Neue Rangliste zur Spielsucht in US-Bundesstaaten veröffentlicht

Veröffentlicht am: 24. April 2019, 12:18 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 24. April 2019, 01:02 Uhr.

Die US-amerikanische Finanzwebsite WalletHub hat am Dienstag eine Vergleichsstudie publiziert, die 50 US-Bundesstaaten bezüglich suchtgefährdenden Spielverhaltens gegenüberstellt. Der Bericht konstatiert den Einzelstaaten starke Unterschiede bei Risiko und Prävention von pathologischem Spielen.

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Im Ranking der suchtgefährdetsten US-Staaten liegt Nevada auf Platz 1. (Quelle: Pexels)

Die Studie wurde unter Berücksichtigung von 20 relevanten Untersuchungskriterien angefertigt, die jeweils auf einer Skala von 1 bis 100 bewertet wurden und Auskunft über die Neigung zur Spielsucht geben sollen.

Die suchtbegünstigenden Parameter umfassen unter anderem den Pro-Kopf-Verkauf von Lotterie-Tickets, Gesamtumsätze aus dem Glücksspiel, die Anzahl landbasierter Casinos oder das Angebot an legalen Sportwetten.

Um die Gefahr von Glücksspiel in den US-Regionen realistisch einschätzen zu können, berücksichtigten die Studienverfasser (Link auf Englisch) allerdings auch mögliche Präventionsprogramme und Therapieangebote sowie die Möglichkeit zum Selbstausschluss vom Spielen.

Das Resultat des Reports ist überraschend: Während die US-Bundesstaaten mit dem höchsten Bezug zur Spielsucht meist diejenigen sind, die in der Vergangenheit die freundlichste Atmosphäre für Glücksspielindustrie und Spieler schufen, stellen diese nicht immer adäquate Suchtvorsorge- und Therapieprogramme zur Verfügung.

Dies sind laut der Studie die Top-10 der US-Staaten mit der größten Affinität zur Spielsucht

Nevada – 64.11 Punkte

South Dakota – 63.15 Punkte

Montana – 54.21 Punkte

Mississippi – 52.70 Punkte

Oklahoma – 49.67 Punkte

West Virginia – 48.77 Punkte

New Jersey – 48.43 Punkte

Oregon – 46.97 Punkte

Illinois – 46.27 Punkte

Louisiana – 44.37 Punkte

Die einzelnen Ergebnisse der Erhebung

Die Vergleichsuntersuchung legt nahe, dass in den US-Bundesstaaten ein Zusammenhang zwischen Suchtgefahr und Spielangebot besteht. So existierten in Nevada, dem Staat mit der insgesamt höchsten Tendenz zur Spielsucht, die meisten Casinos und Spielautomaten pro Kopf.

Gleichzeitig blieben die Therapieangebote für Suchtkranke im „Silver State“ jedoch hinter denen anderer Bundesstaaten wie Mississippi und Missouri zurück.

Dies lässt allerdings noch nicht den Schluss zu, dass die Verbreitung von Spielsucht ganz allein vom Vorhandensein legaler Spielangebote abhängt. So rangiert Hawaii, ein Staat in dem Glücksspiel weitestgehend illegal ist, auf der Liste der 50 suchtgefährdetsten US-Bundesstaaten auf Platz 38.

Einzig in Utah, wo Glücksspiel nicht nur per Gesetz verboten, sondern auch von der großen Bevölkerungsgruppe der Mormonen abgelehnt wird, könnte auf Grundlage der berichteten Zahlen ein direkter Zusammenhang zwischen Verboten, gesellschaftlichen Normen und niedriger Suchtbetroffenheit hergestellt werden. Der Staat im Mittleren Westen der USA rangiert im Ranking auf Platz 50. Hier eine kurze Übersicht über die Rangliste (Video in Englisch).

Dass Glücksspiel nicht automatisch zur Zunahme von Kriminalität führen muss, ist ebenfalls aus der Studie zu schlussfolgern. So stehen nicht etwa Nevada oder New Jersey bei Festnahmen im Zusammenhang mit glücksspielbezogenen Straftaten in der Verbrechensstatistik ganz oben, sondern die Bundesstaaten Illinois und das glücksspielunfreundliche Hawaii.

Was wird die Zukunft bringen?

Im Rahmen der Wertung wurde eine Reihe von US-Spezialisten über die Zukunft des Glücksspiels und die damit verbundenen Gefahren befragt. Besonders die Frage, welche Auswirkung eine flächendeckende Legalisierung von Sportwetten in den USA in den nächsten Jahren haben werde, scheint die Forscher zu beschäftigen.

Während die Experten fast einstimmig die staatliche Regulierung von Sportwetten und die damit einhergehenden Steuereinnahmen begrüßen, scheinen die Wissenschaftler die Verbreitung der Wettangebote gleichzeitig mit Sorge zur Kenntnis zu nehmen.

So auch Professor Robert Leeman von der Universität von Florida, der die kaum abwägbaren Folgen der Legalisierung kritisch verfolgt:

„Der Nachteil ist, dass Sportwetten nach einer Legalisierung viel einfacher zugänglich sind und deshalb zunehmen werden. Für die meisten Menschen, die auf Sportereignisse setzen, wird dies auf Freizeitebene oder zum Spaß passieren. Nichtsdestotrotz wird die Zahl der Problemspieler steigen und damit auch die gesellschaftlichen Kosten. Es ist wichtig festzuhalten, dass es zwar Therapien gegen die Spielsucht gibt, diese aber nicht immer wirken. Alles in allem würde ich aus diesem Grund gegen eine umfassende Verbreitung von Sportwetten raten.“

Spannend könnte auch die Frage werden, wie sich die Verbreitung von Online Buchmachern und Online Casinos in den folgenden Jahren auswirken könnte. Sie wurde von der Studie nicht beantwortet.