Premier League-Glücks­spiel­wer­bung seit 2023 ver­drei­facht?

Posted on: 13/10/2025, 02:56h. 

Last updated on: 10/10/2025, 11:04h.

  • In der englischen Premier League hat Glücksspielwerbung stark zugenommen.
  • Wissenschaftliche Studie zeigt seit 2023 Anstieg um annähernd 300 %.
  • Forscher sehen deutliche Mängel in der Regulierung der Werbung.

Glücksspielwerbung ist in der Premier League sehr präsent. Vor allem Anbieter von Sportwetten haben die englische Eliteliga als lohnendes Ziel ihrer Marketingkampagnen erkannt. Dies führte laut einer wissenschaftlichen Studie dazu, dass die Werbung in den letzten Jahren rasant zugenommen hat.

Fans im Stadion
Die Fans sehen viel Glücksspielwerbung (Bild: Pixabay/Wonker, CC BY 2.0)

Vor wenigen Tagen veröffentlichte die Universität von Bristol die Ergebnisse ihrer Studie [Seite auf Englisch] zur Glücksspielwerbung in der Premier League. Dafür wurden die Matches eines Spieltages im August 2025 untersucht.

Die Forscher ermittelten in diesem Zeitraum bei Live-Übertragungen 27.440 Inhalte mit Glücksspielbezug. Der Höchstwert lag laut Studie bei über 5.200 Einblendungen während eines einzigen Matches.

Dabei wurden sowohl Werbeclips als auch Bannerwerbung im Stadion oder Einblendungen von Trikots mit Glücksspielsponsoren gezählt. Durchschnittlich kam es 12,6-mal pro Minute und Match zu einer Exposition mit Glücksspielinhalten.

Im Vergleich zur Vorsaison entspricht der Wert sogar einem leichten Rückgang. Zu Beginn der Spielzeit 2024/25 kamen die Wissenschaftler auf 29.415 Einblendungen. Gegenüber der Saison 23/24 wurde hingegen ein großer Sprung gemessen. Damals waren es lediglich 10.990 gezählte Inhalte. Seitdem hat sich die Zahl somit annähernd verdreifacht.

Die hohe Werbedichte führt nach Ansicht der Wissenschaftler zu einem erhöhten Wettbewerbsdruck. Die Betreiber müssen demnach stärker um die begrenzten Werbeflächen konkurrieren. Zugleich zählten die Forscher mehr Anbieter als noch vor wenigen Jahren.

Dies führte zur Entwicklung neuer Formate für die Werbebotschaften. So werden diese nun auch in neuen Stadionkonstruktion gezeigt.

Versäumnisse der Regulierung

Die Initiatoren sehen in den Studienergebnissen ein deutliches Anzeichen für die Unwirksamkeit der Selbstregulierung der Branche. Dies könnte an zu schwachen Regeln oder an der Umgehung der selbst gesetzten Verpflichtungen liegen.

Der Vorsitzende der parteiübergreifenden parlamentarischen Gruppe für Glücksspielreform, Iain Duncan Smith, kritisiert die Entwicklung:

Dieses Ausmaß an Glücksspielwerbung während des ersten Wochenendes der Premier League ist ehrlich gesagt erstaunlich. Die Branche behauptete, sie würde Maßnahmen zur Selbstregulierung und Reduzierung der Werbung ergreifen, aber wieder einmal hat sie ihr Wort nicht gehalten.

Aus den Studienergebnisse leiten die Forscher eine Reihe von Maßnahmen zur Begrenzung der Werbeflut ab. Dazu zählen sie insbesondere strengere Gesetze, um die Sichtbarkeit von Glücksspielwerbung im Sport zu reduzieren.

Dies könnte durch ein durchgängiges Verbot von Werbeclips während der Spiele geschehen. Das Content- und Social-Media-Marketing der Branche müsste ebenfalls strenger reglementiert werden.

Als weitere Schritte werden ein Verbot der Werbung durch unlizenzierte Anbieter sowie die Einblendung von Spielerschutzinformationen genannt. Ob diese Empfehlungen angenommen werden, hängt nun an Politik und Premier League.