Nachdem Crown-Chef James Packer bereits vergangene Woche überraschend sein Amt niederlegte, hat das Unternehmen nun mit neuen Schlagzeilen zu kämpfen. Ein Mitarbeiter behauptet, Crown Resorts manipuliere vorsätzlich Spielautomaten, um Gäste zu höheren Einsätzen zu bewegen und ihre Gewinnchancen zu reduzieren.

Das Crown Casino in Melbourne

Im Crown Casino Melbourne sollen Spielautomaten manipuliert worden sein. (Bild: kuoni.co.uk)

Knöpfe aus Automaten ausgebaut

Bei dem Informanten handelt es sich um einen namentlich nicht bekannten Crown-Mitarbeiter. Dieser hat sich an die australische Nachrichtenagentur ABC News gewendet und ist nun zum Whistleblower geworden. Er behauptet, Crown Resorts manipuliere vorsätzlich Spielautomaten. So sollen die Mitarbeiter vom Management angewiesen worden sein, bestimmte Knöpfe und Schaltflächen per Hand aus den Maschinen auszubauen.

Auf diese Weise sollen die Gewinnchancen der Spielgäste verringert worden sein. Aufgrund der fehlenden Knöpfe sollen außerdem weniger Spiel- und Wettoptionen zur Verfügung gestanden haben. So sollen laut Aussage des Informanten nur noch hohe Einsätze und Wetten auf besonders vielen Gewinnlinien möglich gewesen sein.

Falschaussagen während Ermittlungen

Der Mann berichtete gegenüber ABC News nicht nur von den Anweisungen zum Automatenumbau, sondern auch von den darauffolgenden Ermittlungen gegen Crown. Diese wurden eingeleitet, nachdem sich mehrere Spieler über die fehlenden Knöpfe beschwert hatten.

In der darauffolgenden Untersuchung soll das fragliche Crown Casino in Melbourne gegenüber den Beamten angegeben haben, lediglich einen Test mit ausgewählten Maschinen durchgeführt zu haben. Der Informant behauptet hingegen, Mitarbeiter seien explizit angewiesen worden, zu beobachten, wieviel mehr Geld Spieler auf diese Weise an den Spielautomaten verlören. Um einen Test soll es sich ausdrücklich nicht gehandelt haben.

Crown betreibt zwei Casinos in Melbourne und Perth. Ein drittes wird derzeit in Sydney gebaut. Die Aufsichtsbehörde für Glücksspiel und Alkohol des australischen Bundesstaats Victoria ermittelt.

Casino in Melbourne bereits 2017 unter Manipulationsverdacht

Bereits 2017 kamen die ersten Manipulationsvorwürfe gegen Crown Resorts auf. Auch damals stand das Vorzeigehaus in Melbourne im Fokus. Dort sollen Poker-Maschinen manipuliert worden sein. Auch soll es zu Verstößen gegen Anti-Geldwäsche-Richtlinien gekommen sein. Mitarbeiter sollen angewiesen worden sein, große Transaktionen an der der Glücksspielaufsicht vorbei abzurechnen.

Des Weiteren behaupteten ehemalige Mitarbeiter, die über die Missstände in einem Video ausgepackt haben, dass es in dem Casino zu Drogenkonsum und gewalttätigen Ausschreitungen gekommen sei. Bei Auseinandersetzungen zwischen Gästen sollen sie angewiesen worden sein, nicht die Polizei zu verständen, sondern die Vorfälle zu ignorieren.

Das Enthüllungs-Video wurde von Parlamentsmitglied Andrew Wilkie und Senator Nick Xenophon veröffentlicht. Beide stehen der Casino- und Glücksspielbranche extrem kritisch gegenüber. Crown Resorts wies die Vorwürfe von sich.

Crown Resorts kommt nicht aus den Schlagzeilen

Die jüngsten Vorwürfe kommen nur wenige Tage nach den letzten Schlagzeilen über Crown Resorts. Erst letzte Woche sorgte der Rücktritt von Casino-Milliardär James Packer für Aufsehen in der Geschäfts- und Glücksspielwelt. Der 50-Jährige nannte gesundheitliche Probleme psychischer Art als Grund für seinen plötzlichen Rücktritt. Sowohl privat als auch geschäftlich sah sich der Unternehmer in den letzten Jahren großen Strapazen ausgesetzt, die merklich an seinen Nerven gezehrt haben.

Die Verlobung und anschließende Trennung von US-Sängerin Mariah Carey rückte James Packers Privatleben immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit. Beruflich erreichte er einen Tiefpunkt, als 2017 mehrere Crown-Mitarbeiter in China verhaftet und zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurden. Ihnen wird vorgeworfen, für illegales Glücksspiel geworben zu haben. Infolge der Probleme in China verwarf Crown seinen großangelegten Expansionsplan in Asien. Auch in Zusammenhang mit Bestechungsvorwürfen des israelischen Präsidenten Benjamin Netanyahu wurde James Packer vernommen, er gilt jedoch nur als Zeuge.