Nach nur einem Jahr: Bildungs­lotterie stellt Betrieb ein

Veröffentlicht am: 8. August 2019, 01:02 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 8. August 2019, 01:33 Uhr.

Gut ein Jahr nach ihrer ersten Ziehung stellt die Bildungslotterie ihren Betrieb zum Ende des Monats ein. Den Initiatoren war es nicht möglich, die Soziallotterie, deren Einnahmen zu einem Drittel in die Finanzierung von Bildungsprojekten fließt, kostendeckend zu betreiben. Im Januar 2020 wollen sie einen Neuanfang wagen – und verhandeln mit der Glücksspielindustrie.

Auf dem Boden sitzende Kinder werden unterrichtet
Die Bildungslotterie fördert weltweit Bildungsprojekte (Symbolbild, Quelle:flickr.com/Jakob Reimann, public domain)

Abonnements der Bildungslotterie laufen aus

Als die Bildungslotterie am 3. Juli 2018 startete, sollte ein neuer Pfad in der deutschen Lotterielandschaft beschritten werden. Der Plan der Initiatoren: Eine Soziallotterie, in deren Fokus die Bildung liegt. 30 Prozent der Einnahmen sollten in weltweite Bildungsprojekte fließen. Hierzu gehörten neben Initiativen der drei Träger Stifterverband, SOS-Kinderdörfer weltweit und Deutsche Kinder- und Jugendstiftung auch externe Projekte.

Die Lose der Bildungslotterie sind ausschließlich online erhältlich. Für einen Betrag von 15 EUR nimmt der Spieler für vier Wochen an vier Ziehungen teil. Die dem Prinzip der „Aktion Mensch“ ähnelnde Soziallotterie stellt wöchentlich Gewinne von bis zu 2 Millionen EUR in Aussicht. Zudem können auch Sofortrenten und Sachpreise wie Häuser und Reisen gewonnen werden.

Nur rund ein Jahr nach der ersten Gewinnziehung, erhielten Losinhaber der Bildungslotterie nun die Nachricht, dass ihr Abonnement auslaufe. Die letzte der wöchentlichen Ziehungen der Bildungslotterie findet am 27. August statt.

Schwer verkalkuliert?

Hintergrund des jähen Endes der Bildungslotterie: Die Betreiber hatten sich massiv verkalkuliert. Um in die Gewinnzone zu gelangen, hätte die Soziallotterie zwischen 40.000 und 50.000 regelmäßige Mitspieler benötigt.

An den wöchentlichen Ziehungen beteiligten sich allerdings nur rund 8.000 Los-Abonnenten. Weitere 10.000 Jahreslose der Bildungslotterie waren an Unternehmen gegangen. Mit weniger als der Hälfte der erforderlichen Teilnehmer war ein kostendeckender Betrieb nicht möglich.

Die Gründe für das Schwächeln der Bildungslotterie dürften darin liegen, dass die Organisatoren die Herausforderungen des Aufbaus eines tragfähigen Konzeptes im Glücksspielsektor unterschätzt haben könnten.

So äußert sich Moritz Kralemann, Pressesprecher des Stifterverbands, gegenüber dem Deutschlandfunk selbstkritisch:

Das hat mit Vertriebsfragen insbesondere zu tun, das hat aber auch mit dem langwierigen und kostspieligen Aufbau von Markenbekanntheit zu tun. Das sind sicherlich alles Bereiche, bei denen uns unsere Marktanalysen und die Experteneinschätzungen im Vorfeld vielleicht doch auf einen etwas optimistischeren Weg geführt haben, als wir ihn dann tatsächlich in der Realität beschreiten konnten.

Bildungslotterie: Lücke füllen, die das System hinterlässt

Logo Bildungslotterie
Die Bildungslotterie ging mit ambitionierten Zielen an den Start (Quelle:https://www.bildungslotterie.de)

Ursprünglich gestartet war die Bildungslotterie mit dem Anspruch, „den menschlichen Trieb zum Spiel mit dem guten Zweck der Bildung zu verknüpfen“. So formulierte es der damalige Präsident des Stifterverbandes, Arndt Oetker, bereits im Jahr 2013.

In Anbetracht von Digitalisierung und Migration habe das staatliche Bildungssystem Schwierigkeiten, seine Aufgaben angemessen zu bewältigen, so der Gedanke. Deshalb müssten neue Finanzierungsquellen erschlossen werden. Die Bildungslotterie sollte hierbei den Traum der Spieler vom Millionengewinn mit der Chance auf Bildung vereinen.

Finanziert worden war die Bildungslotterie in erster Instanz von Privatleuten, Unternehmen und Stiftungen. Das Startkapital lag 2018 bei 20 Millionen Euro. Damals hatten die Organisatoren gehofft, nach spätestens zehn Jahren einen Umsatz von 100 Millionen Euro generieren zu können.

Dieser Traum hat sich vorerst nicht erfüllt. Seit ihrem Start im Juli 2018 hat die Bildungslotterie rund 1,5 Millionen EUR eingenommen.

Die Bildungslotterie ist tot – Es lebe die Bildungslotterie?

Trotz des herben Rückschlags ist das Projekt „Bildungslotterie“ für die Gründer keineswegs abgehakt. Die Verantwortlichen sind der Auffassung, dass die Bereitschaft, mit dem Glücksspiel Bildungsprojekte zu unterstützen, prinzipiell hoch sei. Die große Schwierigkeit liege allerdings darin, sich als neuer Anbieter auf dem Online-Glücksspielmarkt zu positionieren.

Deshalb verhandeln die drei Organisatoren der Bildungslotterie nun eigenen Angaben zufolge „mit einem etablierten Unternehmen aus dem Glücksspielsektor mit einem sehr großen Kundenstamm“.

Geht es nach dem Willen der Veranstalter, wird es bereits ab Januar 2020 eine Neuauflage der Bildungslotterie geben. Der potenzielle Partner aus der Glücksspielindustrie soll dann Betrieb und Vermarktung des Konzeptes übernehmen.

Um welches Unternehmen es sich handelt ist bislang nicht bekannt. Sollte es zu einer Einigung der Parteien kommen, dürfte die Antwort auf die Frage, wie sich ein gewinnorientiertes Unternehmen aus der Privatwirtschaft in das Konzept einer Soziallotterie einfügen lässt, mit Interesse erwartet werden.