Sin­gapur führt Prü­gel­strafe für On­line-Be­trug und -Glücks­spiel ein

Posted on: 07/11/2025, 03:05h. 

Last updated on: 07/11/2025, 08:15h.

  • In Singapur gilt bei Online-Betrug oder -Glücksspiel künftig die Prügelstrafe.
  • Mindeststrafe wurde auf sechs Schläge mit dem Rohrstock festgelegt.
  • Jedes Jahr verlieren Bewohner des Stadtstaats Milliarden durch Online-Scams.

Die Bewohner der asiatischen Boomtown sind der virtuellen Kriminalität in wachsendem Maße ausgesetzt. Auf diese Weise verlieren die Opfer alljährlich eine Milliardensumme an organisierte Banden. Um dem Online-Betrug und auch illegalem Glücksspiel Einhalt zu gebieten, droht Singapur Delinquenten nun die Prügelstrafe an.

Parlament von Singapur
Das Parlament billigte die Strafe (Bild: Flickr/Jorge Cancela,CC BY 2.0)

Die abschreckende Strafe wurde in dieser Woche vom Parlament abgesegnet. Künftig soll die Züchtigung mit dem Rohrstock bei einer Vielzahl von Delikten im Zusammenhang mit den Betrügereien Anwendung finden.

Dazu zählt auch der Betrieb von illegalem Online-Glücksspiel. Das Mindeststrafmaß liegt laut Justizbehörde bei sechs Schlägen. Dieses soll für leichtere Vergehen angewandt werden.

In Singapur wird die Prügelstrafe seit Jahrzehnten für eine Reihe von Vergehen eingesetzt. So gilt sie seit 1973 unter anderem für Import oder Handel kleiner Mengen Drogen oder Piraterie. Raub wird sogar seit 1871 mit dem Rohrstock geahndet. Die Maximalstrafe liegt bei zwei Dutzende Schlägen.

Je nach Straftatbestand kann die Strafe von sechs auf bis zu 24 Schläge ausgeweitet werden. So erhalten Täter, die zum Betrug beitragen, bis zu zwölf Hiebe mit dem Stock. Das gilt unter anderem für die Bereitstellung falscher SIM-Karten oder die Kontaktanbahnung mit den Opfern.

Vielerlei Betrugsdelikte im Stadtstaat

Singapur wird seit mehreren Jahren von einer wahren Welle des Online-Betrugs heimgesucht. Besonders verbreitet sind Betrügereien mit Zahlungsdaten, Fishing oder Love-Scams.

Auch Betrug aus den Bereichen Krypto oder Online-Glücksspiel kosten die Bevölkerung hohe Summen. Die Täter operieren dabei oft aus sogenannten Scam-Factories, die sich in Myanmar oder Kambodscha befinden.

Sim Ann, Staatsministerin für Inneres, erklärte vor dem Parlament, dass

Betrugsfälle die mit Abstand häufigste Art von Straftaten in Singapur sind.

Diese machten rund 60 % aller gemeldeten Straftaten aus. Demnach wurden zwischen 2020 und Juli 2025 etwa 190.000 Betrugsfälle gemeldet.

Die Verluste belaufen sich auf etwa 3,7 Mrd. SGD (2,5 Mrd. Euro), was Ann als „erschütternd“ bezeichnet. Ob dies Ausweitung der Prügelstrafe auf Online-Betrug und Glücksspiel dazu führt, die Zahl der Fälle in Singapur signifikant zu senken, werden die kommenden Kriminalitätsstatistiken zeigen müssen.