbeteiligten auf ein Urteil einigten. Dieses müsse vom Gericht nur noch überprüft werden.

In der Regel komme es in diesem Rahmen zu einer kurzen Befragung des Angeklagten. Auf weitere Verfahrensschritte wie Zeugenaussagen und Plädoyers werde aller Voraussicht nach jedoch verzichtet.

Laut kath.ch habe sich Werner F. nach dem Rücktritt von seinem Ämtern 2018 therapeutisch behandeln lassen. Im Jahr 2019 sei er in die Privatinsolvenz gegangen. Heute lebe der ehemalige Pfarrer in einem Kloster im Kanton Solothurn, so die Plattform unter Berufung auf eine eigene „sichere Quelle“.