Galgenfrist? Macau verlängert auslaufende Casino-Lizenzen bis zum Jahresende

Veröffentlicht am: 3. March 2022, 02:00 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 3. March 2022, 02:00 Uhr.

Die Regierung von Macau hat zugesagt, die Lizenzen der aktuell im Land aktiven Casinobetreiber bis Ende des Jahres zu verlängern. Dies berichtet der öffentlich-rechtliche Rundfunk der Sonderverwaltungszone TDM heute unter Berufung auf Wirtschafts- und Finanzminister Lei Wai Nong. Zu den Hintergründen der Entscheidung habe sich der Politiker nicht geäußert. Eine offizielle Stellungnahme liegt noch nicht vor.

Blick auf leuchtendes Macau in der Nacht
Die Casino-Lizenzen von Macau sollen nun erst zum Jahresende auslaufen (Quelle:unsplash.com/Simon Zhu)

Casino-Betreiber müssen Verlängerung beantragen

Wie TDM mitteilt [Seite auf Portugiesisch), habe Lei Wai Nong die beschlossene Verlängerung der Casino-Lizenzen im Anschluss an eine Sitzung der Gesetzgebenden Versammlung öffentlich gemacht.

Ursprünglich sollten die Konzessionen am 26. Juni auslaufen. Nun solle der Betrieb der Glücksspielstätten in ihrer derzeitigen Form für weitere sechs Monate bis zum 31. Dezember gesichert sein.

Einen Automatismus gebe es hierbei laut dem Minister jedoch nicht. Vielmehr müssten die Lizenznehmer aktiv um Verlängerung ersuchen:

Wir halten die vorgesehene Zeit für notwendig und ausreichend. Wir haben die Konzessionäre bereits informiert und sie auch aufgefordert, einen Verlängerungsantrag zu stellen, denn wir können sie nicht zwingen. Sie müssen den Antrag stellen.

Zu weiteren Details habe sich der Minister TDM zufolge bedeckt gehalten. So habe er lediglich erklärt, dass die Behörden beabsichtigten, mit der Neuausschreibung der Lizenzen zu beginnen, sobald die Legislative der Stadt ein überarbeitetes Glücksspielgesetz verabschiedet habe.

Verlängerung von Casino-Lizenzen: Aufatmen auf Zeit

Mitte Januar hatte die Regierung von Macau bekanntgegeben, auch künftig sechs Casino-Lizenzen vergeben zu wollen. Damit hatte sie für Aufatmen und deutliche Kurszuwächse bei den aktuellen Konzessionären Wynn Macau, Sands China, MGM China, SJM Holdings, Galaxy Entertainment und Melco Resorts gesorgt.

Zuvor hatten Zweifel bestanden, ob sich Macau weiterhin als „Las Vegas Asiens“ werde halten können. So hatte die Führung in China in der Vergangenheit wiederholt deutlich gemacht, die starke Fokussierung ihrer Sonderverwaltungszone auf das Glücksspiel zu missbilligen.

Casinobetreiber und Beobachter fürchteten deshalb harsche Einschnitte auf dem Glücksspielmarkt, die auch mit einer deutlichen Reduzierung der Betreiber hätten einhergehen können.

Mit Einnahmen in Höhe von umgerechnet rund 33 Mrd. EUR bescherte das Glücksspiel Macau im Vor-Corona-Jahr 2019 mehr als sechsmal so viel wie dem Strip in Las Vegas. Seit Beginn der Pandemie musste das asiatische Glücksspiel-Mekka auch aufgrund schärfster Reisebeschränkungen durch den großen Bruder China massive Verluste hinnehmen.

Auch die Zukunft ist unklar. So geht China unter anderem seit einiger Zeit verstärkt gegen sogenannte Junket-Betreiber vor, die solvente Bewohner des Festlands in die Glücksspiel-Metropole locken. Ermittler vermuten enge Bande zwischen den Organisatoren der VIP-Reisen und der organisierten Kriminalität.

Die offiziell noch nicht bestätigte Verlängerung der auslaufenden Lizenzen dürfte jedoch unter das Motto „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben“ fallen. So ist nach wie vor unklar, auf welche möglichen Neuregelungen sich Casinobetreiber nach der Überarbeitung des Glücksspielgesetzes einstellen müssen.

Die nun gewährten Extra-Monate könnten einen Hinweis darauf liefern, dass der künftige Umgang mit dem Glücksspiel in Macau auch hinter den Kulissen weiter für Spannungen sorgt.