Online-Sportwetten am Steuer platziert: LKW-Fahrer tötet Familienvater

Veröffentlicht am: 11. Mai 2021, 03:06 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 11. Mai 2021, 05:24 Uhr.

Ein britischer LKW-Fahrer hat bei einem Verkehrsunfall einen Familienvater getötet. Während der Fahrt soll Dean Moffat (48) Online-Wetten in Glücksspiel-Apps platziert haben, statt auf den Verkehr zu achten. Nun ist er wegen fahrlässiger Tötung zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Dies berichteten britische Medien am Montag [Seite auf Englisch].

britischer LKW auf Autobahn Dual Carriageway
Von mobilen Wetten abgelengt, fuhr Moffat mit seinem LKW in das stehende Auto. (Symbolbild: Geograph/John Carver/CC BY-SA 2.0)

Der tragische Unfall habe sich am Abend des 11. November 2019 auf der autobahnähnlichen Straße A34 in der Nähe von Winchester ereignet. Ric Mboma (60) habe aufgrund einer Reifenpanne am Straßenrand halten müssen. Da es an der Stelle keinen Standstreifen gegeben habe, habe der PKW halb auf der äußeren der beiden Fahrbahnen gestanden.

Herannahende Fahrzeuge hätten die Warnblinklichter des Fahrzeuges jedoch frühzeitig erkennen und entsprechend ausweichen können. Die Augen von Moffat jedoch seien nicht auf die Straße, sondern auf sein Smartphone gerichtet gewesen.

Vater am Unfallort verstorben, Kinder überlebten

Mit einer Geschwindigkeit von 90 km/h sei er in das stehende Fahrzeug gerast, als Mboma gerade einen Ersatzreifen aus dem Kofferraum habe nehmen wollen. Zwei der vier Kinder des Opfers (15 und 19 Jahre) seien zu diesem Zeitpunkt mit im Auto gewesen.

Während die Kinder mit schweren und bleibenden Verletzungen und Traumata überlebt hätten, sei ihr Vater sofort tot gewesen. Sie hätten den schrecklichen Tod ihres Vaters noch immer nicht verarbeitet. Tochter Witley sagt:

Ich kann nicht anders als mir selbst die Schuld am Tod meines Vaters zu geben und leide am Überlebenden-Syndrom. Die schlimmste Verletzung ist der innere Schmerz, der niemals vergehen wird.

Dass die Kinder des Mannes keinerlei Schuld treffe, sei jedoch eindeutig. Moffat hätte das Fahrzeug ebenso wie alle anderen Verkehrsteilnehmer mindestens 36 Sekunden vor dem Zusammenstoß sehen und die Fahrbahn wechseln können. Dies hätten die Videoaufnahmen der LKW-Dashcam deutlich gezeigt.

In den Augen der Polizei und letztendlich des Gerichts lasse sich daher keineswegs von einem unvermeidbaren Unfall sprechen.

Mit Online-Wetten, Facebook und WhatsApp beschäftigt

Nicht nur die Kameraaufzeichnung, sondern auch die von den Ermittlern nachvollzogenen Handy-Aktivitäten Moffats hätten keine Zweifel an seinem Verschulden gelassen.

Während des Fahrens habe er vier Online-Wetten auf Windhundrennen bei den Buchmachern Sky Bet und Bet365 platziert. Die letzte der Wetten habe er weniger als zwei Minuten vor dem Aufprall getätigt. Darüber hinaus habe er während der Fahrt 14 E-Mails gelesen, 12-mal Facebook geöffnet und fünf WhatsApp-Nachrichten verfasst.

Der zuständige Richter habe entsprechend harsche Worte für den nun Verurteilten gefunden. Besonders schlimm sei, dass Moffat sein Vergehen noch immer nicht vollständig eingestehe.

Sie waren während Ihrer Reise an jenem Nachmittag für eine bedeutsame Zeit an Ihrem Handy. Ihr Handy zu benutzen hatte zur Folge, dass Sie stark abgelenkt waren. Und Sie reden sich weiterhin heraus und geben vor nicht zu wissen, ob sie Wetten platziert haben.

Moffat habe die von ihm ausgehende Gefahr ignoriert, so der Richter weiter. Sein Fahrzeug sei eine „tödliche Waffe“ gewesen und dennoch habe er zahlreiche Verkehrsregeln gebrochen und willentlich das Leben anderer Verkehrsteilnehmer aufs Spiel gesetzt.

Selbst wenn Moffat an einer schweren Spielsucht leide, wie er dem Gericht beteuert habe, sei seine grobe Fahrlässigkeit keinesfalls zu entschuldigen.