Das Ende einer Ära: Junket-Betreiber Suncity jetzt offiziell geschlossen

Veröffentlicht am: 13. December 2021, 01:29 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 13. December 2021, 01:29 Uhr.

Macaus größter Junket-Betreiber, Suncity Gaming Promotion Company Limited, hat sein Geschäft nun offiziell eingestellt. Die Ankündigung erfolgte in Form eines Briefes, den das Unternehmen am 10. Dezember an seine Angestellten schickte. Damit geht eine langjährige Ära zu Ende.

Menschen, Spielautomaten
Macau: Steht das Ende der Glücksspiel-Metropole bevor? (Bild: pixabay.com)

Kurz nachdem das für die Belegschaft folgenschwere Schreiben verschickt worden war, ging es in den sozialen Netzwerken viral. Darin soll folgender Wortlaut enthalten sein:

Liebe Mitarbeiter,

Mitteilungen verschiedener Casinos, die Zusammenarbeit mit unserem Unternehmen einzustellen, und die Einstellung der Aktivitäten des Unternehmens, um Gerichtsverfahren zu ermöglichen, haben das Unternehmen geschäftsunfähig gemacht. Angesichts der aktuellen Einflüsse höherer Gewalt gibt das Unternehmen bedauerlicherweise die Einstellung seiner Geschäftstätigkeit mit sofortiger Wirkung zum 10. Dezember bekannt. [….]

Das Unternehmen werde mit den Regierungsbehörden kooperieren, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten, heißt es weiter in dem Brief der Geschäftsführung.

Viele Fragen bleiben unbeantwortet

Die Schließung von Suncity dürfte nun eine Reihe unbeantworteter Fragen für die Gaming-Branche von Macau hinterlassen. Nicht zuletzt die Zukunft ehemaliger Suncity-Mitarbeiter dürfte derzeit ungewiss sein.

Die Aktien des Unternehmens seien laut Nasdaq [Seite auf Englisch] am heutigen Montag um 5,8 % gesunken. Zuvor war am Freitag bekanntgegeben worden, dass Kreditgeber die vollständige Rückzahlung von Darlehen in Höhe von 313,6 Millionen HK$ (35,68 Mio. Euro) innerhalb von fünf Werktagen ab dem 8. Dezember verlangt hätten. Das von Star Soul Investments aufgenommene Darlehen wurde von Alvin Chau garantiert, dem inzwischen inhaftierten Eigentümer des Unternehmens.

Ebenfalls dürfte noch zu klären sein, was mit den eingezahlten Geldern der Kunden geschehen soll. Auch das Schicksal der Subunternehmen von Suncity ist derzeit noch ungewiss.

Was die Bezahlung der ausstehenden Gehälter der Suncity-Mitarbeiter betrifft, so werde das Macauer Arbeitsamt am heutigen Montag Dienste einrichten, um die Mitarbeiter des Junket-Unternehmens zu unterstützen, berichtete The Standard [Seite auf Englisch].

Steht Macau ein Umbruch bevor?

Die chinesische Regierung in Peking geht derzeit hart gegen das Glücksspiel in Macau vor. Berichten von The Telegraph zufolge sei die Regierung der Meinung, dass Macau zu abhängig von der Glücksspiel-Branche geworden sei, die etwa 70 % zum jährlichen Bruttoinlandsprodukt beitrage.

Nun solle eingegriffen werden, um Macau zu diversifizieren und zu einem „allgemeinen Tourismusziel“ auszubauen. Der Anfang wurde mit der Verhaftung von Alvin Chau gemacht, dem Gründer von Macaus größter Junket-Gruppe Suncity.

Auch sollen weitere nach Ansicht der Kommunistischen Partei (KPC) unerwünschte und unmoralische Aktivitäten ausgerottet werden. Darauf ziele eine neue Kampagne ab. Diese Aktivitäten sollen von der Begrenzung von Kreditaufnahmen großer Immobilienentwickler bis hin zum Verbot feminisierter männlicher Charaktere in Videospielen reichen.

Ben Lee, geschäftsführender Gesellschafter von IGamiX Management & Consulting, sagt:

Es ist offensichtlich, dass China genug von Macaus Gaming-Industrie und seiner Abhängigkeit vom Festland für den Großteil seines Umsatzes hat.

Macaus Glücksspiel-Branche im Fadenkreuz

Die Zentralregierung könnte auch andere Ziele haben, um die Kontrolle in der Region zu verschärfen. So könnte es ihr um eine stärkere Einflussnahme auf die Geldflüsse gehen. Lange Zeit galt das Glücksspiel in Macau als Möglichkeit für die Menschen, ihr Geld vom chinesischen Festland abzuheben. Dies dürfte für Xi Jinping, den chinesischen Herrscher, ein weiterer unerwünschter Effekt sein.

Um ihre Forderungen zu unterstreichen, scheute die KPC auch nicht davor, Exempel zu statuieren. Die Regierung soll gezeigt haben, dass auch Superreiche nicht vor Sanktionen geschützt seien, so The Telegraph. Jack Ma, Gründer des Technologiekonzerns Alibaba, soll monatelang nicht in der Öffentlichkeit gesehen worden sein, nachdem er eine kontroverse Rede gehalten hatte, in der er die Regierung kritisierte.

Auch der bekannte Schauspieler Fan Bingbing sei für vier Monate verschwunden, während gegen ihn Ermittlungen wegen Steuerhinterziehung durchgeführt worden seien. Wie es mit der Glücksspiel-Branche weitergehen wird, ist derzeit noch ungewiss. Doch es dürften herausfordernde Zeiten bevorstehen.