Einstufung als Glücksspiel? Influencer werben für hochriskantes Online-Trading

Veröffentlicht am: 19. Juli 2020, 05:30 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 17. Juli 2020, 03:28 Uhr.

Vermeintliche Online-Trader stellen via Social-Media den angeblichen Reichtum dar, den ihnen hochriskante Devisengeschäfte vom heimischen Computer aus eingebracht haben sollen. Britische Experten warnen Privatanleger jedoch vor dem Forex-Handel. Das Geschäft, das während des Lockdowns enormen Zulauf verzeichnet hat, sei bereits vor Corona so riskant gewesen, dass es eigentlich als Glücksspiel klassifiziert werden müsse.

Instagram Influencer mit Auto vor Sonnenuntergang
Die vermeintlichen Online-Trader setzen zumeist auf teure Autos und Instagram-Ästhetik. (Symbolbild, Quelle: pexels.com/Giorgio Paradisi)

Luxus-Lifestyle dank Devisenhandel?

Auf Instagram markieren immer mehr User ihre Einträge mit klangvollen Hashtags wie #tradelife, #makeyourmoneyworkforyou oder #wealthcreation. Die zugehörigen Bilder zeigen die Protagonisten mit hochpreisigen Sportwagen, auf Yachten in der Bucht von Dubai oder vor Bildschirmen, auf denen Börsenkurse dargestellt zu werden scheinen.

Die Message der Ersteller: Devisenhandel sei ein Kinderspiel. Wer nur ausreichend Mut beweise, könne binnen kürzester Zeit selbst Teil der Luxuswelt der Schönen und Reichen werden.

Privatanleger haben aufgrund der hohen Handelsvolumina keinen direkten Zugang zu Währungstermingeschäften, weswegen sie auf Forex-Broker als Mittelsleute angewiesen sind. Das Geschäft gilt als hochriskant.

Das Finanzressort der britischen Daily Mail [Seite auf Englisch] hat die Welt der vermeintlichen Online-Trader nun genauer unter die Lupe genommen. Dabei stießen die Journalisten auf diverse Influencer, die behaupteten, durch Devisenhandel reich geworden zu sein.

Bei näherer Recherche habe sich jedoch herausgestellt, dass die zumeist jungen Männer lediglich die Vermittlung ihres Publikums an sogenannte Trading-Plattformen zum Geschäftsmodell gemacht hatten. Meist verfügten weder die Influencer noch die Betreiber der Seiten über die notwendigen FCA-Lizenzen, um Börsenhandel zu bewerben oder anzubieten.

Provision von 30 %

Insidern zufolge erhielten die angeblichen Trader bis zu 80 GBP (ca. 88 Euro), wann immer sie jemanden dazu brächten, auf der Seite eines Drittanbieters 250 GBP einzuzahlen. Der in den Postings dargestellte Lifestyle entspreche oft mitnichten den wahren Lebensverhältnissen der Influencer.

Matt Zarb-Cousin, der sich im Rahmen der Campaign for Fairer Betting für eine strengere Glücksspielregulierung einsetzt, sieht die Behörden im Umgang mit den Forex-Influencern in der Pflicht.

Seines Erachtens müsse das private Wetten auf Währungskurse von der Glücksspielaufsicht UKGC und der Finanzaufsicht FCA als Glücksspiel klassifiziert werden. Nur so könne den Influencern die Möglichkeit entzogen werden, für die hochriskanten und oft betrügerischen Angebote zu werben:

Sie wissen, dass sie Kunden unter dem Vorwand einer Investition in ein süchtig machendes Glücksspielprodukt hineinziehen. Dieses ist durch die zwischen der FCA und der Glücksspielkommission klaffende Zuständigkeitslücke gefallen.

Die FCA lehnt eine solche Kategorisierung bislang ab, warnt aber ihrerseits vor den Social-Media-Tradern und ihren Geschäftspartnern: Allein im vergangenen Jahr seien rund 1.800 Beschwerden über betrügerische Trading-Plattformen registriert worden. Der durchschnittliche Verlust des Einzelnen habe sich auf 14.600 GBP belaufen.