Mehr britische Frauen als Männer vom pathologischen Glücksspiel betroffen

Veröffentlicht am: 18. Januar 2020, 05:30 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 18. Januar 2020, 11:17 Uhr.

Das britische Nachrichtenmagazin „The Telegraph“ berichtete kürzlich, dass die Anzahl der weiblichen Problemspieler schneller wachse als die der Männer. Dies könnte unter anderem daran liegen, dass die Anzahl der Online Spielautomaten angestiegen sei.

Frau, Spielkarten
Anzahl der spielsüchtigen Frauen steigt. (Bild: maxpixel.net)

Die Anzahl der Frauen, die über problematisches Glücksspiel berichteten, sei nach Angaben der britischen Wohltätigkeitsorganisation GamCare [Seite auf Englisch], die Unterstützung bei Glücksspielproblemen bietet, von 2.303 im Jahre 2015 um mehr als ein Drittel auf 3.109 im vergangenen Jahr gestiegen. Dies sei mehr als das Doppelte der Männerquote, die im gleichen Zeitraum nur um 15 % gestiegen sei.

Frauen bevorzugen Online Casinos

Die Zahlen von GamCare, die die nationale Hotline bei Glücksspielproblemen betreibt, belegten weiterhin, dass Frauen hauptsächlich online spielten. Sie nutzten zu fast 70 % Webseiten und mobile Apps und besuchten seltener landbasierte Spielhallen und Wettbüros.

Anna Hemmings, CEO von Gamcare, die auch bei der Behandlung von Spielerinnen mitwirkt, sagte:

„Wo die Zahl der Online-Spieler zugenommen hat, richten sich einige Produkte explizit an Frauen, und andere sind für Frauen attraktiver als Wettbüros, die für viele kein besonders frauenfreundliches Umfeld sind.“

Hemmings fügte hinzu, dass Spielsucht immer noch als „männliches“ Problem gelte. Daher sei es für Frauen besonders schwierig, Hilfe zu suchen. Außerdem schämten sie sich dafür.

Spielautomaten sind Flucht vor der Realität

34 % der Automatenspieler sind Frauen. Daten der britischen Glücksspielkommission zeigen, dass die Umsätze, die mit Spielautomaten generiert werden, seit 2015 um 60 % von 35 Mrd. GBP auf 55 Mrd. GBP angestiegen seien.

Liz Karter, eine führende Expertin für Spielsucht bei Frauen, sagte:

„Was Frauen süchtig macht, ist, dass Glücksspiel ein Mittel zu sein scheint, um abzuschalten. […] Eine Frau sagte mirl: `Wenn ich online bin, existiere ich nicht, und das ist es, was ich will. ´ Damit will sie ihrem Job, ihren Kindern und ihrer Ehe entfliehen.“

Die Expertin erzählte, dass die Frauen, die sie vor 20 Jahren behandelt habe, Bingo-Rooms und Spielhallen aufgesucht hätten. Es sei aber keine Überraschung, dass das Online Glücksspiel heute die bevorzugte Methode sei und dass das pathologische Glücksspiel bei Frauen zunehme, denn diejenigen, die damals nie in eine Spielhalle gegangen wären, könnten jetzt auf die Online Produkte zugreifen.