Paddy Power Betfair: Keine Pausen für Angestellte?

Veröffentlicht am: 27. September 2018, 11:48 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 28. September 2018, 09:11 Uhr.

Der irische Wettanbieter Paddy Power Betfair steht erneut im Visier der Behörden. 56 Angestellte des Unternehmens haben sich an die offizielle Workplace Relations Commission (WRC, dt.: Kommission für Arbeitnehmerschutz) gewandt. Ihr Vorwurf: Paddy Power Betfair ignoriere die staatlich geregelten Pausenzeiten.

Paddy Power Filiale
Miese Arbeitsbedingungen bei Wettanbieter? Paddy Power Filiale in London (Paddy Power, King Street, Hammersmith by Edward Hanks,licensed under cc4.0)

Dass die Iren gern wetten, ist bekannt. Wenn im Umfeld des Buckingham Palace eine Schwangerschaft bekannt gegeben wird, eilen nicht nur die Briten zum Buchmacher, auch ihre Nachbarn von der grünen Insel erfreuen sich daran, Geld auf Geburtsdatum, Geschlecht und Namen des neuen Royals zu setzen.

Paddy Power Betfair – Weltweit erfolgreich

Einer der Anbieter, bei denen das Wetten auf alles und nichts möglich ist, ist das 2015 aus den zuvor rivalisierenden Buchmachern Paddy Power und Betfair hervorgegangene Unternehmen Paddy Power Betfair. Allein in Irland und Großbritannien ist der Anbieter mit über 600 Wettbüros vertreten, auch online, sowie in Italien, den USA und Australien ist der Buchmacher gut im Geschäft.

Besondere Aufmerksamkeit erlangt Paddy Power immer wieder mit aufsehenerregenden Wetten außerhalb des klassischen Sportwettengeschäfts.

Im Zuge der Präsidentschaftswahlen 2016 in den USA ging der Plan der irischen Buchmacher nicht auf: Paddy Power erklärte die demokratische Kandidatin Hillary Clinton vorschnell zur Siegerin im Kampf um das Amt und zahlte bereits vor Veröffentlichung der offiziellen Ergebnisse rund eine Million Dollar an diejenigen aus, die auf Clinton gesetzt hatten. Ein schwerer Irrtum: Der 45. Präsdent der Vereinigten Staaten wurde der Unternehmer Donald Trump. An der Börse folgte für Paddy Power ein Einbruch, insgesamt musste der Konzern einen Verlust von ca. fünf Millionen US-Dollar verzeichnen.

Nicht die ersten Vorwürfe gegen Paddy Power Betfair

Trump, Clinton
Kostete Paddy Power rund fünf Millionen: Präsidenschaftswahlkampf Trump vs. Clinton ((Trump & Clinton is licensed under cc 4.0)

Nun macht das Unternehmen erneut Schlagzeilen, allerdings negativer Art: Bereits im Juli dieses Jahres war Paddy Power aufgrund von Verstößen gegen das Arbeitsrecht von der WRC dazu verurteilt worden, 14 Angestellten zwischen umgerechnet 750 und 1000 Euro zu zahlen.

Obwohl Paddy Power nach Bekanntwerden der ersten Strafe allen Angestellten ein Dokument zukommen ließ, das auf das geltende Recht hinwies und sie aufforderte, Verstöße umgehend an die Zentrale zu melden, scheint sich seither nicht viel für die Mitarbeiter verbessert zu haben.

Sparmaßnahmen Grund für die Verstöße?

Die aktuellen Vorwürfe schließen nahtlos an die vorangegangenen an. Nach Ansicht der Kläger liegt der Grund für die Verstöße gegen die Pausenregelungen im Umbau des Retail-Segments des Wettanbieters: Um Kosten zu sparen, würden immer mehr Wettbüros zu Ein-Mann-Shops umgerüstet, die Büros seien somit heillos unterbesetzt.

Sollte die WRC den Vorwürfen folgen, stehen Entschädigungszahlungen von mehreren Zehntausend Euro im Raum. Bill Abom, einer der Organisatoren des Protestes, stellte bereits klar: So lange Paddy Power Betfair keine nachhaltigen Lösungen zum Arbeitnehmerschutz präsentiere, werde man alle sechs Monate neue Klagen auf den Weg bringen.

Es bleibt zu hoffen, dass dieser Schritt nicht notwendig sein wird und Paddy Power nach diesem zweiten Warnschuss ein tragfähiges System zum Schutz der Arbeitnehmer und letztendlich auch der eigenen Reputation installiert.