Großbritannien: Postbote stiehlt Pakete, um Spielsucht zu finanzieren

Veröffentlicht am: 14. März 2020, 05:30 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 13. März 2020, 03:06 Uhr.

Ein ehemaliger Postbote der britischen Royal Mail ist in dieser Woche knapp um eine Gefängnisstrafe herumgekommen. Der 39-Jährige hatte vor dem Crown Court in Liverpool gestanden, auszuliefernde Päckchen unterschlagen und ihren Inhalt online verkauft zu haben, um seine Spielsucht zu finanzieren.

Royal Mail Briefkasten
Der Postbote der Royal Mail stahl, um seine Spielsucht zu finanzieren (Quelle:pexels.com/sl)

Job-Aus nach 16 Jahren

Rund 16 Jahre war Mark Anthony F. aus dem englischen Haydock als Briefträger bei der Royal Mail angestellt, bis er im August 2019 des Diebstahls überführt wurde. Nun endete der Prozess in Liverpool mit einem verhältnismäßig milden Urteil:

Der 39-Jährige wurde wegen Diebstahls und Hehlerei zu zwei parallelen Haftstrafen von je 12 Monaten, ausgesetzt zur Bewährung, verurteilt. Zudem muss der Mann, der mittlerweile als Paketbote für die Online-Plattform Amazon arbeitet, 70 Stunden gemeinnützige Arbeit verrichten und sich einer Suchttherapie unterziehen.

In Deutschland gingen 2019 eigenen Angaben zufolge bei der Bundesnetzagentur 18.000 schriftliche Beschwerden über die Post-Zustellung ein. Die meisten betrafen den Marktführer Deutsche Post. Der Konzern betont, dass sich die Beschwerderate in Relation zu den jährlich rund 19 Milliarden von ihm bearbeiteten Sendungen im Promillebereich bewegt.

Vor Gericht hatte sich der Angeklagte zutiefst reuig gezeigt und zugegeben, zwischen November 2018 und August 2019 mehrfach Pakete gestohlen zu haben. Durch den Verkauf des Inhalts habe er versucht, seine Spielsucht zu finanzieren.

Smartphone-Tracking überführt Postboten

Die Anklage hatte errechnet, dass der Postbote so Geräte, größtenteils Smartphones, im Wert von insgesamt rund 8.000 Euro erbeutete. Mit dem Verkauf von 15 der Geräte über das Internet hatte er umgerechnet gut 5.000 Euro generiert.

Aufgeflogen war der Postbote, als eines der scheinbar verschollenen Smartphones in Schottland geortet werden konnte. Der neue Besitzer gab an, das Gerät über die Auktionsplattform Ebay erworben zu haben. Das Verkäuferkonto lief auf den Namen des nun Verurteilten.

Während die Staatsanwaltschaft auf die Unannehmlichkeiten der ursprünglichen Empfänger und den entstandenen Vertrauensverlust in Bezug auf die Royal Mail verwies, betonte Verteidiger David Achilles, dass die kriminellen Aktivitäten seines Mandanten eigentlich gar nicht dessen Wesen entsprochen hätten:

Es gibt eine verhältnismäßig einfache Erklärung: Um die Finanzen dieses Mannes steht es nicht gut und er ist spielsüchtig. Er bereut sehr und ist vermutlich dankbar, dass all das ans Licht gekommen ist, wenigstens ist es jetzt zu Ende.

Ähnlich sah es auch der zuständige Richter. Zwar seien die Taten so schwerwiegend, dass er um die Verhängung einer Haftstrafe nicht herumkomme. Insbesondere die guten Rehabilitationsaussichten des Angeklagten und die Tatsache, dass dieser vor kurzem Vater geworden sei, erlaubten es jedoch, die Strafe zur Bewährung auszusetzen.