Beim Pokern er­wischt: Russi­scher Geist­licher des Amtes enthoben

Posted on: 14/11/2025, 04:25h. 

Last updated on: 14/11/2025, 08:07h.

  • Russischer Geistlicher soll jahrelang an Poker-Turnieren teilgenommen haben.
  • Bischof wurde vom Kirchenoberhaupt des Amtes enthoben.
  • Poker ist für Geistliche in Russland illegal.

Glücksspiel ist in Russland bis auf wenige Ausnahmen verboten. Seine Spielleidenschaft wurde nun einem russisch-orthodoxen Geistlichen zum Verhängnis, denn er wurde bei der Teilnahme an illegalen Poker-Turnieren erwischt.

russische Kirche
Russische Geistliche dürfen nicht Poker spielen (Bild: Pixabay/Deza LB)

Der für Westeuropa zuständige Metropolit Nestor wurde vor wenigen Tagen von der Leitung der Kirche des Amtes enthoben. Gründe für die Absetzung nannte die Spitze unter Patriarch Kyrill nicht.

Allerdings wurden in Medien schon kurz nach der Entlassung die tatsächlichen Gründe kolportiert. Demnach soll der Kirchenmann über Jahre unter seinem bürgerlichen Namen Jewgeni Sirotenko an Turnieren teilgenommen haben. In Pokerkreisen war er somit durchaus bekannt.

Laut Datenbanken hatte Sirotenko beim Poker einigen Erfolg. Demnach gewann er über die Jahre insgesamt gut 47.000 USD bei dem weltweit populären Kartenspiel. So kam er bei diversen Turnieren in den letzten Monaten mehrmals in die Geldränge und gewann vierstellige Summen. Zu den größten Siegen des Geistlichen gehört der Gewinn des No Limit Hold’em im Jahr 2023. Neben dem Titel strich er dort eine Prämie von gut 8.000 USD ein.

Dem Vernehmen nach ist das gegen den Geistlichen eingeleitete Kirchenverfahren noch nicht abgeschlossen. Somit ist dessen Absetzung derzeit vorläufig.

Vorwand für die Absetzung?

Für die Führung der Kirche geht es nun um die Aufarbeitung des Falles. So ist zu klären, ob Nestor Kirchengelder unrechtmäßig für die Poker-Turnier verwendete. Allerdings dürfte ein Urteil bereits gefällt sein, auch wenn es nicht zur Unterschlagung von Finanzmitteln kam.

Laut Gesetz der orthodoxen Kirche ist das Glücksspiel für Geistliche streng verboten. Neben der aktiven Teilnahme ist es den Kirchenführern sogar untersagt, sich an Orten aufzuhalten, wo Glücksspiel praktiziert wird. Da Nestor öffentlich und sogar auf Fotos beim Poker zu sehen ist, ist dieser Verstoß quasi belegt.

Den Kirchenoberen könnte der Poker-Fauxpas ganz gelegen kommen. Grund dafür ist die ablehnende Haltung Nestors gegenüber dem von Russland angezettelten Krieg in der Ukraine.

Mit dieser widerspenstigen Haltung wich der Bischof offensiv von der Linie der Kirche ab, die Putins Krieg bisher vehement unterstützt. Die Absetzung aus moralischen Gründen könnte deshalb lediglich ein Vorwand für die tatsächlichen Hintergründe sein.