Motorsport: Fenati fliegt nach gefährlicher Attacke aus dem Team

Veröffentlicht am: 11. September 2018, 11:18 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 11. September 2018, 11:18 Uhr.

Beim Moto2 Rennen am vergangenen Wochenende beim Grand Prix von San Marino in Misano griff der 22-Jährige Romano Fenati seinem 19 Jahre alten Kontrahenten Stefano Manzi bei einer Geschwindigkeit von 217 km/h ins Lenkrad und zog die Handbremse.

Romano Fenati
Rennfahrer Fenati fliegt aus dem Team. (Bildquelle: bild.de)

Mit dieser Aktion brachte er seinen Gegner in Lebensgefahr. Manzis Fahrzeug geriet kurz ins Schlingern, dann gelang es ihm, wieder Kontrolle über sein Motorrad zu erlangen. Auslöser soll ein provokantes und gefährliches Verhalten von Manzi gewesen sein.

Die schwarze Flagge am Rande der Piste signalisierte Fenati, dass das Rennen für ihn zu Ende war. Die Rennleitung sperrte ihn sogleich für die nächsten zwei Rennen. Allerdings ist es aufgrund der darauffolgenden Maßnahmen seines Teams fraglich, ob Fenati noch eine Zukunft im Motorsport haben wird.

Fenatis Team zog sofort Konsequenzen

Gleich am darauffolgenden Montag taten das Marinelli-Snipers-Team sowie die Sponsoren in einer Mitteilung ihre Entscheidung kund und entschuldigten sich bei den Fans:

„Mit großem Bedauern müssen wir feststellen, dass seine unverantwortliche Tat das Leben eines anderen Fahrers gefährdet hat und auf keinen Fall entschuldigt werden kann. Der Fahrer wird ab sofort nicht mehr mit dem Marinelli-Snipers-Team an einem Rennen teilnehmen.“

Als Konsequenz für dieses Verhalten hat das Motorrad-Team Marinelli Snipers sofort den Vertrag mit dem Fahrer Fenati gelöst. Doch auch MV Augusta, ein namhafter Motorrad-Fabrikant, der eigentlich Fenati in der kommenden Saison unter Vertrag nehmen wollte, zog sein Angebot zurück.

Stefano Manzi
Manzi spricht von versuchter Tötung. (Bildquelle: sport1.de)

Giovanni Castiglioni, der Präsident des Unternehmens, reagierte sofort auf den Zwischenfall. Auf Instagram schrieb er, dass dies das Schlimmste und Traurigste gewesen sei, was er jemals bei einem Motorrad-Rennen gesehen habe.

Er schrieb weiterhin, dass Fenati auf keinen Fall auf eines seiner Motorräder steigen werde, da dieser nicht die Werte repräsentiere, die für sein Unternehmen stünden.

Stefano Manzi spricht von versuchter Tötung

Nach der Attacke seines Landmanns Fenati erhebt Manzi im Internet-Portal gpone.com [Seite auf Italienisch] schwere Vorwürfe. Der 19 Jahre alte Fahrer sagte:

“Eine Handlung, bei der ein Gegner versucht, einen Rivalen mit über 200 km/h zu töten, indem er den Bremshebel betätigt, das ist unverzeihlich.”

Manzi fügte hinzu, dass Fenati die Handbremse mit einem Druck von 20 bar gezogen habe. Das sei gemessen an dem Durchschnittswert in Misano mehr als doppelt so viel.

Der Druck in bar zeigt auf, wie stark die Bremse betätigt wird. Beim Zwischenfall während des Rennens will Manzi aussagen, dass Fenati das Fahrzeug sehr abrupt abgebremst hat.

Fenati bezieht Stellung

Am Montag äußerte sich auch Fenati zu dem gefährlichen Zwischenfall auf der Rennpiste und zeigte Reue, indem er sich bei der Sportwelt für sein Verhalten entschuldigte.

Er sagte:

“Heute Morgen bin ich mit klarem Kopf aufgewacht und wünschte, es wäre alles nur ein böser Traum. Es war eine schändliche Aktion, ich war kein Mann. Ein Mann hätte das Rennen beendet, um anschließend zur Rennleitung zu gehen.“

Auf seiner Homepage sagte er, dass er leider einen impulsiven Charakter habe. Es sei aber nicht seine Absicht gewesen, einem anderen Fahrer Schaden zuzufügen.

Ist die Strafe zu gering?

Fenati und Manzi beim Rennen
Fenati greift seinem Gegner an die Bremse. (Bildquelle: bild.de)

Die Strafe, die eine Sperre für die nächsten zwei Rennen vorsieht, stößt bei vielen Fans und Fahrern auf Unverständnis. Auch der Brite Cal Crutchlow, der das Rennen als Dritter beendete, sagte auf der Pressekonferenz, dass Fenati nie wieder ein Rennen fahren dürfe.

Er fügte hinzu, dass das Team ihn sofort aus der Box hätte werfen sollen. Man dürfe einem anderen Rennfahrer so etwas nicht antun, denn sie riskierten ohnehin schon ihr Leben.

Entsetzen über den Vorfall äußerte auch der Spanier Pol Espargaro vom Team Yamaha und sagte:

„Ich hoffe stark, dass wir so etwas niemals wieder sehen. Das hat mit Rennsport nichts zu tun, und ich schäme mich, wenn ein Zuschauer mitansehen muss, wie ein professioneller Rennfahrer so etwas macht. Man darf frustriert und sauer sein, aber so etwas darf ein Rennfahrer niemals tun. Ich möchte mich im Namen aller Fahrer bei den Zuschauern entschuldigen, denn das war eine Schande.“

Fenati war nicht zum ersten Mal auffällig

Der Vorfall am vergangenen Wochenende war nicht der erste Zwischenfall, für den Fenati heftige Kritik erntete. Auch im Jahre 2015 sorgte der Italiener für Schlagzeilen, als er in Argentinien mit seinem Gegner Niklas Ajo in Streit geriet. Fenati soll ihn geschlagen und auch nach ihm getreten haben. Am Ende soll er sogar dessen Motorrad abgeschaltet haben.

In der Akademie von Valentino Rossi gab es vor zwei Jahren während des Rennens im österreichischen Spielberg ebenfalls Auseinandersetzungen mit dem Leiter der Crew. Fenati musste daraufhin das Team verlassen.