Sri Lanka: Unterstützten Anti-Korruptionsfahnder illegales Glücksspiel?

Veröffentlicht am: 18. September 2019, 01:15 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 18. September 2019, 01:15 Uhr.

Die Polizei in Sri Lanka ermittelt gegen acht Angehörige ihrer eigenen Anti-Korruptionseinheit. Dies berichten örtliche Medien. Den Männern wird vorgeworfen, Verdächtige bei einer Glücksspielrazzia Anfang September unrechtmäßig freigelassen zu haben.

Schild mit Afschrift Sri Lanka am Meer
Deckten Polizisten das illegale Glücksspiel in Sri Lanka? (Quelle:needpix.com/madhawa, licensed under CC0)

Einheitsleiter unter Verdacht

Wie sri-lankische Medien berichten, stehen acht Polizeibeamte im Verdacht, ihre Stellung genutzt zu haben, um Betreibern eines illegalen Glücksspielrings Vorteile zu verschaffen. Einer der Verdächtigen soll der Leiter der Abteilung für Korruptionsbekämpfung im Polizeihauptquartier der Stadt Chilaw sein. Ein weiterer soll den Dienstgrad eines Sergeant tragen. Zudem seien fünf Constables und ein Fahrer in die Angelegenheit verstrickt.

Am 6. September hatten die Fahnder eine Razzia in einem Hotel in Wennapu in der Nordwestprovinz Sri Lankas durchgeführt. Hierbei waren sie auf einen illegalen Glücksspielring gestoßen. Insgesamt sollen 20 Personen als Verdächtige geführt worden sein. Die Beamten hätten allerdings lediglich neun von ihnen festgenommen. Die übrigen hätten den Ort unbehelligt verlassen dürfen.

Tippgeber informierte Polizeichef

Ans Licht gekommen war die zweifelhafte Aktion, weil sich ein Tippgeber an den Chef der Polizei im nahegelegenen Nattandiya gewandt hatte. Dieser hatte daraufhin Ermittlungen zu den Vorgängen in die Wege geleitet.

Dabei soll herausgekommen sein, dass die Polizisten nicht nur widerrechtlich Verdächtige auf freien Fuß gesetzt hätten. Bei der Razzia hätten sie auch das Geld der Anwesenden „konfisziert“ und in ihre eigene Tasche gesteckt. Laut Untersuchung habe es zudem bereits zuvor Fälle gegeben, in denen die Polizisten Schmiergelder von Verdächtigen entgegengenommen hätten.

Die aktuellen Ermittlungen gegen die Polizisten werfen erneut ein Schlaglicht auf das illegale Glücksspiel in Sri Lanka.

Über Jahre hatte sich der Glücksspielmarkt in Sri Lanka in einem Graubereich bewegt. Erst 2010, nach Ende des knapp 27 Jahre andauernden Bürgerkriegs, führte die Regierung vom damaligen Präsidenten Rajapaksa ein Regelwerk zum Umgang mit dem Sektor ein. Dieses erlaubte das Glücksspiel innerhalb bestimmter Grenzen, richtete sich aber maßgeblich am Glücksspieltourismus aus. Für die Einwohner des Landes blieben viele Angebote, wie z.B. das Online Glücksspiel, illegal.

Glücksspiel in Sri Lanka im stetigen Wandel

Im Rahmen der Regulierung von 2010 vergab die damalige Regierung Lizenzen zum Bau dreier Luxus- Casino Resorts im Wert von insgesamt rund 1,6 Milliarden US-Dollar. Unter anderem plante auch der australische Casinomogul James Packer, seinem Crown-Imperium in Sri Lanka einen weiteren Baustein hinzuzufügen. Die Erteilung der Konzessionen sollte zum Ausbau des Städtetourismus nach Vorbild Macaus und somit zum wirtschaftlichen Aufschwung des Landes beitragen.

Doch so weit kam es nicht. Bereits in seinem Wahlkampf im Jahr 2015 machte der heute amtierende Präsident Maithripala Sirisena deutlich, nicht auf das Glücksspiel als Zugpferd des Landes setzen zu wollen.

Nach seiner Wahl bereitete er den Plänen der Investoren ein jähes Ende. Zum Leidwesen der ansässigen Industrie zogen sich Packer und Co. vom Markt zurück. So beschrieb damals unter anderem ein Vertreter des Finanzdienstleister JB Securities aus Colombo:

Sri Lanka könnte ein idealer Erholungsort für Besucher aus anderen Teilen Südasiens werden, wobei das Spielen in Colombo, genauso wie in Macau, eine der Hauptattraktionen darstellt. Jetzt muss sich Sri Lanka mehr auf den Tourismus in den Ferienorten als auf den Städtetourismus stützen, was die Expansion des Tourismus erschwert.

Illegales Glücksspiel in Sri Lanka blüht

Maithripala Sirisena, Präsident von Sri Lanka
Präsident Maithripala Sirisena erteilte den Expansionsplänen eine Absage (Quelle:Mr Sudath Silva / Maithripala Sirisena Official, licensed under CC BY-2.0)

Zudem erhöhte die amtierende Regierung die Abgaben der Wettbüros und führte einen Mindesteintritt von umgerechnet 100 US-Dollar beim Besuch eines Casinos ein. Bei einem durchschnittlichen Monatseinkommen von rund 300 US-Dollar bleibt den meisten Einwohnern des Landes die Nutzung legaler Casino Angebote somit verwehrt. Umso mehr blüht allerdings das illegale Glücksspiel in Sri Lanka.

Bereits seit Langem versucht die Regierung, gegen die organisierte Kriminalität im Glücksspielbereich vorzugehen. Die Erfolge scheinen allerdings überschaubar zu bleiben. So machte erst im vergangenen Juli eine Razzia Schlagzeilen, bei der zwei Polizisten verletzt ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten.

Als die Beamten die damaligen Verdächtigen nach der Durchsuchung festnehmen wollten, wehrten sich diese und attackierten die Polizisten. Letztendlich konnte nur einer von ihnen festgesetzt werden, den anderen gelang die Flucht.

Die nun unter Korruptionsverdacht stehenden Polizisten sind derzeit vom Dienst suspendiert. Die Ermittlungen gegen sie dauern an.