In Halle an der Saale soll eine neue Merkur Spielbank entstehen. Das Haus soll bereits diesen August eröffnen und ein reines Automatencasino werden. Die Hallenser „Selbsthilfegruppe Glücksspielsucht“ kritisiert nun die Pläne der Gauselmann-Gruppe und wirft dem Unternehmen vor, mit Tricks zu arbeiten, um Spieler zum Weiterspielen zu animieren. Über einen Sprecher weist Merkur diese Vorwürfe vehement von sich und stellt klar, dass das Thema Spielsucht Prävention oberste Priorität habe.

Spielautomat in einer Spielbank

In Halle entsteht eine neue Merkur Spielbank mit zahlreichen Automaten. (Bild: bz-berlin.de)

Merkur massiv unter Beschuss

Vor allem die Tatsache, dass es in der neuen Merkur Spielbank nur Automatenspiele geben soll, ist der Selbsthilfegruppe Glücksspielsucht ein Dorn im Auge. Die Mitglieder zeigen sich besonders besorgt angesichts des Umstands, dass elektronische Geräte viele Spielrunden in kurzer Zeit erlauben. Auch die geplanten hohen Einsatzmöglichkeiten seien eine Gefahr für Problemspieler.

Stefan Börner, Vorsitzender der Gruppe, greift die Gauselmann-Gruppe für ihre Pläne heftig an und wirft dem Konzern unter anderem vor, Spieler mit unlauteren Methoden zum Verbleib in der Spielbank zu animieren und mehr Geld in die Automaten zu stecken. Als ehemaliger Spielsüchtiger, der selbst viel Geld an den Geräten verloren hat, kritisiert Stefan Börner das Vorhaben, mit einer Automaten-Spielbank die strengeren Vorgaben für Spielhallen zu umgehen, in denen beispielsweise niedrigere Maximaleinsätze gelten.

Außerdem habe Halle bereits genügend Spielstätten. Eine weitere könne zur Entwicklung eines „problematischen Ortes“ innerhalb der Stadt führen.

Kritik an Freigetränken und Raucherbereich

Neben Einsatzmöglichkeiten und Geräteauswahl, seien laut Stefan Börner auch die Ausstattung und das Bezahlsystem der geplanten neuen Merkur Spielbank ein Problem. Nach Ansicht der Selbsthilfegruppe seien Glücksspielunternehmer bemüht, Kunden so lange wie möglich an den Automaten zu halten. Dazu lockten Casino beispielsweise mit Freigetränken oder einem eigenen Raucherbereich. Dieser ermögliche es den Spielern, zum Rauchen nicht mehr das Gebäude verlassen zu müssen. Die Selbsthilfegruppe sieht hier allerdings die Gefahr, dass der Spielbereich zum Rundumangebot werde, sodass ein Verlassen noch schwieriger werde.

Auch die neue Merkur Spielbank soll einen Raucherbereich haben. Eine Bar ist ebenfalls Teil des Konzepts, wobei von Freigetränken bisher nicht die Rede war.

Ticketsystem angeblich eine Gefahr für Spielsüchtige

Ein weiterer Kritikpunkt der Selbsthilfegruppe Glücksspielsucht ist das geplante Ticketsystem der Spielbank. So bekommen Spieler bei einem Gewinn diesen nicht direkt ausgezahlt, sondern erhalten von dem Automaten ein Ticket. Dieses Ticket kann anschließend als neues Guthaben für ein weiteres Spiel genutzt werden. Alternativ können sich Spieler den Wert ihres Tickets auch an der Zentralkasse auszahlen lassen. Stefan Börner sagt dazu:

„Auch das ist ein Trick. Man hat kein echtes Geld in der Hand, nur das Ticket. Da ist kein Bezug zum Geld da und man geht fahrlässig damit um.“

Diesen Vorwurf lässt Merkur nicht auf sich sitzen und lässt über seinen Unternehmenssprecher Mario Hoffmeister verlauten, dass das Ticketsystem einzig für schnelle Abläufe und einen besseren Kundenservice eingesetzt werden solle. Die Aussage Stefan Börners sei zudem wenig schmeichelhaft den Spielgästen gegenüber:

„Die Spielgäste als willenlos oder schwach zu bezeichnen, grenzt schon an eine Ehrverletzung der vielen tausend Besucher.“

Neue Merkur Spielbank wird keine Dealer einstellen

Neben den Automatenspielen sollen in der neuen Spielbank von Halle auch elektronische Terminals für beliebte Tischspiele wie Blackjack oder Roulette aufgestellt werden. Diese funktionieren ohne echten Dealer und stattdessen mit reinen Softwareprogrammen. Auch hier sieht Stefan Börner ein großes Gefahrenpotenzial, das von den Maschinen ausgeht:

„Bei Croupiers ist das Manipulations-Risiko geringer als bei Automaten. Und beim Automaten läuft das Geld wegen schnellerer Spielrunden viel schneller durch.“

Die Spielbank schafft insgesamt 20 neue Arbeitsplätze in der Stadt. Dabei lege man bei Merkur großen Wert darauf, dass alle Mitarbeiter speziell im Bereich Hilfe und Früherkennung bei Spielsucht ausgebildet und geschult werden, so das Unternehmen. Auf diese Weise sei auch ohne echte Dealer für eine Kontrolle gesorgt.

Merkur weist Vorwürfe von sich

Über seinen Unternehmenssprecher Mario Hoffmeister verweist Merkur neben den bereits genannten Punkten auch auf das bewusst gewählte Unterhaltungskonzept der Häuser, das auch Gäste bedienen soll, die nicht zum Spielen kommen. Dazu sagt er:

„Die Spielgäste, die zu uns kommen, werden nicht mit fadenscheinigen Tricks angelockt und in der Spielbank gehalten. Die Spielbanken bieten neben den Spielangeboten ganz bewusst ein vielfältiges Unterhaltungs- sowie gastronomische Angebote, die die Gäste auch ohne Spielteilnahme nutzen können.“

Das Thema Spielerschutz und Spielsucht Bekämpfung werde außerdem sehr ernst genommen und man sei sehr um Spielsuchtprävention bemüht. So soll das neue Haus etwa die G4-Zertifizierung für Spielerschutz erhalten. Das gesamte Projekt mit seinen 85 Spielgeräten und neuartigen 3D Technologien wird Gauselmann voraussichtlich rund 4,5 Millionen Euro kosten.