Österreich: Frauen im kompetitiven E-Sport unter­repräsentiert

Veröffentlicht am: 8. März 2021, 03:03 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 8. März 2021, 03:05 Uhr.

Anlässlich des heutigen Weltfrauentages hat die österreichische Zeitung der Standard am Freitag ein Interview mit Irina Kuntze, Verantwortliche für E-Sports und Gaming beim Telekommunikationskonzern A1, veröffentlicht. Kuntze zufolge seien bislang mindestens 90 % aller kompetitiven E-Sportler in Österreich männlich, obwohl bereits ungefähr ein Drittel der E-Sport-Konsumenten weiblich sei.

Frau beim Gaming
Die österreichische A1eSports-Liga hat sich zum Weltfrauentag bei ihren Spielerinnen bedankt. (Quelle: https://twitter.com/A1eSports_AT)

Um Frauen dafür zu begeistern, in E-Sport-Ligen teilzunehmen, sei Aufklärungsarbeit wichtig. „Es müssen die Möglichkeiten gezeigt werden. Und es ist wichtig, dass es Vorbildfunktionen gibt“, erklärte Kuntze.

Doch noch immer gebe es in der E-Sport-Community Anfeindungen gegenüber Frauen.

Laut einer Studie der A1 esports League Austria seien bereits 45 % derer, die mindestens einmal pro Woche zur Gaming-Maus griffen, weiblich. Im Bereich der E-Sport-Konsumenten seien die männlichen Fans mit 73 % aber noch deutlich in der Überzahl.

Geschlechterdiskriminierung ist ein Thema

Wie Kuntze dem Standard sagte, seien auch ihr gegenüber bereits „nicht ganz angebrachte Bemerkungen“ gefallen. Sie sei jedoch in der glücklichen Situation, nicht so sehr in der Öffentlichkeit zu stehen wie Spielerinnen oder Streamerinnen.

Frauen, die von diskriminierenden Angriffen betroffen sind, rät Kuntze, „über diese Dinge zu reden“. Auf Grundlage des Hass-im-Netz-Gesetzes seien aber gegebenenfalls auch rechtliche Schritte ratsam:

„Es gibt definitiv Grenzen, die einfach nicht überschritten werden dürfen. Man muss unterscheiden: Es gibt den im E-Sport-Bereich verbreiteten “friendly banter”, bei dem man sich in kleineren Reibereien gegenseitig ein wenig aufstachelt – das hat per se noch nichts mit Sexismus zu tun. Dann gibt es die Kommentare, die sich nicht nur gegen Frauen, sondern gegen allerlei Diversity-Themen richten und somit hier definitiv nichts verloren haben. Und dann gibt es klare Angriffe, die auch rechtliche Schritte nach sich ziehen müssen – etwa wenn es um Morddrohungen und Stalking geht.“

Zu den Herausforderungen und Problemen, vor denen Frauen im E-Sport stehen, hat sich auch Österreichs bis dato beste League of Legends-Spielerin Marlies Brunnhofer in einem heute publizierten Interview mit dem Standard geäußert.

Da ihr Gamer-Tag „Maestra“ weiblich klinge, habe sie in der Vergangenheit „schon teilweise Beschimpfungen“ zu lesen bekommen. Dass immer noch mehr Männer als Frauen kompetitive Videospiele spielten, hänge laut der studierten Psychologin unter anderem mit der Kindererziehung zusammen.

„Geschlechtsspezifische Bilder, die bereits im Kindesalter vermittelt werden,“ nennt Brunnhofer als einen Grund für die Dominanz von Männern im E-Sport.